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kalender und kritik

zürich: Sebastian Matthias: «Groove Space»
Foto: Gerhard F. Ludwig

Rundherum klopft und zupft der Sound von Tamer Fahri Özgönenc, während wir Zuschauenden uns akklimatisieren und im unbestuhlten Theatersaal arrangieren: ziellos flanieren, einander flüchtig oder eingehend mustern, uns auf den Boden setzen, uns gegenseitig erfassen und anpassen an jeweilige Gehrichtungen und -tempi. Eine Gemeinschaft auf Zeit, ein zufälliges Kollektiv. Wie im Theater so auf den Straßen der Stadt, postuliert Sebastian Matthias: Wir alle sind «Teil einer täglichen, urbanen Dauerchoreografie», heißt es zu «synekism/groove space», Matthias’ aktueller Versuchsanordnung.

Welche performativen Versammlungen können wir gemeinsam hervorbringen?, fragt der Choreograf und schafft einen Rahmen, um zur aktiven Anteilnahme anzuregen. Nicht zum Mitmachen, wohlgemerkt: Die Zuschauer sollen keine Performer werden, die Theatersituation wird nicht aufgelöst im partizipativen Rausch. Klingen die Beats und Bässe zwischendurch mitreißend nach Club, werden sie heruntergefahren, noch bevor das Publikum sich in eine tanzende Masse verwandeln könnte.

Der am Hamburger Graduiertenkolleg «Versammlung und Teilhabe» Promovierte ist hier dem «gefühlten Groove» der Großstadt auf der Spur. Material liefert ihm sein Serienprojekt «groove space», das, nach Berlin, ortsspezifisch auch in Zürich, Hamburg und Düsseldorf, in Basel und Freiburg entstehen wird. Die Berliner Version ist den Dynamiken sozialer Synergien in Stadträumen gewidmet – «synekism» heißt die entsprechende Vokabel aus der Stadtforschung. Zwei sozialwissenschaftliche Begriffe in einem Stücktitel, eine Aufführung, die eine Theorie von Tanz als Gruppenphänomen fundieren soll – das klingt forschungslastig. Aber Sebastian Matthias’ Konzept geht künstlerisch auf.

Wirken wir Zuschauer anfangs uns selbst überlassen, werden nach und nach die Tänzer kenntlich, he-rausgehoben aus der Menge durch minimal choreografierte Bewegungen. Betont beschwingt schreiten die sieben, bieten fast unmerklich eine Bewegung an wie eine Gabe, die man annehmen oder ignorieren darf. Bald werden ihre Sequenzen raumgreifender, tänzerisch fordernder, die Aufführungssituation wird klarer etabliert.

Drei Gerüstkonstrukte hat Eva Berendes im Festsaal der Berliner Sophiensaele aufgestellt, Spielplatzgeräten nicht unähnlich. Zum Lehnen, Sitzen, Umrunden einladend, bilden sie schützende Nischen und eine Spielarena. Zwischen Gerüsten und Gästen suchen die Tänzer nach Zwischenräumen. «synekism/groove space» schwingt sich in die konzentrierte Ruhe des gemeinsamen Flow ein. So nah und doch unaufdringlich hat man Tanz selten empfunden.

«maneuvers / groove space», Gessnerallee, 6.–8., 10., 11. Nov.; weitere Versionen in Basel, Museum Tinguely, 2.–8. März; Freiburg, Theater, 6., 7. Juni, 16.–18. Juli


Elena Philipp / Tanz / Seite 50 / November 2014

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