12.12.09: Gastchoreograf Itzik Galili erzählt in Kiel mit vier «Different Stories» von menschlichen Sehnsüchten und der Suche nach dem Licht in der sie umgebenden Dunkelheit gesellschaftlicher Verhältnisse.
«Verschiedene Geschichten» erzählt Gastchoreograf Itzik Galili mit den Tänzern des Kieler Balletts in seinem gemischten Abend. Nach Christopher Bruce und Nils Christie hat Kiels Ballettchef Mario Schröder den in Holland lebenden und arbeitenden Israeli eingeladen, mit seinem Ensemble zu arbeiten, um dem Publikum auch Handschriften internationaler Tanzkünstler vorzustellen.
Galili ist dem Tanztheater nahe, besonders im Solo «The 2nd Monkey», das den Kampf eines Tänzers mit sich selbst – oder dem unsichtbaren Choreografen thematisiert: Nie zu genügen, nie zufrieden mit sich zu sein und dazu noch Spott zu ernten. «Du langweilst mich zu Tode», schallt die Stimme aus dem Zuschauerraum und rät höhnisch: «Hör doch lieber mit Tanzen auf» – worauf das Premierenpublikum prompt Solidaritätsapplaus spendete.
Unklar bleibt, ob vielleicht doch «nur» die Stimme im Kopf des auf der Probe mit sich hadernden Künstlers laut wurde. Jedenfalls werden die immer erneuten, sich zu Rene Spierings Klangflächen verzweifelt steigernden Anläufe von Oliver Preiß auf der Diagonale des offenen Bühnenhauses zu einem Lichtpunkt dieses ziemlich düsteren Abends. Galilis vier «Different Stories» lassen sich glücklicherweise nicht eindeutig interpretieren,darum interessieren sie auch.
Nur so viel ist jedoch sicher: Sie handeln hauptsächlich von den Schattenseiten des Menschen, seiner Unfähigkeit, in Frieden mit sich und den anderen zu leben – ob es nun das Duett «Fragile» auf einer leuchtenden Genzlinie im Finstern ist. Oder der abschließende beklemmend rasante Amoklauf in Zwangsjacken «Until.With/Out.Enough» zu Henryk Goreckis Streichquartett Nr 2. Lediglich das Eröffnungstück «Things I Told Nobody», ziemlich exakt choreografiert auf Klassikohrwürmer von Händel über Mozart bis zu Satie, weckt den Eindruck heiterer Harmonie und lässt einen Hoffnungschimmer, nachdem die Tänzer aus der Bühnennacht ins Licht geboren wurden.
Bleibt sich das expressive, gebrochene Modern Dance-Vokabular in Galilis zwischen 1997 und 2008 erarbeiteten «Geschichten» ziemlich gleich, so sind sie doch mehrdeutig, ebenso politisch, entwicklungsgeschichtlich wie auch psychologisch lesbar. Die sich seiner «neuen Sprache» elegant, plastisch und souverän bedienenden Tänzer verkörpern im dynamischen Ringen die sehnsüchtige Suche der Menschen nach dem Licht in der Dunkelheit der von ihnen selbst verantworteten Verhältnisse.