Leipzig, 17.02.10: Irina Pauls zeigt mit «Company & Friends» drei Stücke von Nachwuchschoreografinnen im Werk II.
Hinten in der Ecke stehen Frauen und rupfen Salatköpfe. Alles ist schon übersät mit den grünen Blattstücken. Eine Frau packt einen Mann auf ihre Schulter und trägt ihn weg. Dann rieseln Sphärenklänge auf die Bühne nieder, gebrochen von atmosphärischem Rauschen.
Wir befinden uns bereits mitten im zweiten Stück des Tanzprojekts «Company & Friends», das Irina Pauls letztes Jahr ins Leben gerufen hat. Die künstlerische Leiterin der Company des Leipziger Tanztheaters hat dieses Jahr drei Choreografien von drei Leipziger Künstlerinnen im Gepäck. Das Stück mit den Salatblättern ist eine Uraufführung – «Wie von Sinnen» der jungen Choreografiehoffnung Marlen Schumann. Es geht um Genuss und um die Flüchtigkeit des Moments. Eindrücklich ist der Wechsel von Hektik und Besinnlichkeit in Szene gesetzt. So wimmeln im einen Augenblick die Tänzer zappelig auf dem Boden kriechend durcheinander, um im nächsten versonnen ihre Köpfe auf Kopfsalat sinken zu lassen. Und wenn der Salat auf Faustgröße zusammengerupft ist, rollen Äpfel auf die Bühne, die wenig später genüsslich flanierend verspeist werden. Ein gefälliger Augenschmaus, der recht leichtfüßig und unterhaltsam daherkommt.
Die anderen beiden Stücke, beides Neuaufnahmen aus dem Vorjahr, sind etwas schwerer verdaulich. Da wäre zunächst «Rötel» von Irina Pauls selbst. Leitmotiv dieser Tanzperformance ist die Farbe Rot, die u. a. als roter BH, als rotes Liebesbriefchen oder in Form roter Schuhe ins Spiel kommt. All diese Gegenstände rötlicher Färbung sind in Erlebnisse einer jungen Frau eingeflochten. Vielleicht an manchen Stellen etwas lose, denn hin und wieder kommt die Aneinanderreihung von Situationen beliebig daher. Dafür wird tänzerisch viel geboten und musikalisch aus den Vollen geschöpft – die Bandbreite reicht hier von afrikanischen Trommeln über asiatische Klänge bis hin zu elektronischen Beats.
Als drittes Stück ist bei dem Tanzprojekt «Winter» von Martina La Bonté zu bestaunen. Ein sinnliches Werk inspiriert von der vierten von Vivaldis «Vier Jahreszeiten». Klassische Ballettelemente kombiniert die Choreografin mit pantomimischen, sprachlichen und artistischen Einlagen. Ein anspruchsvolles Stück, das die Mitglieder der Company an manchen Stellen ganz schön fordert.