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Volkstheater Wien

«Alte Meister»
Foto: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Die vollständige Rezension können Sie in Theater heute 12/15 lesen.

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Ansehen können Sie das Stück Volkstheater Wien am 25.2., 1., 12., 23.3.2016
 
«Der kleine Reger. Ein Schwarzbuch der abendländischen Kunst und Kultur» heißt der Abschnitt im Programmheft zu Thomas Bernhards «Alte Meister», in dem der Dramaturg Roland Koberg von B wie «Beethoven» bis Z wie «Zeitungen, österreichische» prominente Vernichtungshöhepunkte der Textfassung verschlagwortet hat. Gustav Mahler? «Der überschätzteste Komponist des Jahrhunderts.» Wolfgang Amadeus Mozart? «Voller Unterröckchen- und Höschenkitsch.» William Shakespeare? «Die Sätze gehen uns auf die Nerven.» Martin Heidegger? «Ein Voralpenschwachdenker.» Die sogenannten freien Künstler? «Skrupellose Verlogenheitsenthusiasten, die sich dem katholischen Staat angebiedert haben.» Der Papst? «Ein genauso hilflos-grotesker Mensch wie alle anderen auch.» Und der Anfang allen Übels, der Staat: «Wir sehen, wohin wir schauen, nur Staatskinder, Staatsschüler, Staatsarbeiter, Staatsbeamte, Staatsgreise, Staats­tote.»
Verständlich, dass Thomas Bernhard seinen 1985 erschienenen Prosaband der Gattung Komödie zuschlug. Denn was gibt es Komischeres als ein heiteres Ikonenbashing – und als unglückszerfressene Kritiker, vor deren Augen nichts und niemand Gnade findet? Natürlich verbirgt sich hinter den nicht enden wollenden Tiraden des Musikkritikers Reger und seines gelehrigen Zuhörers, des Museumsaufsehers Irrsigler, am Ende nichts Geringeres als eine Tragödie. Regers Ehefrau ist kürzlich gestorben, erfährt der Leser auf den letzten Seiten. Die stundenlangen Hass-Sitzungen mit Irrsigler im Bordone-Saal des Kunsthistorischen Museums Wien, gegenüber von Tintorettos «Weißbärtigem Mann», dienen veritabler Trauerarbeit, die auch biografisch verbürgt ist: Mit «Alte Meister» versuchte Bernhard seines eigenen Kummers um seinen 1984 gestorbenen «Lebensmenschen» Hedwig Stavianicek Herr zu werden.

Menschliche Zwangsjacke


Hausregisseur und Bühnenbildner Dusan David Parizek hat sich zum Auftakt von Anna Badoras Volkstheaterintendanz drei österreichi­sche Nationaldissidenten auf einmal vorgeknöpft: Die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Ibsenkommentar «Nora3» Parizek bereits 2013 am Düsseldorfer Schauspielhaus inszenierte und den nun das Volkstheater übernommen hat (vgl. TH 12/13), den heimattraumatisierten Thomas Bernhard und den Wahlfranzosen Peter Handke.»

Rezensentin: Eva Behrendt

Mehr über die Inszenierung finden Sie in Theater heute 12/2015.


07.12.2015

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