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Zeitgeschehen

Goethe und das Geld
Szenenbild aus «Faustspuren», Foto: Ensemble Theaterwandel
28. Februar, Köln: «Faust», von Ökonomen gelesen - ein theatralisch illustrierter Thementag im Konzertsaal der Kölner Musikhochschule

«Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff es denn», befiehlt der Kaiser in Goethes «Faust II». Und Mephisto erfindet das Papiergeld, Ursymbol des Kreditwesens. Inwieweit heute noch neue Ideen zu unserem Umgang mit Geld aus Goethes «Faust» geschöpft werden können, will der gemeinnützige Verein Indaba e.V. in einem Thementag mit dem utopistischen Titel «Geld und Wirtschaft, Liebe und Verantwortung – Auf der Suche nach einer anderen Welt» erforschen.
 
«Über Geld spricht man ja eigentlich nicht. Das wollen wir ändern», so Organisator Dan-Felix Müller, der gleichzeitig Mitgründer von Indaba ist und die allgemeinen Ziele des Vereins, der «vor allem aus jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 besteht», so beschreibt: «Wir wollen Ideen erlebbar machen und glauben daran, dass aus Vernetzung Neues entstehen kann.» Die ökonomischen Ideen, die Goethe, der als Wirtschafts- und Finanzminister am Weimarer Hof ja auch praktische Erfahrungen sammelte, im Faust ausbreitet, findet er «ungebrochen aktuell».
 
Als prominentesten Referenten hat Müller, der im Hauptberuf für die Abteilung Umwelt & Ressourcen des dm-Drogeriemarkts tätig ist, seinen Chef gewinnen können. dm-Markt-Gründer Götz Werner ist der Öffentlichkeit als einer der ersten und hartnäckigsten Verfechter eines «bedingungslosen Grundeinkommens für alle» bekannt. Auf dem Kölner Thementag wird er sich über «Dimensionen einer Wirtschaft im Wandel» ausbreiten. Außerdem treten u.a. der Bildungswissenschaftler Jost Schieren und der Wirtschaftsökonom Hans-Christoph Binswanger, Vordenker einer «weltweiten ökosozialen Marktwirtschaft», auf. Binswangers Vortrag dürfte das eigentliche Herzstück der Gesamtveranstaltung darstellen: Er hat sich eine «ökonomische Deutung von Goethes Faust» vorgenommen.
 
Die vom Veranstalter dringend erwünschte Vernetzung soll ganz informell in den Pausen zwischen den Vorträgen stattfinden, während derer das Publikum Dan-Felix Müller zufolge auch mit den Referenten in Austausch treten kann. Beendet wird der Thementag mit einem «Bühnenspektakel» für alle Kunst-Sinne: Das Kölner Ensemble Theaterwandel zeigt seine Produktion «Faustspuren», in der der zweite Teil des Faust «mit aktuellem Bezug zur heutigen Welt- und Wirtschaftslage» tänzerisch, musikalisch und theatralisch aufbereitet wird.

 


09.02.2010 Sophie Diesselhorst

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Sabine Kulenkampff
von Sabine Kulenkampff am 28.03.2010 17:50 Uhr

Als unverbesserliche Goetheverehrerin lasse ich auf meinen Olympier nix kommen, aber interessant - und zu obigem Thema passend - ist das 2006 bei Steidl erschienene Buch des Soziologen Oskar Negt "Die Faust-Karriere. Vom verzweifleten Intellektuellen zum gescheiterten Unternehmer". Faust als "Idealtypus des Unternehmerns" wird mit dem Nationalsozialismus und  verantwortungslosen Unternehmertum in Verbindung gebracht, und aber auch als "Urvater des Existentialismus" umschrieben. Die Magie des Textes bleibt am Ende unangetastet - "das ewig - goethesche zieht uns hinan", möchte ich sagen.... Es gibt Erzählungen, die alle Kommentare überdauern, auch meine.

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