(Kinostart: 11.11.) Sofia Coppola hat den Plot ihres Oscar-Gewinners «Lost in Translation» wieder aufgenommen und vor der Glitzerkulisse von Hollywood einen Film über die allzumenschliche Verworrenheit gemacht.
Beschreibung:
Ein abgehalfterter Hollywood-Schauspieler, der nicht weiß, wohin mit seinem Geld und seinem Leben, begegnet einer einsamen jungen Frau. Für kurze Zeit bilden sie eine eingeschworene Gemeinschaft, platonisch und ohne viele Worte. Dann trennt das Leben sie wieder, auf unspektakuläre Weise.
Somewhere
Regie: Sofia Coppola, USA 2010, 98 Min.;
mit: Stephen Dorff, Elle Fanning
Offizielle Webseite
Das ist der Plot von Sofia Coppolas Regiedebüt «Lost in translation». Und das ist auch der Plot von ihrem neuen Film «Somewhere». Der abgehalfterte Schauspieler ist hier ein paar Jährchen jünger, die junge Frau ist nicht irgendeine junge Frau, sondern seine zwölfjährige Tochter, und das ganze spielt nicht in einem Hotel in Tokyo, sondern im VIP-Hotel «Chateau Marmont» bei L.A..
Johnny Marco (Stephen Dorff) verdient als Darsteller in der zweiten oder dritten Reihe von Hollywood mit Action-Filmen und «Romantic Comedies» genug Geld, um ständig im Chateau Marmont residieren zu können. Ab und zu feiert er Zimmer- Parties und reißt das ein oder andere Model auf. Wenn er frische Luft braucht, steigt er in sein dickes schwarzes Auto und fährt durch die Hollywood Hills.
Daran ändert sich eigentlich gar nicht so viel, als seine Ex-Frau ihm eines Tages die gemeinsame Tochter Cleo (Elle Fanning) ins Hotelzimmer stellt und ihn auffordert, sich um sie zu kümmern. Johnny bringt Cleo zum Eislauftraining; sie spielen zusammen Playstation und fahren im Auto durch die Gegend, und Cleo kommt mit auf einen Kurztrip nach Italien, wo Johnny seinen neuen Film vorstellt. Nachdem er sie, wie mit ihrer Mutter abgesprochen, im Feriencamp abgeliefert hat, wird ihm bewusst, dass ihm in seinem Leben etwas sehr entscheidendes fehlt. Was genau das ist, kann er nicht artikulieren. An dieser Stelle endet der Film.
Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.
Bewertung:
«Somewhere» arbeitet mit sehr langen Einstellungen und vielen Close-Ups auf die Gesichter von Johnny und Cleo. Dazu knistert die Musik von Phoenix wie ein etwas zu leise gestelltes Radio. Anders als in «Lost in translation» erliegtCoppola nicht ansatzweise der Versuchung, zu ästhetisieren. Dadurch, dass sie Johnny auch nicht zur tragischen Figur stilisiert, sondern in ihrem Blick stets freundschaftlich urteilsfrei bleibt, stellt sie eine andauernde Nähe zu ihrer Hauptfigur her, der man sich als Betrachter nicht entziehen kann. «Somewhere» ist kein Film über Hollywood und bestimmt kein Film über eine «besondere Vater-Tochter-Beziehung», sondern, so einfach wie brillant, ein Film über die allzumenschliche Verworrenheit.