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Tabelle und Einzelwertungen

Auswertung
42 Kritiker nennen ihre Höhepunkte der Saison 2011/12

Über nichts waren sich die Kritiker in diesem Jahr so einig wie über das Ausländische Stück des Jahres: «Three King­doms», Simon Stephens’ in enger Zusammenarbeit mit Sebastian Nübling entstandenes englisch-deutsch-estisches Drei-Länder-Stück zum europäischen Sexhandel mit Frauen. 18 Fans vereinte es in einem Boot, 6 mehr als das glatte Dutzend, das sich beim Deutschen Stück des Jahres auf Altmeister Peter Handkes Familiensaga «Immer noch Sturm» verständigen konnte, dem René Polleschs «Fatzer»-Kommentar «Kill your Darlings» mit 8 Stimmen folgte.

Die Inszenierung des Jahres heißt «Faust I + II», von Nicolas Stemann in großer Stilvielfalt fürs Thalia Theater Hamburg und die Salzburger Festspiele inszeniert und von 13 Kritikern für herausragend befunden. 9 nannten auch den «Faust»-Dramaturgen Benjamin von Blomberg als Dramaturg des Jahres. Ebenfalls 9 erwärmten sich für Vegard Vinge und Ida Müllers Mammut-Performance «John Gabriel Borkman» im Prater der Berliner Volksbühne, 6 stimmten für Herbert Fritschs Kaiserzeit-Schwank «Die (s)panische Fliege» von Arnold & Bach, ebenfalls Volksbühne, dessen überlebensgroße Teppich-Trampolin-Ausstattung Fritsch auch zum Bühnenbildner des Jahres machte (9 Stimmen plus eine in der Nachwuchskategorie). 6 Kritiker plädierten für das ausgetüftelte Comic-Papp-Bühnenbild von Vinge/Müllers «John Gabriel Borkman». Zum dritten Mal kommt «Die (s)panische Fliege» bei den opulenten Kostümen des Jahres ins Spiel, deren Erfinderin wie im letzten Jahr Victoria Behr heißt. 12 Schiedsrichter entzückten ihre gigantischen Perücken und Farbwagnisse, 5 weitere haben sich in die historisch präzisen Kleider verguckt, die Eva Dessecker für Alvis Hermanis’ «Eugen Onegin» an der Berliner Schaubühne und den Wiener Burg-«Platonov» entworfen hat.

Gleich fünf Damen liegen Kopf an Kopf beim Rennen um den Ehrentitel Schauspielerin des Jahres. And the winner is, mit 6 Stimmen: Sophie Rois, die hintergangene Senffabrikantengattin Emma Klinke in, ja, noch einmal, der «(S)panischen Fliege». Ihr unmittelbar auf den Fersen mit 5 Voten sind die Münchner Kammerspielerin Sandra Hüller für ihren Part in Johan Simons’ Sarah-Kane-Inszenierung «Gesäubert/Gier/4.48 Psychose» und Constanze Becker für ihre Frankfurter Medea in der Regie von Michael Thalheimer. Je 4 Stimmen errangen Jana Schulz, der weibliche Macbeth in Karin Henkels Münchner Kammerspiel-Shakespeare, und Bibiana Beglau als Petra von Kant in Martin Kusejs Fassbinder-Inszenierung am Münchner Residenztheater. Der Schauspieler des Jahres ist mit 11 Stimmen Sebastian Rudolph, der Mephisto-Faust-Solist im ersten Teil des Stemann-«Faust», gefolgt von Fabian Hinrichs in René Polleschs «Kill your Darlings» und Wolfram Koch als Ludwig Klinke in der «(S)pani­schen Fliege» (je 5 Stimmen). Mit einer Stimme weniger belegt Thomas Schmauser  in «Gesäubert/Gier/Psychose 4.48» den dritten Platz.

Beim Nachwuchs verlaufen sich die Stimmen in der Vielfalt der deutschen Theaterlandschaft – und jede Einzelnennung ist ein Signal. 9 Stimmen auf sich vereinigen konnte die Dramatikerin Anne Lepper für ihre Stücke «Käthe Hermann» und «Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier» (zwei Kritiker sahen sie sogar als Dramatikerin des Jahres), 4 Kritiker begeisterten sich für den Schauspieler Bastian Reiber als vermeintlich unehelich gezeugten Heinrich Meisel in, nun zum letzten Mal, der «(S)panischen Fliege».

Die Theater des Jahres liegen in der Hauptstadt. Matthias Lilienthals HAU krönten in seiner letzten Spielzeit 8 Stimmen zum Sieger, zum zweiten Mal nach 2004, seiner ersten Spielzeit. Die Wiederauferstehung seiner ehe­maligen Wirkungsstätte, Frank Castorfs Volksbühne, beglückte 7 Kritiker, für den dritten Platz reichen den Münchner Kammerspielen 4 Stimmen.

Die Ärgernisse des Jahres sind mit je 6 Stimmen gerecht verteilt auf die kostspieligen Schlampereien bei der Sanierung des Stuttgarter Schauspielhauses und den absurden Hype, den ein geistig unterbelichtetes Buch namens «Kulturinfarkt» auslösen konnte. Denn dass zumindest das deutsche Theaterwesen vom Infarkt weit entfernt ist, beweist nicht zuletzt diese Kritikerumfrage unter Liebenden und Enthusiasten, bei denen der Ärger an allerletzter Stelle kommt.
 


/ Theaterheute / Seite 128 / Jahrbuch 2012

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