(Kinostart: 20.1.) Tanz als Nahtod-Erfahrung: Eine Ballerina verstrickt sich in ein Netz aus Ängsten und Sehnsüchten, bis sie Opfer ihrer selbst wird. Darren Aronofskys perfekter Psychothriller oszilliert virtuos zwischen Realität und Wahn.
Beschreibung:
Ars longa vita brevis: Schon die Römer verlangten im Namen des Ewigkeitsanspruchs von Kunst die Selbstaufgabe des Künstlers. Nina ist darin weit gekommen. Sie lebt nur für den Tanz, d.h.: Sie hat kein Leben außer Training und Proben, tagein und tagaus.
Lesen Sie hier ein Gespräch mit Regisseur Darren Aronofsky über klassische Heldensagen und die Nabelschnur mit dem Universum.
Abends schneidert sie mit ihrer Mutter, einer Ex-Ballerina, auf dem Sofa Kostüme. Bevor sie in ihrer Kitschhölle von Kinderzimmer zu Bett geht, lässt sie ihre Spieldose «Schwanensee» klimpern.
Für das Corps de Ballett reicht das, nicht aber für die Hauptrolle, von der Nina träumt: In einer Neuinszenierung von «Schwanensee» will sie den weißen und den schwarzen Schwan spielen. Ihr Choreograph verlangt von ihr mehr Sinnlichkeit und übernimmt selbst die erste Lektion.
Offizieller Video-Trailer
Die zweite lehrt sie ihre Kollegin Lily, die sie in die Disco schleppt und unter Drogen setzt. Das wirkt: Nina erlebt immer öfter Halluzinationen, sexuelle Fantasien und autoaggressive Handlungen. Mit neu gewonnener Lebenserfahrung bringt sie eine hinreißende Partie auf die Bühne – zum höchstmöglichen Preis.
Bewertung:
Dieser Psychothriller lebt von seiner perfekten Besetzung: Den Hauptdarstellern sind ihre Rollen wie auf den Leib geschneidert. Natalie Portman glänzt als verdruckste und von Ehrgeiz zerfressene Tanzmaus, die kein Glück außer dem Premieren-Beifall kennt.
Black Swan
Regie: Darren Aronofsky,
USA 2010, 107 Minuten;
mit Natalie Portman,
Vincent Cassel, Mila Kunis,
Barbara Hershey, Winona Ryder
Webseite zum Film
Vincent Cassel fasziniert als skrupelloser Ballett-Direktor, der für einen gelungenen
Pas de deux auch unter die Gürtellinie geht. Mila Kunis hat als Lily das nötige Quantum Sex Appeal, ohne den Tanz eine fade Turnübung wäre.
Dieses Trio wirft der Regisseur in einen rauschartigen Bilder-Wirbel, der sogartig die Handlung vorantreibt. Darren Aronofsky ist auf Grenzgänger abonniert: In seinem brillanten Debüt «Pi» porträtierte er einen verrückten Mathematiker, in «The Wrestler» Mickey Rourke als abgehalfterten Catcher. Mit «Black Swan» ist ihm ein makelloses Meisterwerk gelungen: Dafür lohnt sich auch Selbstverstümmelung.
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