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Kalender und Kritik

Hamburg: On tour
Foto: Oleg Farynyuk
Showcase Beat Le Mot: «Gefühle»

Diese vier haben die eigene Lebensmitte jeweils schon deutlich überschritten und bilden nach 20 Jahren das älteste in Deutschland arbeitende Bühnenkollektiv (okay – Gob Squad sind noch etwas älter). Seit 1997 agieren Nikola Duric, Thorsten Eibeler, Dariusz Kostyra und Veit Sprenger unter dem Label Showcase Beat Le Mot. Die Herren strotzen noch immer vor Witz, ertüchtigen sich mit Tanz und glauben fest daran, dass «soziale Netzwerke und Kirchenorgeln» mehr Gefühle haben als Dichter.

Ihr jüngstes einschlägiges Werk hat Tamara Saphir choreografisch ertüchtigt: «Gefühle Großer Saal» kam ebenso wie «Gefühle, Nothing But» (2015) im Berliner Hebbel am Ufer zur Uraufführung. Darin sorgte ein «weinendes Klavier» für den emotionalen Schub. Diesmal empfängt uns ein gefilmtes Altarbild, das zeigt, wie eine Kirchenorgel kollektiv traktiert wird, musikalisch abermals angeleitet von Thies Mynther, einem stadtbekannten Gefühlsgaranten. 

Tanzten die Herren vor gut einem Jahr auf Monty-Python-Höhe über ein Meer von Schaumstoffresten, bewegt sich in ihrem neuen Werk in erster Linie das Publikum. Der mit edlen Ölgemälden der Darsteller ausgestaltete Zuschauerraum ist leer. Statt Stühlen steht ein Tisch im Raum, beladen mit Speisen (frugal) und Getränken (alkoholisch). Aus Letzteren entsteht in durchaus sinnhafter Choreografie eine Bowle, die vom Publikum ratzfatz geleert wird.

Die Herren verschwinden derweil in einem engen Stoffschlauch und bilden schlangenhaft eine die Bühne erklimmende Figuration, die in Korrespondenz steht zu einem turmhohen, ebenso stofflichen Zylinder – eine Beschreibung, die ganz bewusst so gesetzt ist. Denn diesmal streben die Gefühle der bildenden Kunst zu. Bald sitzen oder hocken wir auf der Bühne um jenen Stoffturm herum, starren in ein Lagerfeuer und sehen einen Tanz der Schatten, dessen Ursache sich als staunenswerte, fünf Meter hohe Marionette entpuppt: eine Giraffe.

Das in unsere Gesichter genähte Lächeln antwortet hier auf eine Karikatur des Kunstbetriebs, auf die Karikatur der musikalischen Andacht und der choreografischen Bühnenkonvention. Um die tatsächlich eher diffizilen Gefühlslagen gegenüber der Kunst noch ein wenig effektiver durch den Kakao (oder die Bowle) zu ziehen, soll es nun noch eine Hochzeit beider Stücke geben, die unter neuem Titel (siehe oben) gemeinsam auf Tour gehen.

Wieder Hamburg, Kampnagel, 10.–12. Febr., Düsseldorf, FFT, 5.–7. Mai; showcasebeatlemot.de 


Arnd Wesemann / Tanz / Seite 34 / Februar 2017

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