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Katastrophengewinner

Willkommen in der Zukunft

Sein russischer Kollege Brovkin hat das komplizierte Zusammenspiel zwischen menschengemachter Erderwärmung und natürlichen Temperaturschwankungen im Atlantik am Rechner durchgespielt: „Einige Modelle ergeben, dass der westafrikanische Monsun in Zukunft noch an Stärke gewinnen könnte“, erläutert er. Und das würde eine Fortsetzung des grünen Trends bedeuten.

„Die Sahara könnte langfristig – in vielen hundert oder gar tausend Jahren – wirklich wieder zu einem Savannenland werden“, glaubt auch Kröpelin und schränkt sogleich ein: „Aber selbst ein positiver Klimatrend wird nicht viel ausrichten, wenn die Bevölkerung in der Region weiter exponentiell wächst und die Landnutzung in gleichem Maße zunimmt.“

Das mildere Klima verhilft nicht nur dem sandigen Ödland in Afrika zu neuem Leben. Rund um den Globus breiten sich Waldflächen aus, Baumgrenzen verlagern sich in ungekannte Höhen oder Richtung Norden. Ein Forscherteam wertete jüngst Daten aus 166 Waldgebieten der Erde aus. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte davon ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts größer geworden.

Für das Klima muss das nicht gut sein: Zwar entziehen Bäume der Atmosphäre das Treibhausgas Kohlendioxid. In hohen Breiten aber, etwa in den endlosen Weiten der russischen Taiga, könnte es zu einer von Klimaexperten gefürchteten „Rückkopplung“ kommen. Mathematiker Brovkin simuliert am Computer, wie sich die gedeihende Vegetation auf das Klima auswirkt: „Wälder haben wegen ihrer dunklen Farbe ein geringeres Reflexionsvermögen als Grass oder freie Schneeflächen“, erklärt der Forscher. „Dies führt dazu, dass mehr Sonnenenergie absorbiert wird.“ Dadurch erwärmen sich nach Brovkins Kalkulationen die erdnahen Luftschichten – der Treibhauseffekt würde dadurch noch verstärkt. Andere Wissenschaftler halten dagegen, dass Wälder mit ihren Ausdünstungen die Wolkenbildung begünstigen – und dies hätte eher kühlenden Effekt.

Während bei den Klimamodellierern die Rechner heißlaufen, zeigen sich rund um den Globus harte Fakten: Im Norden Kanadas beobachteten Waldexperten schon seit längerem, wie Fichten und Sträucher die einst eher garstige Landschaft überwuchern – und die dort heimischen Tiere wie Karibus und Schafe verdrängen. Jüngste Hinweise kommen von der Ellesmere-Insel: Die zuvor mit Flechten und Moosen bewachsene Tundra verwandelt sich dort an vielen Stellen in eine saftig grüne Buschvegetation, berichtet das Fachjournal Ecology. Satellitenaufnahmen aus Alaska bestätigen den Trend und dämpfen zugleich übereilten Optimismus: Während auch dort die Tundra sprießt, leiden die Wälder im Inland unter zunehmender Trockenheit.

Der Einfluss des Menschen

Auch auf dem eurasischen Kontinent erobern Bäume neues Areal. Besonders gut lässt sich das im nördlichen Ural beobachten, eine gottverlassene Gegend, deren natürliche Vegetation praktisch unberührt geblieben ist. Ein Forscherteam um den Russen Pavel Moiseev aus Jekaterinburg verglich Fotografien des beginnenden 20. Jahrhunderts mit heutigen Aufnahmen der Region: Wo es einst nur spärlichen Bewuchs gab, wachsen heute Bäume. Deren Verbreitungsgrenze ist um rund 60 bis 80 Höhenmeter nach oben verrutscht, die Wachstumsphase hat sich verlängert.



Ulrike Fell / freitag / Seite 22 / 47 2009

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