Israel Galván ist der Nijinsky des Flamenco. Auch, weil er einen Skandal in Madrid verursacht. Er tanzt den Genozid an den Gitanos
Schon während der Premiere erhob sich ein Tross empörter Abonnenten aus den Reihen des königlichen Theaters in Madrid. Man protestierte lautstark und verlangte den Rücktritt des Hausherrn Gerard Mortier. Der aus Belgien stammende Intendant habe mal wieder falsche Erwartungen geweckt: Wo eingefleischte Flamenco-Versteher wallende Rüschenkleider und stampfende Damenschuhe erwarten, geht es dem Choreografen des Abends, Israel Galván, um die Deportation der Roma und Sinti in deutsche Konzentra-tionslager. Mortier, der große Opernerneuerer, in Brüssel einst der Förderer von Anne Teresa De Keersmaeker, in Salzburg ein Revolutionär des bürgerlichen Musiktheaters, in Bayreuth dank grandioser Veränderungsfantasien schon an der Bewerbungsklippe gescheitert, dafür aber der Gründer der nicht eben erfolglosen «Ruhrtriennale» – dieser Mortier ist heute ein Meister der Irritation spanischer Selbstherrlichkeit, und das mitten in der schärfsten Wirtschaftskrise des Landes. Nur wenige Vorstellungen später
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