Auszug aus einem umfangreichen Beitrag von Nicole Strecker in «tanz» 2/2013. Den Volltext finden Abonnenten hier.
Das China des 18. Jahrhunderts in Dortmund: Zur Musik von Kintopp-Komponist Michael Nyman wird von der Brandmauer aus langsam eine prachtvolle Palast-Szenerie herangefahren (Bühne: Frank Fellmann, Kostüme: Han Chunqi). Rotgolden geschmückte Säulen, ein Thron mit reich kostümiertem Herrscher darauf, eine Schar Bediensteter zu seinen Füßen – eingefroren über Jahrhunderte. Dann ein erster Tanz der Frauen: Behutsam bewegen sie sich auf ihren Spitzenschuhen, kleine Schritte, langsame Beinhebungen, die Körper in pastellfarbene Kleider mit meterlangen Ärmeln gehüllt, deren Stoffbahnen die Tänzerinnen in die Luft schießen lassen wie züngelnde Flammen. Ein wunderbarer Einstieg ins Historien-Epos, das dem Dortmund-Chinesen Xin Peng Wang hier gelingt.
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In den Ensembleszenen setzt er kluge Crossover-Akzente: Er zitiert die künstlichen Gesten der Peking Oper, schraubt die Dramatik mit Kampfkunst-Elementen hoch und zeigt die Gewalt der Masse mit spektakulärem Asien-Showtanz, wenn die Tänzer mal mit wabbeligen Leuchtstäben, mal mit Bändern hantieren. Auch einem Stein, der einzig rätselhaften Chiffre aus Baiers Dramaturgen-Fantasien, verleiht Wang mit einer Kombination von ruckelndem Breakdance und Tai-Chi-Harmonie eine eigentümliche Faszination. Wangs «Traum der roten Kammer» ist also ein Ost-West-Transfer, eine Integrations-Version.
Wieder am 9., 22. Febr., 24. März, 4. Mai theaterdo.de
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