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Steven Silver

The Bang Bang Club
Schießen an allen Fronten: Der Bang Bang Club im Einsatz; Foto: Central Film
(Kinostart: 23.6.) Total trigger happy, aber ihr Abzug ist der Kamera-Auslöser: Vier Pressefotografen stehen in der Endphase der Apartheid zwischen allen Fronten. Eine spannende Abrechnung mit Voyeurismus, die selbst nicht frei davon ist.

Beschreibung:
Anfangs sieht Südafrika aus wie ein riesiger Abenteuerspielplatz für ewige Jungs: Rein ins Getümmel für ein paar spektakuläre Bilder. Dann ins Ghetto, in dem Stammeskrieger malerisch mit ihren Waffen fuchteln. Anschließend in die Redaktion, die einem die Fotos aus der Hand reißt; via Agentur gehen sie um die Welt. Abends im Pub mit Kumpels um die Wette prahlen und nebenher scharfe Bräute klarmachen. 

So haben es Greg Marinovich, Kevin Carter, Joao Silva und Ken Oosterbroek laut ihrem gleichnamigen Tatsachenbericht erlebt. Die Viererbande arbeitete in den letzten Jahren der Apartheid als Pressefotografen – jeder auf eigene Rechnung, aber befreundet und einander helfend. Sie dokumentierten mörderische Straßenschlachten zwischen dem ANC und der Zulu-Organisation Inkatha. Aufsehen erregende Bilder trugen ihnen den Spitznamen «The Bang Bang Club» ein.
 
Bevor man diese Rambos mit Teleobjektiven nicht mehr sehen kann, kippt der Film. Mit der Aufnahme einer «lebenden Fackel» - ANC-Anhänger haben einen Zulu angezündet – gewinnt Greg den Pulitzer-Preis. Doch ihn beschleichen Skrupel, was seine Bilder bewirken.
 
Offizieller Video-Trailer
 
Ähnlich ergeht es Kevin: Sein Foto eines hungernden Kindes im Sudan, hinter dem ein Geier hockt, bekommt ebenfalls den Pulitzer. Doch er wird gelöchert, warum er dem Mädchen nicht geholfen hat. Und gibt seinen Kritikern Recht: «Unser Job ist, Leuten beim Sterben zuzusehen.»
 
 
Beim Zusehen bleibt es nicht: Im letzten gemeinsamen Einsatz werden Greg schwer und Ken tödlich verwundet. Obwohl Kevin unverletzt davonkommt, macht er dem Elend selbst ein Ende.
 
Bewertung:
Der südafrikanische Regisseur Steven Silver setzt auf Dichotomie. In der ersten Film-Hälfte baut er das Klischee der verwegenen Haudegen an der Nachrichtenfront auf, um es danach genüsslich zu demontieren. Andere Klischees wie das vom tödlichen Rassismus der Weißen bedient er gar nicht erst: Tatsächlich forderten Kämpfe zwischen Schwarzen mehr Opfer als staatliche Unterdrückung.
 
In der zweiten Hälfte kommt alles Bedenkliche dieses Berufes zur Sprache: die vorgebliche Unparteilichkeit der Reporter; Sensationsgier von Presse und Publikum; schockierende Motive, die an Morden und Sterben nichts ändern.
 
Foto: Central FilmFoto: Central FilmFoto: Central FilmFoto: Central Film
Diese Abrechnung mit medialem Voyeurismus bricht abrupt mit der Happy-go-lucky-Atmosphäre zuvor. Da bedient sich das Drehbuch bei Hollywood-Standards: erst Action-Reißer, dann Psycho-Drama. Beide werden überzeugend gespielt und spannend in Szene gesetzt. Wer aber wissen will, was Kriegsfotografen wirklich bewegt, sollte sich den Dokumentarfilm «War Photographer» von Christian Frei über die Arbeit von James Nachtwey ansehen.

21.06.2011 Oliver Heilwagen
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