Beruf: Tänzerin, Choreografin
27. Juli 1940 - 30. Juni 2009
Schlaglichter: 1961-62: Mitglied des „New American Ballett“; 1962-1968: Solistin im Folkwang-Ballett Essen; 1969-1973 und 1983-1989: künstlerische Leiterin der Tanzabteilung an der Folkwang Hochschule in Essen-Werden; 1973-2009: Leiterin der Ballettsparte der Wuppertaler Bühnen
Auszeichnungen (Auswahl): 2009 Theaterpreis "Faust" des Deutschen Bühnenvereins posthum für ihr Lebenswerk; 2008 Ehrenbürgerin der Stadt Wuppertal; 2007 Venedig: Goldener Löwe der Biennale von Venedig für ihr Lebenswerk; 1999 Europäischer Theaterpreis; 1997 Deutschland: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland; 1991 Frankreich: Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres
Arbeiten (Auswahl): 1968 Fragment; 1974 Fritz; 1975 Frühlingsopfer; 1976 Die sieben Todsünden; 1977 Blaubart; 1978 Café Müller; Kontakthof; 1979 Arien; Keuschheitslegende; 1982, Nelken; 2000 Kontakthof – Mit Damen und Herren ab 65;
2008 Kontakthof – Mit Teenagern ab 14; 2009 Neues Stück
„Das Tanztheater gab es nicht wirklich, bevor sie es erfunden hat“ - William Forsythe
Nicht weniger als eine Revolution des Tanztheaters stiftete Pina Bausch Mitte der 70er Jahre an, als sie begann, an den Wuppertaler Bühnen zu arbeiten: „Als sie die Form der Collage für ihre Stücke erfand, als sie von ihren Tänzern in scheinbar banalen Fragen erbat, Antworten in Gesten, Text und Tanz zu finden, sie diese auf Karteikarten notierten Ergebnisse zu aufwühlenden Stücken montierte, da bekam sie Morddrohungen von empörten Theaterbesuchern: Und die Ballettkritik stritt damals allen Ernstes darüber, ob das denn überhaupt noch Tanz sei“, erinnert sich Eva-Elisabeth Fischer in ihrem Nachruf auf die Tanz-Legende, nach der das Wuppertaler Tanztheater trotz dieser Anfangsschwierigkeiten bereits zu Lebzeiten benannt worden war.
„Wortwörtlich so wie Pina sie (schriftlich) formuliert, sind auch ihre Stücke. Sie sagt nie «es ist so». Es ist eigenartig. Sie deutet Worte und Sätze, die in der Luft liegen, auf dem Papier nur an – kompakt und sparsam – und trifft dabei alles genau. Ich kann ihre Worte, Sätze, ihre Sprache eher fühlen und sehen als hören. Ich spüre die Bewegung in ihrer Aussprache“, beschreibt die Tänzerin Jo Ann Endicott, lange Mitglied der Wuppertaler Bausch-Kompanie, die Zusammenarbeit.
Heiterer sei Pina Bausch mit den Jahren geworden, was sicherlich nicht unmaßgeblich zu ihrem wachsenden Erfolg beigetragen hat - doch „das Alter hat Pina Bausch nichts genommen, nichts an Haltung, nichts an Klarheit, nichts an künstlerischer Unerschrockenheit. Nur die modische Maquillage ist ab. Was wir sehen, ist wahrhaftig pur“, urteilte Dorion Weickmann nach der Premiere ihres vorletzten Stückes - wie viele ihrer Werke am Premierenabend noch ohne Titel.
„Sie hat den Prozess der Erarbeitung thematisiert und ihn länger als üblich offen gehalten und vor dem Produkt «fertiges Tanzstück» zu schützen versucht. Das Probieren im Leben wie im Theater und auf der Bühne, was es überhaupt heißt zu leben, macht aus jeder Aufführung von Pina Bausch eine Probe aufs Exempel, einen Versuch, dem näher zu kommen, was den Menschen ausmacht“, ruft Gerd Siegmund der Choreografin nach.
Und Jo Ann Endicott bestätigt diesen Eindruck, wenn sie schreibt: „Nie habe ich mit einer anderen Choreografin gearbeitet, bei der ich in den Bewegungen, in den Stücken Wind, Atmen, Trauer, Tod, Leben, Sommer, Frühling, Herbst, Winter und eben «alles» und auch «das Nichts», die Leere spüren konnte."