20.02.: Dominik Grafs Fernseh-Zehnteiler «Im Angesicht des Verbrechens» im Forum.
Endlich dürfen die Russen mal wieder die Bösen sein – und wie! In zehnmal 45 Minuten lässt Dominik Graf in seiner Fernseh-Serie «Im Angesicht des Verbrechens» in Berlin ein hochkomplexes kriminelles Milieu mit Mafia, Gegenmafia, good cops und bad cops auferstehen. Im Zentrum des Geschehens und zwischen den Welten steht der junge Polizist Marek Gorsky, der aus einer baltisch-jüdischen Einwandererfamilie stammt. Sein älterer Bruder ist zehn Jahre vor Beginn des Seriengeschehens ermordet worden; der Mörder wurde nie gestellt. Seine Schwester wiederum hat einen Russen geheiratet, der offiziell Restaurantbesitzer ist und inoffiziell ziemlich viele ziemlich dreckige Geschäfte macht.
Mehr zufällig werden Marek Gorsky und sein Kollege Sven Lottner in Ermittlungen des Landeskriminalamts verwickelt, in denen es darum geht, eine der russischen Schmugglerbanden, die in Berlin ihr Unwesen treiben, auszuheben. Der verschlossene Marek - bravourös gespielt von Max Riemelt - beginnt herauszufinden, was er schon lange geahnt hat: dass sein Schwager ein ziemlich großer Fisch ist und dass die «Geschäfte», die diesen Schwager zum Millionär gemacht haben, so einiges mit dem Mord an seinem Bruder zu tun haben.
Temporeich und spannend erzählt (Drehbuch: Dominik Graf und Rolf Basedow) und bis in die kleinsten Nebenrollen exzellent besetzt, nimmt «Im Angesicht des Verbrechens» den Zuschauer in unterschiedlichste Parallelwelten mit und lässt den unglamourösen Polizeialltag, den sich jeder auf seine Art versüßt, sich mit dem ziellos-brutalen Duktus der Berufskriminellen und der leeren Blingblingwelt ihrer Frauen überschneiden. Ein Detail übrigens vereint die Ebenen: Fast alle Figuren sind Raucher, was der Serie in Zeiten der Nichtraucherkneipe einen Retrotouch verleiht, der ihr gut steht.
Ein furioser Abschluss des Berlinale-Forums, das dieses Jahr seinen 40. Geburtstag gefeiert hat – und ein Hoffnungsschimmer fürs deutsche Fernsehen. «Im Angesicht des Verbrechens» wird im April auf arte und im Herbst in der ARD zu sehen sein.