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Peter Weir

The Way Back – Der lange Weg
Foto: Splendid
(Kinostart: 30.6.) Weiter als Maos langer Marsch: Ein halbes Dutzend Gulag-Flüchtlinge durchwandert ganz Ostasien. Dem politisch korrekten und majestätisch bebilderten Abenteuer-Epos geht leider auf halber Strecke die Puste aus.

Beschreibung:
Im Winter 1940 entkommt eine kleine Schar Häftlinge aus einem sowjetischen Straflager. Nun sind sie frei – und so gut wie tot: Vor ihnen liegen Tausende von Kilometern durch menschenleere und –feindliche Landschaften. «Nicht das Lager oder unsere Waffen sind euer Gefängnis, sondern Sibirien», hatten sie die Wachen gewarnt. Schon in einer der ersten Nächte erfriert Kazik, der Jüngste der Gruppe. 

Die restlichen Sechs schlagen sich unter der Führung des polnischen Offiziers Janusz zum Baikal-See durch. Dort lebende Bauern müssen sie meiden: Auf die Ausbrecher ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Dafür nehmen sie die junge Irina auf; das polnische Mädchen irrt seit der Deportation ihrer Eltern ziellos umher.
 
Die Odyssee der glorreichen Sieben führt über die Mongolei, wo ebenfalls Kommunisten herrschen, durch die Wüste Gobi bis nach Tibet. Entbehrungen fordern ihren Tribut: Nur vier kommen bis Lhasa. Hier verabschiedet sich der US-Amerikaner Mister Smith Richtung China. Das übrig gebliebene Trio marschiert weiter bis nach Indien.
 
Bewertung:
Es hätte großartig werden können: Peter Weir ist einer der wenigen Regisseure, die abseitige Stoffe massenkompatibel und trotzdem klischeefrei aufbereiten. Das bewiesen seine Kassenschlager «Der einzige Zeuge», «Club der toten Dichter» und «Die Truman Show».
 
Für die Hauptrollen hat er mit Ed Harris und Colin Farrell Charakter-Darsteller verpflichtet, die auch Todgeweihte in den letzten Atemzügen differenziert spielen können. Und die Fabel ist keine Fantasy, sondern beruht auf einem – leicht geschönten, aber weitgehend zutreffenden – Tatsachenbericht von 1956.
 
Offizieller Video-Trailer
 
 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Dennoch kann der Film kaum fesseln: Hunger-und-Durst-Episoden reihen sich monoton aneinander. Für einen Spannungsbogen sind Asiens endlose Einöden zu ereignisarm – dafür entschädigen auch die grandiosen Landschafts-Aufnahmen nicht.
 
Erst Irinas Auftauchen bringt die Gruppendynamik in Schwung: Ihr vertrauen die Haudegen Privates an, das sie einander jahrelang nicht eingestanden. Aber das Mädchen bleibt auf der Strecke.
 
Danach zieht sich ein Überlebenskampf zäh dahin, der ähnlich auch im Dschungel oder Wilden Westen ablaufen würde. Was schade ist: Anfangs zeigt Weir die Hölle sowjetischer Straflager so drastisch wie glaubwürdig. Doch nach einer halben Stunde verliert er sich in den Weiten Sibiriens. 
Foto: SplendidFoto: SplendidFoto: SplendidFoto: Splendid
Nach «Mitten im Sturm» der Niederländerin Marleen Gorris ist damit «The Way Back» der zweite Kinofilm binnen weniger Wochen, der das Schreckens-Thema Gulag beherzt anpackt, aber nicht richtig in den Griff bekommt: Stalin bleibt stärker.

27.06.2011 Oliver Heilwagen
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