(Kinostart: 24.3.) Bühne frei für Catherine Deneuve: François Ozon hat ihr eine Sittenkomödie aus den 1970er Jahren auf den Leib geschrieben. Darin glänzt die Diva des französischen Kinos als mitfühlend umtriebige Mutter der Nation.
Beschreibung:
Eine Zeitreise in eine Epoche, in der die Verhältnisse noch hübsch übersichtlich waren: Auf der einen Seite klassenkämpferische Arbeiter, die sich in gerechtem Zorn gegen Ausbeutung empören. Auf der anderen Seite die kapitalistische Bourgeoisie, die doppelmoralisch in dekadentem Luxus schwelgt.
Das Schmuckstück
Regie: Francois Ozon, 104 min., Frankreich 2010;
mit: Catherine Deneuve, Gerard Depardieu, Fabrice Luchini
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Robert Pujol ist so ein Prachtexemplar: Der Besitzer einer Regenschirm-Fabrik treibt es mit seiner Sekretärin, rennt den Animierdamen im «Club Babalou» hinterher und staucht seine Untergebenen zusammen, wenn sie nicht spuren. Bis die streikende Belegschaft ihn festsetzt, er einen Infarkt erleidet und seine Gattin das Ruder übernehmen muss.
Die Deneuve war bislang nur sein Schmuckstück, das sich die Zeit mit Poesie und Rosenzucht vertrieb. Als Ad-hoc-Geschäftsführerin entdeckt sie plötzlich ihr Talent für Sozialpartnerschaft: Sie besänftigt die Angestellten, holt ihre Kinder als Assistenten an Bord und modernisiert den Laden. Voilà: Der Betrieb floriert.
Doch der entthronte Ehemann luchst ihr den Chefsessel mit Intrigen wieder ab. Die Rache der Deneuve ist süß: Sie geht in die Politik und gewinnt die Wahlen als unabhängige Kandidatin. Madame wird nicht nur Bürgermeisterin anstelle des Gewerkschaftsfunktionärs Babin, einer alten Liebe von ihr, sondern zugleich Parlamentsabgeordnete – eine in Frankreich nicht unübliche Kombination.
Bewertung:
Indem Regisseur François Ozon seine Komödie in den 1970er Jahren ansiedelt, lässt er der Nostalgie seiner Landsleute ein Vollbad ein. Da werden nicht nur Erinnerungen an die schönste Zeit wach, die Frankreich im 20. Jahrhundert erlebte, sondern auch an die Deneuve auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
Komplett im Retro-Look gehalten, entkommt der Film dennoch der Sentimentalitäts-Falle. Dank der Diva, die listig und lustvoll ihre Chance nutzt, als Wirtschaftsbossin ihren Mann zu stehen. Womit sie das vergangenheitsselige Spektakel in die Gegenwart vorantreibt.
Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.
Auch in Frankreich sind Frauen in der Chefetage immer noch unterrepräsentiert. Ob sich allerdings künftige Mitarbeiter und Wähler mit dem Slogan «Ihr seid alle meine Kinder!» motivieren lassen, wie Deneuve das am Ende tut, darf bezweifelt werden.