Wann gibt es schon einmal so etwas: Ein Crossover zwischen zwei Künsten gelingt – was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass man sich an keinen Ort fest gebunden, sondern sich für eine ungewöhnliche, riskante, freie Produktionsweise entschieden hat . Und als Konsequenz setzt man die Sache nicht nur fort, sondern gründet genau dafür einen eigenen Ort. Genau so ist das Radialsystem entstanden. Es ist die Konsequenz aus der Kooperation zwischen der Akademie für Alte Musik und sasha waltz & guests für «Dido & Aeneas» (soeben ist mit «Medea» der zweite große Schlag erfolgt). Es ist ein besonderer Ort, nicht nur weil er die freie Produktion in einer Größenordnung institutionalisiert, wie es so in Deutschland bis dahin nicht denkbar gewesen wäre. Das Radialsystem ist besonders, weil es tatsächlich die Fortsetzung eines ästhetischen Experiments ist, weil es die Gleichberechtigung zwischen Musik und Tanz tatsächlich schon in den Gründungspfosten für den filigranen Glasanbau verankert hat. Weil genau das, was man sich ins Programm geschrieben hat, gelingt: Alte und neue Künste sowie unterschiedliche Kunstsparten miteinander zu verbinden. Vor einem knappen Jahr, bei der Eröffnung, hätte man das nicht unbedingt für möglich gehalten. Jetzt kann man nur staunend sagen: Es gelingt. Es ist nicht nur ein weiterer, ein wunderbarer Ort für den Tanz, es ist tatsächlich etwas Neues entstanden. Wie schön!