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Schauspielhaus Hamburg

Söhne und Söhne
Foto: Schauspielhaus Hamburg/ Koestler

Die vollständige Rezension können Sie in Theater heute 1/2016 lesen.

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Oder Sie testen Theater heute im kostenlosen Probeabo.

Ansehen können Sie das Stück am Deutschen Schauspielhaus Hamburg vom 8.-10.01. und vom 13.-16.01.2016

 

«Der erste Tag in einer neuen Firma ist immer schwierig. Man weiß nicht, wem man vertrauen kann, man hat die firmeninternen Hierarchien noch nicht verinnerlicht, man fürchtet, in Intrigennetzwerke einzubrechen. Also stolpert man verunsichert durch den Arbeitstag, ständig in Angst, etwas falsch zu machen. Der erste Tag in der Hamburger Filiale von Söhne & Söhne beginnt damit, dass man zusammengefaltet wird, weil man eine halbe Stunde zu früh kommt. «Zu früh ist auch nicht pünktlich!» Schon zu Beginn ist man ins Fettnäpfchen getreten, und besser wird es auch nicht werden.

Signas «Söhne & Söhne» ist eine theatrale Installation im Auftrag des Hamburger Schauspielhauses nach dem typischen Muster des dänisch-österreichischen Horrorfabulierer-Künstlerpaars Signa und Arthur Köstler: Man nehme a) eine hinreichend abgerockte Örtlichkeit, in diesem Fall die ehemalige Gewerbeschule für Bauhandwerker, ein riesiger, verwinkelter Bau, der einem schon ohne Inszenierung jeden Lebensmut zu rauben im Stande ist. Die bemöble man mit b) Einrichtungsgegenständen, die schon seit mindestens 30 Jahren nicht mehr in Gebrauch sind und so eine Mischung aus Staub, Ekel und surrealer Patina mit sich bringen sowie c) einer großen Zahl Performer, die in erster Linie leer dreinblicken und außerdem das Publikum gelegentlich frontal angehen. Und schließlich braucht es noch d) eine halbwegs in sich stimmige Erzählung, die das Gezeigte irgendwie zusammenhält.

Neu in der Firma

In «Söhne & Söhne» ist dies die Geschichte einer mysteriösen, uralten, weltumspannenden Firma unklarer Profession. In dieser stehen bedeutende Umwälzungen an, es gibt eine große Anzahl Neueinstellungen. Das Theaterpublikum schlüpft in deren Rollen und durchläuft während eines streng getakteten Probearbeitstags die verschiedenen Abteilungen.

Ziemlich schnell wird klar, dass diese Abteilungen ausschließlich dazu da sind, die firmeninternen Prozesse zu organisieren: Es gibt eine Abteilung für Resistenz-Schulung (eine Art Werksschutz, der ein Bürgerkriegsszenario probt), eine Krankenstation (in der der eigene Tod durchgespielt wird), ein Büro für interne Gesetze (das Verstöße gegen die Firmenregeln ahndet). Das erinnert ebenso an die in bürokratischer Verfettung erstarrte Spät-DDR wie an einen anthroposophisch unterfütterten Reformkapitalismus, der einerseits die Firma als fürsorgliche Familie predigt, andererseits durchaus repressive Züge annehmen kann. Denn wenn der Arbeitgeber doch so liebevoll für einen sorgt, mit FKK-Club, kostenloser medizinischer wie erotischer Versorgung und Rückführung in Kindheitstraumata, weswegen tauchen in den Fluren unvermittelt Bewaffnete auf und drohen, einen augenscheinlich verängstigten Kollegen mitzunehmen?

Weswegen scheint unter den Mitarbeitern eine gnadenlose Hackordnung zu herrschen? Weswegen bricht der Ex-Filialleiter (Klaus Unterrieder) während seiner plattitüdensatten Begrüßungsrede zusammen und wird darauf in einen Schrank verfrachtet? Und was sollen die kryptischen Hinweise, dass der Pulsschlag des Hauses aus dem Takt geraten sei, dass man keine Synchronität mit der Urfiliale mehr hinbekomme, dass hier ohnehin einiges in Schieflage geraten scheint? «Es sind schwierige Zeiten!», murmelt die Kollegin bei der Resistenz-Schulung (Yulia Yañez), «wir stehen vor großen Veränderungen.»»

Rezensent: Falk Schreiber


08.01.2016

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