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Festival-Blog

Mülheim, 26. Mai
Foto: Alexander Viktorin
Es ist entschieden: Der Gewinner des Kinderstückepreises 2012 heißt Jens Raschke. Sein Monologstück «Schlafen Fische?» überzeugte die Jury – aber das Rennen war knapp.

Am Ende machte es die Preisjury noch richtig spannend: Werner Mink stimmte für «Lottes Feiertag oder Wie Joseph zu seiner Ohrfeige kam» von Michael Schramm und Sabine Zieser; Bernhard Studlar hielt sein Plädoyer für «Schlafen Fische» von Jens Raschke – und Christine Wahl war zwischen beiden Stücken hin- und hergerissen. Mink und Studlar argumentierten, um Wahl auf ihre Seite zu ziehen, und als Studlar noch die poetischen Bilder in Raschkes Text einbrachte, fiel die Entscheidung: «Schlafen Fische!» (hier die Kritik zur Inszenierung). Jens Raschke, der während der öffentlichen Debatte im Publikum saß und vermutlich den Atem anhielt, bekommt dafür nicht nur 10 000 Euro, sondern auch die Einladung, beim Heidelberger Stückemarkt 2013 zu gastieren.

Nur 26 Stücke standen in diesem Jahr zur Wahl, lediglich acht davon befand das Auswahlgremium für so diskutabel, dass es überhaupt zu deren Uraufführung reiste. Von diesen acht lud das Gremium, bestehend aus Nina Peters, Thomas Irmer und Werner Mink, schließlich fünf Stücke nach Mülheim ein. «Der Jahrgang gehört sicher nicht zu den stärksten», leitete Mink die öffentliche Jurydebatte ein ­– und eine inhaltliche oder ästhetische Tendenz aus den wenigen guten herauszulesen, könne man sich nicht erlauben (hier das Interview mit Werner Mink über die Auswahl).

Eine gute Stunde debattierten die drei Juroren sachlich und fair über die fünf «sehr unterschiedlichen Stücke», wie Bernhard Studlar, selbst Autor, meinte. Dass «Schlafen Fische?» vom Theater im Werftpark in Kiel es zumindest in die letzte Runde schaffen würde, war schnell klar: Es nannte einfach niemand ein Gegenargument. «Eine mutige Entscheidung», wertete es Studlar, «ein Kinderstück auf dem Friedhof spielen und es vom Tod eines Kindes handeln zu lassen». Auch die Erzählform des Monologs sei ungewöhnlich und wirke nicht konstruiert, die Sprache sei zudem sehr poetisch. Die Theaterkritikerin Christine Wahl lobte die glaubhafte Perspektive des Kindes und die offenen Fragen am Ende. «Es passiert nicht oft, dass ein Autor sich erlaubt, keine Antworten zu geben und Dinge einfach stehen zu lassen.» Studlar betonte außerdem, dass Raschke dem Thema die Schwere nehme, es in der Schwebe halte. «Es ist eine Geschichte, die mich zu Tränen rührt, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.»

Das am stärksten konkurrierende Stück «Lottes Feiertage oder Wie Joseph zu seiner Ohrfeige kam» hätte nicht unterschiedlicher sein können. Sabine Zieser und Michael Schramm erzählen die Geschichte der zehnjährigen Lotte, die Joseph ohrfeigt, weil er sie geküsst hat. Auf der Flucht vor ihm fällt sie in einen Brunnen und bangt um ihr Leben – dabei muss sie doch dringend zum 70. Geburtstag ihres Großvaters. Zieser und Schramm, beide Schauspieler am freien Theater Mummpitz in Nürnberg, haben mit ihrem Text das erste Kollektivstück in der (noch jungen) Geschichte des Wettbewerbs beigesteuert. Drei Darsteller schlüpfen dabei in eine Vielzahl von Rollen. Das Stück sei «mit großer Theatererfahrung geschrieben» und biete «eine kluge, charmante Art, unterhalten zu werden», fand Studlar. Die Autoren erzählten weniger als dass sie «malten», daraus entstehe ein «Tableau Vivant». Werner Mink machte «Lotte» zu seinem Favoriten, weil es «das modernste Stück des Wettbewerbs» sei – «geschrieben wie eine Partitur». Die überlappenden Erzählebenen und die Brüche zwischen ihnen sorgten für eine große Musikalität. Außerdem sei es ein Stück mit unheimlich viel Wärme. Wahl ließ beim Textvergleich sogar den Namen René Pollesch fallen: Hier wie dort sei der Text ohne die Inszenierung und die Schauspieler schlicht nicht denkbar: «Die Vorlage muss auf der Bühne zum Leben erweckt werden – da hebt sie dann erst ab».



26.05.2012 Barbara Behrendt

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