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Christian Spuck

Poppea//Poppea
Foto: Regina Brocke
Am 26. März wieder in Hannover: Christian Spucks «Poppea//Poppea» zeigt die Theaterhaus-Kompanie in Bestform, ist atmosphärisch dicht und von musikalischem Sog - ein echter Hit.

Beschreibung:
Drei Tische und ein paar Stühle, mehr braucht es nicht für diese Versuchsanordnung. Die ist denkbar einfach, auch wenn eine Tänzerin verwirrt, indem sie die Geschichte eines missglückten Attentats immer neu erzählt. Wie ein Objekt der Begierde glänzt Neros Lorbeerkranz auf dem Tisch; Macht toppt eben einfach alles. Die Reize der Poppea, die Garazi Perez Oloriz als intrigantes Biest gibt, sind ähnlich verführerisch. Gierig rückt ihr eine Handkamera auf den Leib, macht sie auf der Leinwand zum unerreichbaren Objekt. Klar will Nero sie haben. Und Eric Gauthier, der die Rolle des irren Imperators auch ohne überflüssige Anleihen bei Peter Ustinov füllen würde, nimmt sie wie ein Spielzeug in Besitz.

Für alle, die den Choreografen Christian Spuck von Beginn an verfolgen, ist dieser Abend auch ein Suchspiel. «Poppea//Poppea» steckt so voller Zitate, dass quasi der ganze Spuck in 70 Minuten Revue passiert. Für alle anderen, die über Gauthier Dance nun zufällig mit ihm zu tun bekommen, ist «Poppea//Poppea» ein enorm anregendes Bühnenerlebnis. Dass Tänzer in barocken Kostümen stecken und sich doch auf der Höhe unserer Zeit bewegen? Dass die Musik Monteverdis in der Bearbeitung von Martin Donner spannend wie ein Krimi klingt? Dass der Plot um die Geliebte Neros die Manipulierbarkeit unserer Wahrnehmung analysiert? Dem Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts gelingt so etwas wie die Quadratur des Tanzkreises: Er lässt die Illusionsmaschine auf Hochtouren laufen, wirft aber Sand ins Getriebe, um uns die Vergänglichkeit alles Irdischen zu zeigen.

Foto: Regina BrockeFoto: Regina BrockeFoto: Regina BrockeFoto: Regina Brocke
Bewertung:
Innig-verwinkelte Duette, furiose Ensemble-Szenen, die plötzlich ins Leere laufen: Die Begegnung von Monteverdis letzter Oper und Spucks Verständnis von modernem Bühnentanz ist ein meisterhaftes Spiel mit Stimmungen, das immer im richtigen Moment auf die Bremse tritt.

 


15.10.2010 Andrea Kachelrieß
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