«Für alle, die die Wasserfarben auch im Dunkeln sehen»: Antú Romero Nunes, «Nachwuchsregisseur des Jahres» 2010, bringt «Das Prinzip Meese» von Oliver Kluck am Maxim Gorki-Theater auf die Studiobühne.
Beschreibung:
Die Generation der Dreißigjährigen ist verwirrt, und «Das Prinzip Meese» ist (laut Autor) «das Finden der eigenen Verwirrung». Sie kriechen sich durch unbezahlte Praktika in den Beruf, halten sich mit Hartz IV über Wasser, und jede Folge von Baywatch kennen sie besser als die Namen der neuen Bundesländer. Oliver Klucks mit dem Förderpreis des Theatertreffen-Stückemarkts prämiertes «Stück ohne Stück» beschreibt mit schwarzem Humor eine ebenso verzweifelte wie handlungsunfähige und erbärmliche Generation.
Der Jungregisseur Antú Romero Nunes (Nachwuchsregisseur des Jahres 2010) lässt die Schauspieler Anika Baumann und Michael Klammer mit den aus dem Monolog aufgeklaubten Identitätsbröckchen fröhlich jonglieren. Ob sich Michael eine Höhle aus Matratzen baut und Anika von einer Theateraufführung zu Schulzeiten erzählt, ob Michael sich ernstlich durch seine real existierende Dunkelhäutigkeit stigmatisiert fühlt oder ob hier Kunstfiguren auf der Studiobühne nur so tun, als seien sie Privatpersonen, weiß man nie genau. Den Zuschauer ziehen sie emotional mit in ihre Kuschelecke und öffnen einen Diskurs, der mit Ironie übers reine Denunzieren und die eigene Nabelschau hinausgeht.
Bewertung:
«Das Prinzip Meese» nutzt postdramatische Spielereien und erzählt trotzdem ernsthaft und wütend von den Nöten einer Generation. Um diesen losen Monolog sinnvoll auf die Bühne zu bringen, braucht es einen Regisseur, der das System des Stücks versteht und unverkrampft mit dessen Modulen spielt. Und es braucht überzeugende Schauspieler, die mit Comedy und Ernsthaftigkeit experimentieren, ohne sich selbst außen vor zu lassen. Beides hat die Uraufführung am Gorki. Ein intelligenter, witziger, kurzweiliger Abend.