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Theaterbau & Bühnentechnik

Wie wird Akustik rekonstruiert?
Gebäudegrundriss. Foto: Studio Aldo Rossi Associati
Das Opernhaus "La Fenice" war aufgrund seiner besonderen Bauweise als akustisch hervorragender Bau bekannt. Akustik kann man nicht anfassen, nicht sehen, sie war den Menschen "im Ohr". Wie kann solch eine Akustik "originalgetreu" wieder hergestellt werden? Zunächst einmal hieß es, das Geheimnis der früheren Akustik mittels Untersuchung der Originalpläne von 1836 zu lüften. In aufwändigen Tests und Modellbauten näherte sich das Büro Müller-BBM der Problematik an. Das Konzept für die Wiederherstellung der Akustik forderte den Wiederaufbau von "La Fenice" "wie sie war" nicht nur von außen, sondern auch mit den geleichen Materialien - zum Beispiel einer Tragkonstruktion für den Zuschauerraum aus Lärchenholz! Wie geht das mit modernen Brandschutzforderungen zusammen? Der Akustikplaner berichtet über das Abenteuer "La Fenice".

Nach der Zerstörung des Opernhauses bestand Übereinstimmung darin, das Teatro „La Fenice" in seiner einmaligen Schönheit wieder originalgetreu zu rekonstruieren, die weltweit als hervorragend bekannten akustischen Verhältnisse eingeschlossen. Aber was heißt Rekonstruktion dus akustischer Sicht? Eine Grundforderung der akustischen Rekonstruktion für den Saal war die Wiederherstellung der bewährten klassischen Hufeisenform mit fünf Zuhörerrängen, der Deckenform und dem Raumvolumen. Darüber hinaus sollten die Oberflächen neben der Form durch korrekte Materialwahl auch das gleiche Reflexions- und Schwingungsverhalten wie früher aufweisen. Besondere akustische Bedeutung kam dabei den sehr reichhaltigen Dekoren auf allen Oberflächen zu.

Im Zuge des Wiederaufbaus ergaben sich jedoch sofort auch sehr viele Forderungen und Wünsche bezüglich des Sicherheitsstandards, des Gebäudekomforts und des Raumprogramms. Diese notwendigen Veränderungen durften keinen nachteiligen Einfluss auf die akustischen Verhältnisse haben. Der Gebäudekomfort sollte in vielen Bereichen erhöht werden, d. h. Integration einer Lüftung und Klimatisierung sowie Verbesserung der Beheizung in den Räumen. Speziell bei den historisch zu rekonstruierenden Räumen im Bauteil Apolline sowie im Saal selbst mussten all diese Maßnahmen zum Brandschutz wie auch zur Klimatisierung unsichtbar und ohne unzulässig hohe Geräuschentwicklung integriert werden.

Weiterhin führte oer Einbau einer modernen Bühnenmaschinerie sowie Forderungen nach neuen Proberäumen zu einem deutlich vergrößerten Raumprogramm. Die beengten räumlichen Verhältnisse, die enge Einbindung des Teatro „La Fenice" im Stadtgefüge Venedigs, umgeben von Wasser, Straßen und auch Nachbargebäuden, bedingten aber, dass räumliche Erweiterungen nur innerhalb der eigenen Gebäudehülle und auch nur in sehr begrenztem Umfang möglich waren. Das nachfolgend beschriebene akustische Planungskonzept und seine Umsetzung zeigt, wie schwierig es ist - bei Berücksichtigung aller Anforderungen an Räume, technische Ausstattung, Klima, Lüftung - zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen.


Längsschnitt des Gebäudes. Foto: Studio Aldo Rossi AssociatiGrundlagen

Das Kernstück im Zuge der Rekonstruktion des Teatro „La Fenice" bildet aus gestalterischer, architektonischer wie auch akustischer Sicht der Zuschauerraum, die „Sala Teatrale" mit Orchestergraben und Bühne. Architekt Meduna und seine später für das Theater arbeitenden Kollegen haben bei der Planung des Originals von 1836 insbesondere für die „Sala Teatrale" fantastische Arbeit geleistet und alle Beteiligten vor eine große Aufgabe für die Rekonstruktion gestellt. Die weit über die Grenzen Italiens gerühmte Akustik klingt einigen von Ihnen sicher noch im Ohr. Für den Akustiker ist dies selbstverständlich eine besondere Herausforderung, diese Einzigartigkeit und akustische Qualität wiederherzustellen. 

Hierfür wurden zunächst die Pläne von Meduna genau studiert, um mit den heute verfügbaren physikalischen und computertechnischen Hilfsmitteln die schon damals geschaffene hervorragende Akustik zu analysieren. Genaue und detaillierte Untersuchungen erfolgten auch für die Materialien, welche die Raumbegrenzungsoberflächen bilden und somit maßgeblich für die Akustik sind.



Jürgen Reinhold / BTR / Seite 14 / 2 2005

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