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Porträt

Spaziergänge mit Einstein
Foto: Archiv Emanuel Lasker Gesellschaft
Emanuel Lasker ist die wohl anspruchsvollste und eigenwilligste Gestalt der modernen Schachgeschichte.

Emanuel Laskers Persönlichkeit zeichnete sich durch enorme Vielseitigkeit aus. Er promovierte in Mathematik, schrieb mehrere philosophische Werke, betätigte sich als Herausgeber von Schachbüchern, Schachzeitschriften und verfasste literarische Werke. Als Schwager von Else Lasker-Schüler, Freund Albert Einsteins, des Malers Max Oppenheimer und des Schauspielers Fritz Kortner lebte der Jude Lasker mitten im liberalen, akkulturierten deutschen Judentum. Der Machtantritt der Nazis ließ ihn 1933 zum mittellosen Emigranten werden.

«Im übrigen vertraue man auf seinen eigenen Geist…»

27 Jahre lang (1894-1921) verteidigte Emanuel Lasker seinen Titel - damit  ist er bis heute der am längsten amtierende Schachweltmeister aller Zeiten. Welch enorme Leistung es ist, die Position des Champions über solch einen Zeitraum zu behaupten, können wohl nur Schachspieler ermessen. Eines seiner Erfolgsrezepte formulierte Lasker so: «... man sei (…)  hartnäckig und lasse sich alles klar und deutlich beweisen. Im übrigen vertraue man auf seinen eigenen Geist, denn der ist die Bedingung und der Urquell aller Freude und allen Könnens am alten, tiefen, feinsinnigen Schachspiel.»

Laskers unbändige Lust am Denken beschränkte sich allerdings nicht auf die 64 Felder des Schachbretts. Als Mathematiker, Philosoph, Spieltheoretiker, politischer Publizist und Dichter schuf er Werke, die die vielschichtige Gedankenwelt eines originellen und unangepassten Geistes offenbaren.
 

Verwandtschaft mit Else Lasker-Schüler

Nachdem er 1894 gegen Wilhelm Steinitz seinen ersten Weltmeistertitel errungen hatte, wurde Lasker bald zu einem der bekanntesten Deutschen im Ausland. Auch im Inland wurde in den Zeitungen über seinen furiosen Aufstieg berichtet. Das «Schachgenie» schaffte es sogar auf die Titelseite der «Berliner Illustrierten Zeitung», der damals auflagenstärksten deutschen Wochenzeitschrift.

Heutzutage hingegen verbindet man mit dem Namen Lasker vor allem seine Schwägerin Else Lasker-Schüler. Die berühmte Dichterin hatte 1893 Emanuels Bruder Berthold Lasker geheiratet, und war dem Arzt und ebenfalls starken Schachspieler von Elberfeld (heute Wuppertal) nach Berlin gefolgt. Die Ehe war allerdings nicht glücklich und wurde 1903 wieder geschieden.

Auch Emanuel war mit einer Schriftstellerin verheiratet. Martha Bamberger, verh. Cohn, hatte sich mit ihren heiteren Versen und Kurzgeschichten, die sie unter dem Pseudonym «L. Marco» veröffentlichte, in der Berliner Presselandschaft als Unterhaltungsschriftstellerin schnell einen Namen gemacht. Die Liebe zu ihr bewog den Kosmopoliten nach mehrjährigen Aufenthalten in England und Amerika, wieder nach Berlin zurückzukehren. Auf dem Landsitz im brandenburgischen Thyrow, den sich das Paar Anfang der 20er Jahre errichtete, verfasste Lasker einige Grundlagenwerke über Brett- und Kartenspiele sowie zur Spieltheorie.
 

Spaziergänge mit Einstein

Für keinen geringeren als Albert Einstein war Lasker «einer der stärksten Geister, denen ich auf meinem Lebenswege begegnet bin». Sie lernten sich 1918 in Berlin kennen, und ihre unmittelbare Nachbarschaft im Berliner Stadtteil Schöneberg ermöglichte regelmäßige gemeinsame Spaziergänge. Da sich Einstein nicht übermäßig stark für das Schachspiel interessierte, begab sich Lasker auf das Terrain des Nobelpreisträgers. Einstein nahm es dem Freund nicht übel, als dieser versuchte, seine Relativitätstheorie öffentlich zu widerlegen. Im Gegenteil, er bescheinigte Lasker einen «scharfen analytischen Geist» und bewunderte dessen «unbeirrbare Selbständigkeit».

Lasker, der selbst ein promovierter Mathematiker war, hatte sich während seines Studiums im Nebenfach Physik eingeschrieben und verfügte daher über einige Kenntnisse. In die Mathematikgeschichte ist er mit dem nach ihm benannten «Laskerschen Zerlegungssatz» eingegangen, einem grundlegenden Theorem in der modernen Algebra.
 



11.01.2010 Susanna Poldauf

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