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Burgtheater Wien

Sinn oder Geld
Foto: Burgtheater Wien
In Wien überprüft Antú Romero Nunes Wolfram Lotzs "Einige Nachrichten an das All"

Die komplette Rezension lesen Sie in Theater heute 02/13. Zum Shop

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Eigentlich ein ganz sympathischer Gedanke: Was die Welt im Innersten zusammenhält ist – nichts. Hinter und zwischen den Menschen, Dingen und Verhältnissen regiert kein verborgener Zusammenhang oder sonstige Bestimmungen höherer oder tieferer Art, sondern der reine Zufall. Und wer doch ein bisschen Großstruktur und Zielrichtung braucht, muss äußerst bescheiden ansetzen. Zum Beispiel bei der wenig beruhigenden Erkenntnis, dass sich unser Universum unaufhaltsam ausdehnt, was am Ende nicht gut ausgehen kann. Mit den Worten von Wolfram Lotz: «Wir befinden uns in einer Explosion, ihr Ficker.» Ein Ende im «Weltraumschrott».

Sein Stück «Einige Nachrichten an das All» (abgedruckt in TH 4/11) dekliniert diesen starken, klaren und einfachen Gedanken mit spielerischer Konsequenz durch. Es beginnt mit wohlkalkulierter Betroffenheitslautstärke und Gefühlsrührsal am Nullpunkt der Christenheit. Krebskranke Kinder performen ein Krippenspiel – und als sie endlich das Kindlein finden, entpuppt es sich als ein bandagiertes Müllbündel. Dieses Motiv führt ein sehr zusammenhangstiftendes Weiterleben, denn zwei Schwerbehinderte, die rundum selbstreflektierenden Bühnen­figuren Lum und Purl Schweitzke, wünschen sich ab der nächsten und mancher weiteren Szene nichts sehnlicher als ein Kind. Unterstützt werden sie von weiteren dramaturgischen Fadenverknüpfern: dem Alleinerziehenden Klaus Alberts, der die angebliche Geschichte vom tragischen Tod der Tochter Hilda als maximal zusammenhanglos banale Ereignisfolge erzählt, und einem schmierigen Moderator, dem sogenannten «Leiter des Fortgangs», der ausgesucht skurrile Showgäste auf simple Aussagen hin abklopft, die man als Nachrichten an das All versenden könnte. Angesichts der angeblichen Zusammenhanglosigkeit der Welt entwirft Wolfram Lotz eine sorgfältig ausgetüftelte, kompliziert vernetzte Motiv-, Sprach- und Erzählkonstruktion, die auch auf Fußnoten nicht verzichtet. Irgendwo muss der Sinn ja herkommen.

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29.01.2013 Franz Wille

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