Dies ist ein Ausschnitt aus der Rezension «Bodies and Buddys» aus Theater heute 01/13. Registrierte Abonnenten können die vollständige Rezension hier lesen.
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Aufführungen am Berliner Ensemble am 07.02, 12.02
Zweideutigkeit ist für Katharina Thalbach ein Schlüsselwort, allerdings nur, um sich sofort in die allerschlüpfrigste Eindeutigkeit zu verwandeln. Und das liegt nicht nur an der Übersetzung ihres Ex-Lebensgefährten Thomas Brasch, dem im Programmheft seitenweise gehuldigt wird: Da wird überdies im Akkord gezwinkert, bis die Lider dampfen, und in den Schritt gegriffen, wann immer jemand eine Hand frei hat. Das Ergebnis ist seltsamerweise absolut jugendfrei – und Shakespeares «Was ihr wollt» am Schifferbauerdamm ein Kasperle-Spaß für die ganze Familie.
Momme Röhrbein hat Thalbach ein Schiffsbühnenbild gezimmert, das prima als Fischlokalausstattung an Nord- und Ostsee in Serie gehen könnte: Übermannsgroße Muscheln und Schneckengehäuse verbergen nicht nur die dreiköpfige Lautten Compagney Berlin, sondern rahmen außerdem dekorativ das Bühnenportal samt darin stehendem Heck, das von vorne wie die Umkleidekabinen am Strandbad Wannsee und von hinten wie ein Dorfplatz am Lago Maggiore aussieht. Dazu schwimmen gelegentlich projizierte Videofische über einen Gazevorhang.
Aus diesem Käptn-Iglu-Arrangement schälen sich schnell die Hauptfiguren. Der schön androgyne Sabin Tambrea spielt die schiffbrüchigen Zwillinge Viola und Sebastian, und natürlich auch den Kammerdiener Cesario, in den sich Viola verwandelt, um in die Nähe von Herzog Orsino zu gelangen, in den sie sich – typisch Shakespeare – aus kilometerweiter Entfernung auf den ersten Blick verliebt hat. Orsino wiederum wird von einer deutlich als solcher erkennbaren Frau gespielt – Larissa Fuchs –, und einen irritierten Moment lang stellt sich die Frage, ob Thalbach hier queerer als der Dichter sein wollte. Aber Larissa Fuchs spielt den morgenbemäntelten Herzog so ostentativ breitbeinig, tiefstimmig und schwanzfixiert, dass jede Ambivalenz vor dem Klischee die Segel streicht. Bleibt noch die von Orsino umworbene Gräfin Olivia – merkwürdigerweise jetzt von keinem Mann, sondern der Schauspielerin Antonia Bill verkörpert –, die ein unbegreifliches Szenenbild lang ganzkörperverschleiert in einer Kabine hockt, um sich dann, vom Begehren zu Orsinos Liebesboten Cesario wie vom Blitz getroffen, ruckizucki in eine fesche Strandmieze zu verwandeln.
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