Mit «La Péri» ließ Vladimir Malakhov am 27. Februar 2010 einen verschollenen Schatz des Romantischen Balletts aufleben. Gemeinsam mit dem Kostümdesigner Jorgi Roig inszeniert der Intendant und Tänzer das orientalische Märchen um Achmed und Péri.
Einen Tag lang stöberte er im Archiv eines Musikalienhändlers. Regal für Regal ging er ab und wand sich Schritt für Schritt entlang der schmalen Gänge, auf der Suche nach Material für ein neues Ballett.
Vladimir Malakhov, Intendant, Choreograf und Erster Solist des Staatsballetts Berlin liebt die romantischen Klassiker und begab sich auf die Suche nach einem fast verschollenen Schatz: dem romantischen Handlungsballett «La Péri» von Jean Coralli aus dem Jahr 1843. Er fand zwar keinerlei choreographische Notationen, Bilder oder Skizzen von Kostümen und Bühnenbilddekorationen. Einzig ein paar Lithographien und die Partitur des Komponisten Friedrich Burgmüllers existieren noch – in vollständigem Umfang mit Regieanweisungen des Dirigenten aus der Uraufführung. Ein erfolgreicher Fund für Malakhov und ein Zeichen der Bestätigung dafür, dass es sich lohnt dieses heute vergessene Ballett, dessen einstige Popularität sogar die der «Giselle» übertraf, nun in Berlin auf die Bühne zu bringen.
Romantische Handlungsballette zu inszenieren, bedeutete damals wie heute Handarbeit. An der Opéra war es zu jener Zeit üblich, eine maßgeschneiderte Komposition mit der Choreographie und dem Libretto im Einklang zu einem Gesamtwerk verschmelzen zu lassen.
Für die Produktion von «La Péri» bat Malakhov den ehemaligen Tänzer und jetzigen Kostümdesigner Jorgi Roig um kreative Mithilfe. Beide kennen sich seit knapp fünfzehn Jahren und arbeiteten bereits in drei Produktionen eng zusammen. Mit dem Vertrauen und Wissen um die jeweils ästhetische Arbeitsweise nahmen sie vor einem Jahr ihre Arbeit auf:
Stöberten in Archiven und Bildersammlungen aus dem 19. Jahrhundert. Besuchten Museen, kramten in eigenen Erinnerungen an vergangene Ballettproduktionen. Sammelten Stoffe und Kostümmaterialien, erzählten und träumten von ihrer Version des orientalischen Märchens von der Liebe zwischen der schönen Péri und dem Prinzen Achmed.
Die Inszenierung von «La Péri» ist allerdings keine Rekonstruktion – schließlich ist dafür ja auch kein Material vorhanden. Malakhov wie Roig versuchen den Spagat einer zeitgenössischen und zugleich traditionellen Neuinterpretation des Stoffes und der Musik. Im ersten Akt soll so eine orientalische Atmosphäre mit exotischen Schauplätzen Persiens suggeriert werden. Der zweite Akt lädt hingegen in das verträumte Paradies der Péris ein.
Aus der langjährigen Erfahrung mit romantischen Handlungsballetten schöpfend, kreiert Malakhov für das Staatsballett eine völlig neue Choreographie – und steht als Achmed am Premierenabend sogar selbst auf der Bühne. Inspiriert von verschiedensten Materialien und Funden aus der Zeit um 1843 fertigt Roig mit besonderer Detailverliebtheit und Präzision Bühnenbild und Kostüme an.
Audio: Vladimir Malakhov
im kultiversum-Interview über die
Arbeit an «La Péri».
Sie sollen sowohl die Opulenz eines persischen Königreiches, als auch die Verspieltheit eines Paradieses vermitteln. Mit Motiven und Materialien aus seiner Heimat Spanien im Gepäck, trägt Jorgi Roig «La Peri» visuell in die Moderne. So lässt er Perlen und Stoffe, die seiner Vorstellung eines Palastes im Orient entsprechen, mit Sorgfalt auf die Kostüme nähen.
Den Luxus des 19. Jahrhunderts, relativ frei und ungebunden ein solches Ballett auszustatten und zu produzieren, gestatteten sich Malakhov und Roig sicher nicht. Einen Hauch der Zeiten, in denen kreativ und leidenschaftlich an der Uraufführung von «La Péri» gefeilt wurde, spürt man aber bereits jetzt im Gebäude des Staatsballetts ...