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Die Höhepunkte des Jahres

Wie ein roter Faden ...
Umfrage und Auswertung: 42 Kritiker nennen ihre Höhepunkte der Saison 2014/15

... zieht sich Wolfram Lotz’ Kolonialismus-Groteske «Die lächerliche Finsternis» durch die diesjährige Kritikerumfrage. Nicht nur waren sich mehr Kritiker als jemals zuvor, nämlich 27, einig, dass dies das deutschsprachige Stück des Jahres ist (zweitplatziert folgt mit 4 Stimmen Ewald Palmetshofers «die unverheirate»), 8 Kollegen machten auch Dusan David Parizeks Inszenierung des Lotz-Stückes als Weiberspektakel am Burgtheater zur Inszenierung des Jahres (gefolgt von Frank Castorfs verbotenem «Baal», Herbert Fritschs «der die mann» und Susanne Kennedys «Warum läuft Herr R. Amok?» mit je vier Stimmen). 

Auch Parizeks zur Pause kleingehäckseltes Bühnenbild zur «Lächerlichen Finsternis» ist als Bühnenbild des Jahres mit 4 Stimmen gleichauf mit Katrin Nottrodts Bunker für Karin Henkels «John Gabriel Borkman» am Hamburger Schauspielhaus und mit Aleksandar Denics verschachteltem Dschungel-Bordell für Castorfs «Baal». 

Wesentlich deutlicher fällt das Votum für die Kostüme des Jahres aus: Sie entwarf zum dritten Mal in Folge Victoria Behr und bekam 12 Stimmen für ihre Mad-Men-Anzüge in Herbert Fritschs Volksbühnen-Inszenierung von «der die mann» nach Konrad Bayer, 1 Stimme für den «Schwarzen Hecht» (ebenfalls Fritsch) in Zürich. Wieder, mit 5 Stimmen, gefolgt von Adriana Braga Peretzki für ihre Kostüme in Castorfs «Baal» und seinem «Pastor Ephraim Magnus». 
 
Überraschungssiegerin aber ist Stefanie Reinsperger, die in Personalunion Schauspielerin des Jahres (9 Stimmen) und Nachwuchsschauspielerin des Jahres (15 Stimmen) wird: Vor allem genannt für ihre Mehrfachrollen in «Die lächerliche Finsternis», u.a. als somalischer Pirat, aber auch für die junge Frau, die sie in Ewald Palmetshofers «die unverheirate­te» spielt, beides im Wiener Akademietheater. Die zweitplatzierte Schauspielerin des Jahres Lina Beckmann eroberte 7 Kritikerherzen mit ihrer Ella Rentheim im Hamburger «John Gabriel Borkman», und auch die 5 Stimmen für Elisabeth Orth als Großmutter in «die unverheirate» sind unbedingt der Rede wert. 
 
Schauspieler des Jahres wurde Samuel Finzi mit 6 Stimmen für seinen Wladimir in Ivan Panteleevs Beckett-Inszenierung «Warten auf Godot» am Deutschen Theater (2 Stimmen davon muss er sich allerdings mit Estragon Wolfram Koch teilen). Ihm folgt auf Platz zwei Josef Ostendorf als Titelheld in Karin Henkels «John Gabriel Borkman» und als Pastor Ephraim Magnus in Frank Castorfs gleichnamiger Jahnn-Inszenierung mit zusammen 4 Stimmen.
 
Das Wiener Burgtheater, das mit 6 Voten zum Theater des Jahres gewählt wurde, dürfte seinen Erfolg neben den erfolgreichen Rehabili­tierungsbe­mühungen der neuen Intendantin Karin Bergmann nach dem Hartmann-Debakel nicht zuletzt auch den beiden Inszenierungen der neuen Stücke von Wolfram Lotz und Ewald Palmetshofer verdanken, die sowohl zum Berliner Theatertreffen als auch zu den Mülheimer Stücken eingeladen wurden. Die zweitplatzierten Theater des Jahres bringen es auch auf genau 3 Stimmen und stehen in Berlin (Volksbühne, Maxim Gorki Theater, Schaubühne) und Dortmund.
 
Sieger gibt es aber auch außerhalb von Wien. Zum Beispiel das Ausländische Stück: Es stammt von Noah Haidle und heißt «Alles muss glänzen – The Homemaker», 5 Kritiker konnten sich für das surreale Familienstück erwärmen. 
 
4 Stimmen für ihre Mitarbeit bei Nicolas Stemanns Jelinek-Inszenierung «Die Schutzbefohlenen» machen Stefanie Carp zur Dramaturgin des Jahres.
 
Und der Nachwuchs? Der bleibt mit Ausnahme von Stefanie Reinsperger eher vielfältig. Immerhin 3 Stimmen konnte die Alfred-Kerr-Preisträgerin Gala Winter als Frida Foldal im Hamburger «Borkman» auf sich vereinen, ebenso viele zum zweiten Mal Christopher Rüping für seine Regie beim Stuttgarter «Fest». 
 
Mächtig zersplittert auch das Ärgernis des Jahres. Man ärgert sich über das «Baal»-Verbot und Flüchtlinge auf der Bühne, über die alles durchdringende Ökonomisierung, das Verschwinden der Theaterkritik und vieles mehr; 4-fach immerhin konzentriert sich der Ärger auf die dilettantische Kulturpolitik in Rostock, am allerhäufigsten allerdings fallen die Begriffe Chris Dercon, Tim Renner, Volksbühne, Claus Peymann, Besitzstandswahrung, Eventkultur etc.: Die avisierte Übergabe der Volksbühne hat viele Gemüter in Wallung versetzt, sie wallen mal dafür, mal dagegen. Fortsetzung folgt.
 

/ Theaterheute / Seite 156 / Jahrbuch 2015

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