Trotzdem wollen Sie die Leitung abgeben? Ich brauche einfach wieder Zeit für mich und möchte möglichst freischaffend arbeiten. Ich habe ein paar Jahre versucht, das alles mit Kind zu schaffen, aber jetzt merke ich, das geht auf die Dauer nicht gut. Mir fehlt einfach die Zeit, mich um alles so zu kümmern, wie ich es für richtig halte. Obwohl ich vertraglich eine halbe Stelle habe, bin ich doch «ganz» gefordert. Ein Ensemble «halb» leiten geht eben nicht. Die Tänzer brauchen eine Bezugsperson, menschlich und choreografisch.
Und die waren Sie? Ja, und wir haben darüber hinaus regelmäßig Gäste eingeladen. Eun Me Ahn hat ein Stück gemacht, ebenso Michèle-Ann und Thierry de Mey. Wir haben Videokünstler und Musiker eingeladen, mit den Tänzern zu arbeiten. Auch Rodolpho Leoni, der jetzt an der Hochschule ist, war dabei. Er wird zunächst die künstlerische Leitung des Folkwang Tanzstudios übernehmen, zusammen mit Pina Bausch. Darüber hinaus soll das FTS in stärkerem Maß mit den postgraduierten Studiengängen des Studiengangs Tanz verknüpft werden, die innerhalb der nächsten zwei Jahre in Masterstudiengänge (Choreografie/Tanz) umgewandelt werden. Das Konzept, jungen Tänzern und Choreografen einen besseren Start in die professionelle Tanzwelt zu ermöglichen, wird beibehalten.
Aber das bedeutet nicht den Anfang vom Ende? Nicht unbedingt. Vielleicht wäre das eine gar nicht so schlechte Lösung, weil das etwas zeitgemäßer ist als die bisherige FTS-Form. Auf jeden Fall kann das FTS, so wie wir es in den letzten Jahren betrieben haben, nicht weiter existieren. Es braucht einfach einen Etat, und den kann die Hochschule nicht beisteuern. Auch Stadt und Land fühlen sich nicht für uns verantwortlich. Eine Produktion zu machen, ist inzwischen fast ein Ding der Unmöglichkeit.
Däumchendrehen gilt nicht – wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor? Irgendwann möchte ich wieder Stücke machen. Zwischendurch zu unterrichten, wie ich es zunächst an der Folkwang Hochschule tun werde, wäre nicht schlecht. Andere Bereiche besser kennenzulernen, auf gleicher Augenhöhe etwas mit Schauspielern oder Musikern zu machen, das wäre schön. Aber nicht ein Ensemble leiten – zumindest nicht im Augenblick.