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Rasta Thomas
Rasta Thomas ist aufgekratzt, sein Redeschwall atemlos. Zwei volle Stunden ist der Leiter und Star der Pop-Ballett-Revue «Rock the Ballet» über die Bühne des New Yorker Joyce Theater ge­­­­­­­­rauscht, das Adrenalin pumpt noch immer merklich durch sein System

In diesem Zustand kann sich der 28-Jährige leicht in Rage hineinsteigern, gerade wenn es um sein Lieblingsthema geht: den Hochmut der Ballettwelt und die, wie er findet, falsche Trennung zwischen E- und U-Tanz, zwischen hoher Kunst und vermeintlich trivialem Pop. «Tanz sind doch nicht nur die 200 Bewegungen, die man in einer klassischen Ausbildung lernt», sagt er, während er heftig gestikulierend auf dem Ledersofa hinter der Bühne he-rumrutscht. «Alles, was man mit seinem Körper machen kann, ist Tanz.»

Thomas ist ein feuriger Kämpfer für die Gleichbehandlung der Tanzformen. Der Kalifornier hat eine erstklassige klassische Ausbildung. Er hat an der Kirov Academy in Wa­­­­­­­­­­­­­shington studiert, er tanzte mit dem Mariinski-Ballett, dem Chinesischen Nationalballett und dem Dance Theatre of Harlem. Das alles war ihm zu eng, zu unfrei: «Ich wollte von klein auf eine große klassische Karriere machen», sagt er. «Doch als ich dort angekommen war, wo ich hinwollte, war es eine riesige Enttäuschung.»Also gründete Thomas 2005 zusammen mit seiner Frau Adrienne seine eigene Truppe, die Bad Boys of Dance. Mit zehn jungen Tänzern studiert er Choreografien zu Popklassikern ein – von Queen über Prince bis hin zu U2 und den Black Eyed Peas. Und natürlich viel Michael Jackson. Es sind energiegeladene, frische Stücke, mit erkennbar klassischen Anteilen, auch vielen Anleihen bei Jazztanz, Modern Dance, Hip-Hop. «Natürlich kann man Mi­chael Jackson nicht völlig vergessen, wenn man zu seinen Songs tanzt», sagt er. «Er war schließlich ein großer Innovator.»

Perfekt ist das freilich alles noch nicht. Man merkt der Produktion an, dass sie hausgemacht ist und ein kleines Budget hat. Die Videoprojektionen sind bisweilen fantasielos, das Programm wirkt zum Teil schlecht durchgetaktet. Dafür hat es den Charme des jugendlichen Enthusiasmus, es singt die Rebellion. Und es hat Publikum – die Tourneen der Bad Boys of Dance in Europa sind ausverkauft, auch das Joyce Theater ist trotz Wirtschaftskrise fast jeden Abend voll.

Thomas hat kommerziellen Erfolg, und dazu steht er auch. Dass es beim Ballett nicht um Geld gehen soll, hält er für verlogen: «Es kann nicht nur darum gehen, Kunst um der Kunst willen zu machen.» Thomas will die Leute unterhalten. Das Ballett, sagt er, habe zwar sein Publikum. Ein Großteil dieses klassischen Publikums, behauptet Thomas jedoch, finde das, was es gezeigt bekomme, nur gut, weil es mit der Etikette der Hochkultur versehen ist und man es deshalb einfach gut zu finden habe. Er und andere vor ihm, wie etwa Twyla Tharp, in deren Musical «Movin’ Out» zu Billy-Joel-Songs Thomas am Broadway getanzt hat, wollen die Menschen dagegen ehrlich begeistern.

Das scheint ihm zu gelingen. Das Publikum im Joyce Theater ist gänzlich anders als im Lincoln Center. Es sind Familien aus den Vororten, die sich einen hübschen Abend in der Stadt machen, sie zählen nicht zur New Yorker «Gesellschaft». Dass aber auf hohem Niveau getanzt wird, teilt sich dem Publikum durchaus mit. Thomas fände es natürlich schön, wenn diese Begeisterung seine Fans auch einmal in den «Schwanensee» führen würde. Aber wenn nicht, wäre das auch nicht schlimm. «Inspiration kann von Mikhail Baryshnikov kommen», sagt er, «aber auch von Fred Astaire, Gene Kelly, Patrick Swayze oder Michael Jackson.» Eine edlere oder eine weniger edle Kunst gibt es nicht in der Welt von Rasta Thomas.
 


Sebastian Moll / Tanz / Seite 14 / Februar 2010

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