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Tanzplattform Deutschland 2010

01.03.2010 13:16 Uhr

 

Und Schluss. 5000 Zuschauer waren da, jeder Zehnte zählte als Fachpublikum (trug ein hellblaues Bändel um den Hals). War das ein guter, ein schlechter, ein diskutabler Schnitt bei diesem Klassentreffen im Kreis der Nürnberger Bürgermehrheit?

Gab es was zu Weinen? Nein. Gab es was zu Lachen? Ja, jeden Tag einmal bei Antonia Baehr – bei ihrer Komposition für Gelächter mit dem schlichten Titel «Lachen». Die heimischen «Nürnberger Nachrichten» monierten heute morgen, dass dies keine Tanzplattform war, sondern eine Performance-Plattform. Kann Lachen Tanz sein? Unbedingt, sagen wir. Ganz zwingend ist das unwillkürliche Schütteln des Zwerchfells ein Akt, der durch Beherrschung (Baehr) des Körpers zur Ansteckung taugt (wie das Tanzen). Ist das Tanz, bohrten die Nürnberger (verließen gern und laut die Säle am Sonntag, als die Hellblaubändler deutlich weniger geworden waren).

Morgens einen Spaziergang durch den Tiergarten gemacht. Mit dem Direktorkurator des größten deutschen Zoos ein ernstes Wort gewechselt. Er sagte, dass die Hälfte des Zoos dem Publikum gehören muss. Das braucht Platz, weil es um die Besucher geht und nicht um die Tiere, schon gar nicht um so ehrenvollen Dinge wie Artenschutz, einer vornehmen Aufgabe der Zoos: «Das interessiert doch nur eine Minderheit».

Und so ist das auch im Tanz. Unwahr, dass sich niemand für den Tanz interessiert. Wahr nur, dass sich allenfalls eine Minderheit für dessen Probleme erwärmt. Martin Nachbars Rekonstruktion kurzer Tänze von Dore Hoyer etwa, der Rauschmeißer der Tanzplattform, passte perfekt zur völlig internen Debatte, wie verlorene Tänze als Kulturerbe erhalten werden könnten, damit sie zugleich auch Spielmaterial für zeitgenössische Tänzerchoreografen sein dürfen. Was ja ein Problem ist, dass aber nur Hellblaubändler ins Theater bringt. Beim Publikum löst die Debatte nur den Reiz aus, vor der Bühne den Fachleuten beizuwohnen, was sie sowieso auf die Idee bringt, dass Tanz ja sowieso bloß was für Fachleute sein kann, vor allem, wenn der Tanz nicht aussieht wie Tanz ...tja, sagen die Choreografen, soll doch die Fachpresse das dem Publikum erklären. Machen wir. Auf Wiedersehen, Nürnberg. In zwei Jahren sehen wir uns wieder, in Dresden-Hellerau.

Arnd Wesemann

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Jochen Roller
von Jochen Roller am 10.03.2010 16:33 Uhr

Yeah, rock the Ballet, Arnd! Maldoom mich auch mal! Hoffe, Dein Populismus bringt Dir wenigstens ein paar mehr Leser für Deine Tierzüchter-Zeitung. Herzliche Grüße vom Seehundfelsen. Jochen

Martin Nachbar
von Martin Nachbar am 06.03.2010 00:17 Uhr

Und nachdem sich mein Gemüt nach dem morgendlichen Ärger abgekühlt hat: Mir geht es nicht darum, dass meine Arbeit evtl. weniger gemocht wird als die meiner Kollegen, deren Arbeit ich immer respektiere und oft schätze. Mir geht es darum, dass ich nicht verstehe, warum in der Kritik Meinung so oft als Faktum daher kommt: Ist das recherchiert, dass bisher nur Fachleute  "Urheben Aufheben" gesehen haben? Und es geht darum, dass ich die Fachpresse überhaupt nicht brauche, um meine Arbeit dem Publikum zu erklären. Das mache ich ja schon selbst bzw. arbeite ich mich an Themen wie Vater-Sohn-Beziehung ab, die alle kennen und nicht erklärt zu kriegen brauchen. Und es geht darum, dass A.W. überhaupt gar nichts erklärt, sondern immerzu versucht, Meinung zu machen. Ist schließlich auch sein Job. Aber vielleicht kann er oder eine/r seiner KollegInnen bitte kurz erklären, was den Feuilletonisten vom recherchierenden Journalisten unterscheidet (am 1.3. z.B. schrieb Karin Lederer in der Nürnberger Zeitung von der "Mary-Wigam-Jüngerin" Dore Hoyer; ein Blick in den Wikipedia-Eintrag zu Hoyer hätte schon gereicht zu wissen, dass sie lediglich gelegentlich für Wigman getanzt hat, von Jüngerin keine Rede). Wenn ich also weiß, wieso ich so oft solche und andere Un- und Halbwahrheiten in der Tanzkritik lesen muss, brauch ich mich in Zukunft vielleicht weniger aufregen. Danke im Voraus.

Martin Nachbar
von Martin Nachbar am 05.03.2010 10:54 Uhr

Lieber Arnd,

ich habe schon von ganz vielen Tanzlaien gehört, dass "Urheben Aufheben" zu ihrem Verständnis und Genuss von Tanz beigetragen hat. Aber dass diese beiden, Verstehen und Genießen, zusammen gehören könnten, scheint bei vielen Tanzkritikern, z.B. bei Dir, ein Privileg der Profis und damit auch ihr Privileg zu sein. Ist es aber nicht. Gerade Leute, die im Tanz unversiert sind, verstehen gerne, bevor und während sie genießen. Diese ständige Suche nach Impact, dem sich das Publikum nicht entziehen kann und der dann als mutig betitelt wird, erinnert mich daran, wie die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Programm machen: Zur Hauptsendezeit Soap, Sport, Krimi und Musikantenstadl und um Mitternacht dann ein paar Sendungen, die für das breite Publikum für zu anspruchsvoll gehalten werden. Herzliche Grüße, Martin Nachbar



«tanz» Redaktion

von «tanz» Redaktion am 28.02.2010 11:50 Uhr
Welche Stücke passen auf die Tanzplattform? Wer, was und wenn ja, wie viele? Repräsentiert sie den deutschen Tanz? Weiter
«tanz» Redaktion

von «tanz» Redaktion am 27.02.2010 11:09 Uhr
Der Tiergarten der Tänzer Weiter
«tanz» Redaktion

von «tanz» Redaktion am 26.02.2010 12:08 Uhr
Neuer Tanz und Ludica aus Düsseldorf eröffneten die Tanzplattform Deutschland 2010 in Nürnberg. Weiter
«tanz» Redaktion

von «tanz» Redaktion am 25.02.2010 17:16 Uhr
Wunderliches Weiter
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