(Kinostart: 10.3.) Ruhelos auf den Ramblas: Alejandro González Iñárittu, der Meister des Puzzle-Kinos, stilisiert einen Gauner in Barcelona zum Schmerzensmann. Javier Bardem glänzt in einer Tragödie, die folgenlos versandet.
Beschreibung:
Uxbal hat alle Hände voll zu tun. Er beschäftigt illegale Einwanderer aus China, die auf dem Bau schuften oder Raubkopien herstellen. Er überwacht afrikanische Straßenhändler, die solche Raubkopien verkaufen, und schützt sie mit Schmiergeld vor der Polizei. Er kümmert sich um seine beiden Kinder und schlägt sich mit seiner Ex-Frau Marambra herum, die manisch-depressiv ist und zuviel trinkt.
Biutiful
Regie: Alejandro González Iñárritu, Mexiko/USA 2010, 147 min.;
mit: Javier Bardem, Maricel Alvarez, Eduard Fernández
Website zum Film
Er lässt seinen verstorbenen Vater umbetten, den er nie gekannt hat, weil auf dem Friedhofsgelände ein Einkaufszentrum errichtet wird. Er trifft in der Disco seinen Bruder, der es mit Koks und Nutten krachen lässt. Er hat Prostata-Krebs im Endstadium und sucht Trost bei einer weisen Frau.
Ziemlich viele Probleme – selbst für einen Hünen wie Uxbal. Jeder in seinem Armenviertel will etwas von ihm, und er kümmert sich um alles: ein Patriarch alter Schule. Kein Wunder, dass er zusehends entkräftet mit tieftraurigem Blick durch den Film trottet. Diesem Schmerzensmann verleiht Javier Bardem tragische Größe: Der spanische Ausnahme-Schauspieler ringt seiner Agonie zahllose Facetten des Aufbäumens und der Resignation ab.
Offizieller Video-Trailer
Bewertung:
Alejandro González Iñárittu hat Kino-Geschichte geschrieben, als er den Kaleidoskop-Schnitt erfand: Seine Filme «Amores Perros», «21 Gramm» und «Babel» zerfallen in lauter asynchrone Episoden, die sich erst am Ende zu einer nachvollziehbaren Handlung fügen. Das fordert nicht nur die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Es bildet auch perfekt die Lebenswelt ab, die man ebenfalls nur in Ausschnitten wahrnimmt.
In «Biutiful» erzählt Iñárittu erstmals seine Episoden in linearer Folge. Doch die einzelnen Stränge und Motive bleiben voraussetzungs- und folgenlos. Selbst der tragische Höhepunkt – Uxbal vergiftet mit schadhaften Gasbrennern versehentlich die Chinesen – hat keine Konsequenzen. Das Dasein ist manchmal so verworren, doch das Kino sollte es nicht sein: Toller Hauptdarsteller, schwacher Film.