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Buchbesprechung

Heldenstoff im Fokus
Neue Bücher über Rudolf Nureyev

Rudolf Nureyev hat es gesagt: «Auf Technik greift man zurück, wenn einem die Inspiration ausgeht.» Das passt gut zum Portrait eines Tanzrebellen, den Aba Veblen im neuen Prachtband "Nurejew – Bilder eines Lebens" zeichnet.

Der im Henschel-Verlag erschienene, von Pierre-Henri Verlhac herausgegebene und von Vladimir Malakhov eingeleitete Fotoband zeigt vor allem den Lebemann Nureyev: auf einer Gala mit Alain Delon, auf einer Party mit Sharon Stone, beim Tee mit seiner Tanzpartnerin Margot Fonteyn. Der Tartar als Star steht da stets so ungezwungen heiter rum wie auf Proben oder kurz nach seinen Auftritten.

Er war ein Weltrekordler der Tanzgala, ein Alchimist im Heilkräutergarten der Ballett-Tradition, ein Männerversteher, der jede Partie in die Gewinnzone brachte – das ist der sichtbare, fotografierbare Heldenstoff für Menschen, die gern Menschen auf Fotos anschauen.

In Wahrheit riss Nureyev unermüdlich Mauern zwischen Moderne und Ballett ein, vermittelte zwischen den Medien und der wenig mondänen Klausur im Ballettsaal, bekehrte 5000 Zuschauer am Abend im Pariser Palais du Sport zu

Ballettverrückten – aber wie soll man das zeigen?

Er konnte das Ballett vermarkten, ohne es zu verramschen, schreibt Veblen. So wurde er zum Objekt der Paparazzi, mal neben Yves Saint Laurent, mal neben Prinzessin Margaret von England. Das half dem Ballett ebenso wie seine bereits früh einsetzende Renitenz gegen die «Traditionalisten» einer Kunst, die auf der Stelle tritt, nein, trippelt. In diesem Buch liest man Bilder, die einem sagen wollen: Wo ist, nach Nureyevs Tod 1993, sein Nachfolger?

In einer anderen Neuerscheinung bezeichnet ihn der holländische Choreograf Rudi van Dantzig als Hamlet. In Remembering Nureyev erinnert van Dantzig sich sehr persönlich an den Ballettstar, mit dem er seit 1968 befreundet war.

Pierre-Henri Verlhac
Nurejew - Bilder eines Lebens
184 Seiten, 34,00 Euro,
Henschel Verlag Berlin 2008.

Rudi Van Dantzig
Remembering Nureyev: The Trail of a Comet
304 Seiten, englische Ausgabe
25,99 Euro, University Press of Florida
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Arnd Wesemann / ballettanz / Seite 34 / Mai 2008

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