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Burgtheater Wien

Sorgfältig unterdrückt
Foto: Georg Soulek, Burgtheater Wien
wieder am 8. März «räuber.schuldengenital», Regie: Stephan Kimmig

Mangelnden Sinnzusammenhang wirft Ewald Palmetshofer der Welt, die in seinem neuen Stück sehr österreichisch klingt, sicher nicht vor. Auch wenn die Ziele, nach denen die Menschen in «räuber.schuldengenital» streben (der vollständige Stückabdruck liegt TH 2/13 bei), nicht die allersympathischsten sind. Liebe dient höchstens noch als Vorwand, Sex in weitgehend emotionsloser Form hat hohen Stellenwert. Und Geld ist absolut unschlagbar.

Fragen der Moral haben sich in dieser «Räuber»-Überschreibung schon lange erledigt, und auch die Familie ist keine besonders sittliche Anstalt mehr. Stattdessen liegen sich zwei Generationen in einem Stellungskrieg gegenüber, der bald in offene Kampfhandlungen übergeht. Die reichlich abgerissenen Brüder Franz und Karl haben Frieden geschlossen in der Wut auf ihre Eltern Otto und Linde, deren langlebiger selbstsüchtiger Rentner-Reichtum im abbezahlten Eigenheim ihnen Zukunft und Erbe verbaut. Franz scheint sich in einem Bahnhofstricher-Dasein eingerichtet zu haben, während Karls nicht weniger triste Perspektiven eher nach bürgerlicher Arbeitslosigkeit zielen. Beide verbindet eine solide Anspruchshaltung, denn wer in den gesicherten Zeiten vor der letzten Jahrhundertwende aufgewachsen ist, hat ordent­lichen ökonomischen Fortschrittsglauben verinnerlicht.

Im Eigenheim gegenüber sieht es nicht besser aus. Dort drangsaliert die pflegebedürftige Edith ihre sorgfältig unterdrückte Tochter Petra und lebt noch vom Rollstuhl ihre Lüste aus. Jedenfalls unterhält sie eine fröhliche Affäre mit dem Geldbriefträger Sepp, der monatlich die Rente bringt, und zwischen Liebe und Geld den allerschönsten Zusammenhang stiftet. Gesprochen wird dabei eine melodisch rhythmisierte Alltagssprache, die den Figuren meist organisch aus den Mündern fließt und trotzdem wortbrockenweise quer steht. Besonders wenn die Reden ins Höhere und Allgemeinere zielen, wenn von Zeit, Tod oder Zukunft die Rede ist, scheinen die Sätze oft klüger als die Menschen und das Denken setzt regelmäßig hart in der Wirklichkeit auf. Ob den Figuren da im Gerede gerade unfreiwillig Einsichten unterlaufen oder das Gerede einsetzende Einsichten wieder fortspült, ist kaum zu trennen. Im Ergebnis macht es auch wenig Unterschied.

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08.02.2013 Franz Wille

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