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Kunst und Technik

Vorhang auf!
Foto: Fa. Gerriets
Schienenanlagen und Vorhangsysteme

Es gab eine Zeit im letzten Jahrhundert, da wurde dem Theatervorhang kaum noch eine Zukunft zugetraut. Er wurde für überflüssig gehalten, war er doch gewissermaßen das Symbol für die Trennung zwischen Zuschauern und Theatergeschehen, die es zu überwinden galt. Seitdem sind immer wieder neue Vorhänge installiert worden.

Nicht nur in Theatern, sondern auch in Mehrzweck- und Messehallen, in Kulturzentren, Museen, Hörsälen, Fernsehstudios, Probenräumen, auf Kreuzfahrtschiffen... Auch bei mehr oder weniger kurzlebigen Events, bei Firmenpräsentationen oder Werbeaktionen: Der Vorhang ist lebendiger denn je. Der klassische Theatervorhang trennt nach wie vor den Bühnenraum vom Zuschauerraum. Ihm ist sogar namentlich eine eigene "Gasse" zugewiesen, die unmittelbar hinter der Portalwand gelegene Vorhang- oder auch Nullgasse. Den dort vorhandenen Raum teilen sich der Hauptvorhang, die seitlich geführten Nullgasssenzüge um Einbinden von Spielvorhängen (Courtine), Schleiervorhang und der Schallvorhang (Schalldecker) mit dem Eisernen Vorhang.

Die Prospektzüge im Bühnenraum nehmen nach Bedarf weitere Vorhänge auf, die als Zwischenvorhang, als Dekoration (Theater auf dem Theater) oder auch schon mal als Hintergrund dienen. Meist ist es Aufgabe eines Vorhanges, die Zuschauerblicke von der Bühne oder einem bestimmten Bühnenbereich auszuschließen oder sie – im Gegenteil – auf einen bestimmten Bereich zu fokussieren. Das geschieht zuweilen mit Hilfe eines "Italienischen Vorhangs", der je nach dem Grad der Raffung als Draperie oder dekorativer Rahmen eingesetzt werden kann. Ein "Griechischer Vorhang" zusammen mit einer Soffitte kann als Passepartout verwendet werden und auf diese Weise das Publikum gerade dorthin blicken lassen, wo der Regisseur es beabsichtigt. Was nicht gesehen werden soll, verdecken die Vorhangblätter.

Der "Deutsche Vorhang" und der Wolkenvorhang geben beim Öffnen zuerst den Blick auf die Füße der Darsteller frei, der Griechische Vorhang den Blick auf die Mitte, der Italienische, Französische und der Wagnervorhang geben durch ihre diagonal zu den oberen Portalecken führende Bewegung das Bühnenzentrum frei. Der Theatervorhang ist den Fachleuten immerhin so wichtig, dass die Benennung seiner verschiedenen Ausführungen Bestandteil einer Norm, nämlich der DIN 56 920 T. 3 geworden ist.
 

Öffnen, Raffen, Wegziehen - die Vorhangsysteme

Alle bisher erwähnten Vorhänge werden im neuzeitlichen Theater seit Jahrhunderten eingesetzt. Durch anmutiges, dezentes Öffnen, durch dramatisches, heftiges Schließen, durch rauschendes Zusammenfallen der Blätter eines Wagner-Vorhanges oder sein zaghaftes Öffnen lassen sich dramaturgische Effekte verstärken. Durch einfühlsames Agieren des Vorhangziehers konnte (und kann) der zählbare Erfolg (die Zahl der "Vorhänge") mancher Aufführung gesteigert werden.

Die Vorhangtechnik hat sich dabei im Laufe der Theatergeschichte stets weiterentwickelt. Der barocke Wickelvorhang (hier wird der Vorhang auf eine oberhalb der Portalöffnung angebrachte zylindrische Trommel auf- und abgewickelt) war in dem Moment veraltet, als Theater mit Bühnentürmen gebaut wurden, die mehr als doppelt so hoch wie die Portalöffnung sind. Dennoch werden sie in historischen Theatern weiter verwendet. Der einfache, mit Ringen auf einem Seil oder Draht geführte, Vorhang lebt weiter als "Brecht-Vorhang". Vorhänge werden nach wie vor an Gleitschlitten oder Rollenwagen gehängt, die an (oder in) Metallprofilschienen laufen, und nach wie vor werden Vorhänge mittels Scherenzügen bewegt, die bewirken, dass sich der Abstand der Vorhangfalten beim Öffnen und Schließen gleichmäßig über die gesamte Vorhangbreite verändert. Das Prinzip des Raffvorhanges hat sich ebenfalls seit langer Zeit nicht verändert.

Wesentlich geändert haben sich aber gerade in den letzten 25 Jahren die Anforderungen der Nutzer an die Einsatzmöglichkeit, die Flexibilität, die Zuverlässigkeit und die Handhabung von Vorhangzug- und Schienensystemen. Häufig werden Kundenanforderungen gestellt, bei denen noch vor wenigen Jahren die Hersteller hätten kapitulieren oder nicht ausgereifte technische Lösungen anbieten müssen, sei es z. B., weil der Platz nicht ausgereicht hätte oder mehrfach gekrümmte Vorhangschienen gefordert werden.
 



Kay Krause / BTR / Seite 115 / SH 2009

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