Henrietta Horn
im Sommer 2008 geben Sie die Leitung des Folkwang Tanzstudios ab – «nach neun spannenden, nervenaufreibenden, glücklichen, unvergleichlichen, finanzschwachen, emotionalen, lehrreichen, anstrengenden, üppigen, spannenden Jahren», wie es in Ihrer Mitteilung heißt. Was war so spannend? Alles. Allein schon der Anfang. Ich habe hier, relativ spät, ein vierjähriges Studium absolviert, an das sich ein einjähriges Graduiertenprojekt an der Hochschule anschloss. Und war danach als Choreografin ein Jahr freiberuflich tätig. Lutz Förster leitete da zusammen mit Pina Bausch das Folkwang Tanzstudio. Als er die Leitung aufgab, wurde ich gefragt. Ich kannte weder Pina, noch wollte die Hochschule meine Position finanzieren, nachdem Lutz Förster das FTS neben seiner Lehrtätigkeit betreut hatte: eine unerfreuliche, aber auch spannende Situation. Einerseits wurde ich gefragt, andererseits hatte jeder eine klare Vorstellung davon, wie ich meine Arbeit machen solle. Da lernt man kämpfen.
Sie waren nicht angestellt? Ich wurde angestellt. Aber für drei, vier Jahre gab es ein merk- und auch fragwürdiges Vertragskonstrukt. Mit dem neuen Hochschuldirektor schwanden diese Schwierigkeiten. Er hat das FTS im Zusammenhang mit der Hochschulreform insofern institutionalisiert, als er eine (halbe) Stelle für die Leitung und eine für Management/Organisation festgeschrieben hat..
Das heißt ... Es gibt zehn Tänzerpositionen, die sind allerdings nicht gerade üppig dotiert.
Die Tänzer werden bezahlt. Aber damit kann man noch keine Stücke machen. Genau. Wir haben einen ganz kleinen Etat, um unsere laufenden Unkosten zu decken. Alles andere muss man irgendwie akquirieren. Es gibt logistische Unterstützung, z. B. Training durch die Lehrer der Hochschule, wir haben ein Büro und seit zwei Jahren endlich einen eigenen Probenraum – allerdings mit einer Säule in der Mitte.
Welche Rolle spielt Pina? Am Anfang hat sie schon nach dem Rechten geschaut, vor allem bei den Auditions und der Auswahl der Gastchoreografen. In der täglichen Arbeit ist sie nicht präsent, aber wenn es Probleme gibt, können wir miteinander reden. Nie hat sie versucht, auf meine Arbeit Einfluss zu nehmen.