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Die Höhepunkte des Jahres

Feine Unterschiede
44 Kritiker nennen Höhepunkte der Saison 2013/14

Richtig einig sind sich die 44 Kritiker, die zu unserer diesjährigen Hitparade beigetragen haben, vor allem in einer Frage: Das Theater des Jahres ist das Maxim Gorki Theater im ersten Jahr der Intendanz von Shermin Langhoff! Eindrucksvolle 15 Kritiker ließen sich von ihrem Berliner Neustart überzeugen, 7 stimmten für den Vorjahressieger Münchner Kammerspiele unter Johan Simons, und weitere 4 stimmgewaltige Kollegen votierten fürs Stuttgarter Schauspiel, geleitet von Armin Petras, der zu Saisonbeginn vom Gorki in die Schwabenmetropole gewechselt war.

Die zweiteindeutigste Begeisterung unserer Kritiker-Crew gilt Bibiana Beglau, die mit 10 Stimmen für ihren Bardamu in Célines «Reise ans Ende der Nacht» zur Schauspielerin des Jahres gekürt wurde (Residenztheater München). Ursina Lardi (in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung «Kleine Füchse») und Sandra Hüller (in verschiedenen Kam­merspiel-Rollen) folgen mit je vier Anhängern. Nicht ganz so überbordend das Votum auf der Männer-Seite: Peter Kurths Stuttgarter «Onkel Wanja» vereint eine Handvoll Kritiker im Ja: der Schauspieler des Jahres! Thomas Schmauser und Thomas Wodianka müssen sich mit je drei Stimmen begnügen.

Castorfs Céline-Inszenierung am Münchner Residenztheater bot auch die Spielfläche für die detailverliebten 3D-Fantasien des Bühnenbildners des Jahres, Aleksandar Denic, der mit 9 Voten die je 4-mal genannten Kollegen Bert Neumann (für «Gasoline Bill», Münchner Kammer­spiele), Dominic Huber («Situation Rooms», u.a. Ruhrtriennale), Moritz Müller («Szenen einer Ehe», Schauspiel Stuttgart) und Andreas Auerbach (3-mal für «Und dann» in Leipzig, 1 Mal für «Republik der Wölfe» in Dortmund genannt) auf die Plätze verwies.

Kostümbildnerin des Jahres wurde mit 8 Stimmen zum wiederholten Male Victoria Behr für ihre schillernden Anzüge und Cocktailkleider und kunstvollen Latex-Perücken im Dienste von Herbert Fritschs «Ohne Titel Nr. 1» an der Berliner Volksbühne, gefolgt von Adriana Braga Peretzkis opulenter Ausstaffierung der Céline-Akteure.

In den folgenden Kategorien herrscht hohe Leistungsdichte.

Nur 5 Stimmen benötigt Karin Henkels identitätsverwirrte Kleist-Aktualisierung «Amphitryon und sein Doppelgänger» am Schauspielhaus Zürich für den Titel Inszenierung des Jahres, 4 kritische Geister konnten sich auf Alain Platels Tanz auf der Mülldeponie «Tauberbach» an den Münch­ner Kammerspielen verständigen. Ebenfalls 5 Voten stark ist die Phalanx, die Sibylle Bergs «Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» aufs Podest des Deutschsprachigen Stücks des Jahres hebt, gefolgt von einer starken Reihe von 4-Stimmen-Zweiten: Laura de Wecks «Archiv des Unvollständigen», Rimini Protokolls «Situation Rooms», René Polleschs «Gasoline Bill» und Yael Ronens «Common Ground». Martin Crimp hat Euripides’ «Phönizierinnen» zu «Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino» umgedichtet und nach der Meinung von ebenfalls fünf Fans zum Ausländischen Stück des Jahres gemacht; er kann sich allerdings noch über 3 weitere Stimmen für sein «In der Republik des Glücks» freuen.
Beim Nachwuchs herrscht mehr Einhelligkeit. Nachwuchsautor 2014 ist, da sind sich 10 Kritiker einig, Ferdinand Schmalz mit seinem theorieunterfütterten Volksstück «am beispiel der butter» (einer sah ihn damit auch in der Hauptkategorie ganz vorne), Kopf an Kopf mit Wolfram Hölls sprachmächtiger Rückkehr in eine DDR-Kindheit «Und dann», dem zwar nur 8 Votierende in der Nachwuchskategorie ihre Zuneigung schenkten, dafür aber 3 weitere in der Hauptkategorie!

Wie soll man da entscheiden?

Nachwuchsschauspieler des Jahres wurde mit 7 Stimmen Dimitrij Schaad für diverse Rollen am Maxim Gorki Theater, gefolgt von Franz Pätzold, dem zweiten Bardamu in Castorfs Céline-Adaption, dem 5 Stimmen als Nachwuchs plus eine als Schauspieler des Jahres gelten. Exakt genauso sieht die 5+1-Stimmenverteilung bei der Nachwuchsschauspielerin des Jahres Katharina Knap als Sonja im Stuttgarter «Onkel Wanja» aus, mit 2+2 folgt ihr Britta Hammelstein (Residenztheater) aufs Siegertreppchen, Anastasia Gubareva (Gorki Theater) ist 3 Stimmberechtigten besonders aufgefallen.

4 Stimmen plus 2 in der Hauptkategorie machen Thom Luz mit dem «Archiv des Unvollständigen» in Oldenburg und «When I die» (Kaserne Basel) zum Nachwuchsregisseur 2014, je 3 den Stutt­garter Nachwuchs Christopher Rüping («Das Fest») und Robert Borgmann («Onkel Wanja») zu Zweitplatzierten.

Geärgert hat man sich in der letzten Saison aufs Ganze gesehen einmütiger als gefreut. Der Zorn, der sich gegen das undurchsichtige Finanzgebaren am Wiener Burgtheater, das uneinsichtige Unschuldslamm Matthias Hartmann, aber auch die Heuchelei manchen Empörungsschreis zusammenballt, treibt mindestens 15 Kommentatoren mit unterschiedlichen Formulierungsschwerpunkten auf die Barrikaden: das Ärgernis des Jahres, eine Gemeinschaft stiftende Kategorie!


/ Theaterheute / Seite 156 / Jahrbuch 2014

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