Sterben wie im Märchenbuch, auferstehen in zwischen Blumen. Oder umgekehrt. Für Jan Fabres Prinzessin ist der Tod nicht weniger festlich als das Leben. Doch weil da später auch Erotik ins Spiel kommt, spaltet der Belgier das Publikum.
Beschreibung:
Es gibt zwei «Preparatio mortis». Das erste war ein kurzer Einakter, dessen florale Orgie allen den Atem verschlug. Ein gigantisches Gesteck aus Chrysantemen und anderen Blumen offeriert so viel Schönheit, dass die Tänzern Annabelle Chambon eigntlich gar nichts falsch machen konnte. Da lässt sie langsam Hand, Fuß, Arm, Bein und Kopf aus dem Blumenmeer ragen. Diese Auferstehung ist eins der poetischsten, sanftesten Bilder, die Fabre je geschaffen hat. Und Chambon erinnert an die großartige, androgyne Lisbeth Gruwetz, die Fabre in Olivenöl gleiten ließ, als sei ihr Körper ein in Zellofan eingehüllter Blumenstrauß. Chambon war für ihn ähnlich inspirierend. Wohl dem, der solche Musen hat! Fabre führt uns in zeitliche Dimensionen, für die in der Enge des Alltags kein Platz bleibt. Er lässt uns den Duft der Blumen in einer ungeahnten Intensität erfahren. Doch andererseits darf Chambon die Stengel samt Blüten später zweckentfremden, sich mit ihnen kasteien oder sie als erotische Objekte einsetzen. Doch es wäre schade gewesen, für einen Kurzauftritt so viele von ihnen zu töten. Es sind tausende. So fällt der Vorhang und wir lauschen im Dunkel dem von Bernard Foccroulle, dem ehemaligen Intendanten der Monnaie-Oper in Brüssel, komponierten Orgelkonzert. Als sich der Vorhang wieder öffnet, hat Chambon ihr Totenbett verlassen und befindet sich in einem gläsernen Sarg. Und wieder raubt uns Fabre mit dem Bild den Atem, denn dieses Schneewittchen wird von lebendigen Schmetterlingen umschwirrt. So ist ihre Seele eingefangen und sie lebt weiter, begleitet von erotischen Träumen, die sie auf die Glaswand malt, die von ihrem Atem beschlägt. Und die Blumen verwelken vor unseren Augen, denn der Abend wird lang.
Bewertung:
Genf: Fondation Fluxum, 1. und 2. Oktober
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Jan Fabre schliesst keine Kompromisse. Von katholisch orthodoxer Seite hat er mal wieder beißende Kritik eingesteckt und durfte sich darüber heimlich gefreut haben. Aber weit mehr natürlich über alle, die ihm bestätigen, wie nützlich seine Erinnerungen an jene Sphären sind, die aus dem offiziellen Alltag verdrängt werden. Fabre, der Utopist, der Humanist und Freund der Insekten schuf mit «Preparation mortis» eine seiner schönsten Kominationen aus Choreografie und Skulptur.