20.02.: Die Internationale Jury hat entschieden: die Hauptgewinner der Berlinale 2010 im Überblick.
«Bear likes honey», daran liegt es, dass der türkische Wettbewerbsbeitrag «Bal» , zu deutsch «Honig», den Goldenen Bären für den Besten Film des Wettbewerbs gewonnen hat – das meint zumindest der deutsche Koproduzent des Films von Semih Kaplanoğlu.
«Ganz klar» sei die Entscheidung für «Bal» gewesen, so Jury-Präsident Werner Herzog. In dem von der Kritik im Vorfeld der Preisverleihung als Bären-Favorit gehandelten Film macht sich Yusuf, der kleine Sohn eines Imkers, auf die Suche nach seinem Vater, der auf der Suche nach Bienen irgendwo in den Weiten Anatoliens verschollen ist.
Jugendlich sind auch die Protagonisten des rumänischen Beitrags «If I Want to Whistle, I Whistle» von Florin Serban, der gleich zwei Preise aus Berlin mitnimmt: den Großen Preis der Jury sowie den Alfred-Bauer-Preis für «einen Film, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet». Serban hat seinen Debütfilm fast ausschließlich mit Laienschauspielern besetzt – dass nur die zwei Hauptdarsteller des Familiendramas nach Berlin mitkommen konnten, liegt daran, dass die meisten ihrer Kollegen im Knast sitzen. Um seine Geschichte, die zu großen Teilen im Gefängnis spielt, möglichst wahrheitsgetreu zu erzählen, hat Serban direkt im Milieu des Filmgeschehens gecastet.
Die Silbernen Bären für die besten schauspielerischen Leistungen gehen dieses Jahr nach Japan und nach Russland. Als beste Darstellerin wurde Shinobu Terajima geehrt, die in dem umstrittenen japanischen Beitrag «Caterpillar» (Regie: Koji Wakamatsu) eine Ehefrau spielt, deren Mann - als Krüppel aus dem Krieg zurückgekehrt - ihr das Leben zur Hölle macht.
Den Preis für den besten Darsteller hat die Jury zweigeteilt: Grigori Dobrygin und Sergei Puskepalis bekamen für ihre gemeinsame Leistung in «How I Ended This Summer» je einen silbernen Bären überreicht. Alexei Popogrebskys Kammerspiel um zwei sehr unterschiedliche Männer, die auf einer Polarstation im Arktischen Meer gefangen sind, wurde außerdem für seine Kameraführung (Pavel Kostomarov) mit dem Preis für eine «herausragende künstlerische Leistung» ausgezeichnet.
Weitere Preise:
Der mit 50.000 Euro dotierte «Preis für den besten Erstlingsfilm» geht an den schwedischen Beitrag «Sebbe» (Regie: Babak Najafi), der in der Jugendfilm-Sektion «Generation 14plus» lief.
Die «Generation Kplus Kinderjury» hat ihren «Gläsernen Bären» an «Shui Yuet Sun Tau» von Alex Law vergeben.
Der Gewinner des Panorama Publikums-Preises ist «Waste Land» von Lucy Walker.
Den schwul-lesbischen «Teddy Award» für den besten Spielfilm erhält Lisa Cholodenkos «The Kids are all right» .
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Das
beste Drehbuch dieses Berlinale-Jahrgangs stammt nach Ansicht der Jury von
Wang Qua'nan , der bereits 2007 für «Tuyas Hochzeit» mit einem Goldenen Bären ausgezeichnet worden war und dieses Jahr den Wettbewerb mit
«Apart Together» eröffnen durfte. Das sei «die draußen kälteste und innen wärmste Berlinale» gewesen, die er bisher erlebt habe, sagte der chinesische Autor und Regisseur in seiner Dankesrede.
Aus der Reihe der Jury-Entscheidungen, die mit ihrer Konzentration auf kleine Filme von größtenteils (noch) unbekannten Filmemachern in guter Berlinale-Tradition stehen, tanzt der
Silberne Bär für die Beste Regie für
Roman Polanski («The Ghostwriter» ) . Produzent Robert Benmussa, der den Bären für Polanski entgegennahm, machte nicht viele Worte. «Selbst wenn ich hätte kommen können, wäre ich nicht gekommen, denn als ich das letzte Mal zu einem Filmfestival gereist bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet», ließe Polanski ausrichten. Freuen würde er sich trotzdem.
Freuen kann sich auch Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. Die Berlinale hat in ihrem Jubiläumsjahr einen neuen Besucherrekord aufgestellt: Über 300.000 Zuschauer hat das Festival in den vergangenen zehn Tagen erreicht.