kultiversum Startseite
Noch nicht angemeldet?   Registrieren

  |   Passwort vergessen
Angelin Preljocaj

Empty Moves Part I & II
Foto: JC Carbonne
Angelin Preljocaj schwingt in seinem Schaffen gern hin und her, von großen, populären Ballettproduktionen zu kleineren Formen der Recherche. Die Euro-Scene präsentiert mit «Empty moves Part I & II» das bisher radikalste Werk des Choreografen aus Aix-en-Provence.

Beschreibung:
Das pure, alle Narration verweigernde Stück für vier Tänzer ist Preljocajs am seltensten gespielte Produktion, sein abstraktestes Stück, eine Art l'art pour l'art ohne jedes Bühnenbild oder musikalische Untermalung. Es gibt auch kein Feuerwerk an Kostümen, sondern Tänzer in T-Shirt und Boxershort. Und das soll man sich ansehen, wo schon der Titel abschreckt?

Genau das. Keine Angst vor «Leere»! Der Titel ist nichts weiter als eine Anspielung auf John Cages «Empty Words», die Tonwelt von «Empty moves Part I &II». Mailand, 1977. John Cage eine kündigte Lesung an, aber den Text zerstückelt er. In der Originalaufnahme hören wir, wie das Publikum mehr und mehr die Tonherrschaft übernimmt. Es redet, spottet, buht. Da prallen zwei Kunstbegriffe aufeinander. Geschichte wird geschrieben. Und Preljocaj springt drauf an, wohl wissend dass Worte niemals «leer» sind, und Bewegung auch nicht. Im Gegenteil. Man mag sie oder nicht. Wenn man sie mag, wenn man sie betrachten mag, dann hat man hier die Gelegenheit, tiefer hineinzutauchen als wenn man einer Handlung folgen muss, oder sich ständig fragt, ob überhaupt eine Erzählung stattfindet. «Empty moves» ist kein Rebus und kein Pokerspiel, keine Schnitzeljagd. Es ist Architektur pur, ungestört von aller Manipulation der Gefühle. «Empty moves» ist Freiheit, Elastizität und Harmonie in neuem Gewand. Und deshalb ist es Schönheit. Was hatte das Publikum in Mailand zu hören gekommen? Einen Aufruf zu zivilem Ungehorsam. Warum reagierte es so erbost auf Cages künstlerischen Ungehorsam? Italien hatte keinen Kurt Schwitters gekannt, keinen Artaud, keinen James Joyce. Cage verwandelte einen Text in pure Klangkonstruktion. Doch vergleichbar mit Cage ist Preljocais  künstlerisches Handeln nur bedingt. Was «Empty moves Part I & II» dekonstruiert, befindet sich außerhalb dieses Stücks, auf anderen Bühnen.

Bewertung:
Preljocaj liebt schönen Tanz und schöne Bewegung der Körper. Das zeigt er in seinen anderen, mal mehr mal weniger ballettartigen Stücken immer wieder. Wenn er sich hier vom Zwang zur Narration befreit, dann um den Tanz selbst umso klarer hervorzuheben. Ein fest für alle, die Tanz um seiner selbst Willen lieben.


29.10.2010 Thomas Hahn

Wie kann ich kommentieren?
Nachricht schreiben!


Betreff:
Tanz
Triumph in Berlin
Vladimir Malakhov trifft Nacho Duato, William Forsythe und Marco Goecke Weiter
Der Nussknacker
Wieder am 16. und 28. Mai: Heather Jurgensen widmet sich einem Klassiker Weiter
«voice over»
Wieder ab 9. Mai: Nanine Linnings Tanzstück für zehn Tänzer und eine Stimme in Osnabrück. Weiter

Neueste Mitglieder
Newsletter Die WocheDie Woche
Die WocheDie Woche Erleben was eine Rolle spielt. Jeden Dienstag das Beste aus dem kultiversum.
Bestellen
kultiversum
Im Fokus in Mülheim
Meist gelesen
Tanz, Yoga und BDSM Bei Felix Ruckert auf schwelle7 ist Tanz auf eine ganz neue Art erlebbar. Weiter
Aktuelle Tanz-Auditions und Jobs Termine und Adressen internationaler Auditions Weiter



Kontaktanfrage





Beitrag melden!


Geben Sie hier eine Begründung an, warum Sie hier einen Inhalt bedenklich finden (z.B. Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Anstiftung zu einer Straftat). Vielen Dank! Ihr kultiversum-Team





Setzen Sie Ihren Bookmark!