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Festival

Mülheimer Auslese
Szenenbild aus Nis-Momme Stockmanns «Kein Schiff wird kommen», uraufgeführt von Annette Pullen am Schauspiel Stuttgart; Foto: Cecilia Gläsker
Das Auswahlgremium hat entschieden - eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen 2010 sind:

Dea Loher mit «Diebe», Roland Schimmelpfennig mit «Der goldene Drache»,
Elfriede Jelineks «Kontrakte des Kaufmanns»,
Kathrin Rögglas «Die Beteiligten», «faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete» von Ewald Palmetshofer, Dirk Lauckes «Für alle reicht es nicht» und Nis-Momme Stockmanns «Kein Schiff wird kommen».

Zum Auswahlgremium gehörten die Theaterjournalisten Till Briegleb, Christine Dössel, Wolfgang Kralicek, Peter Michalzik und Franz Wille.

Wolfgang Kralicek, Sprecher des Auswahlgremiums der Mülheimer Theatertage, zur diesjährigen Stücke-Auswahl:

Was war das für ein Stücke-Jahrgang, den Sie dieses Jahr in Mülheim begutachtet haben?

Ein guter Jahrgang, wir hatten ein Dutzend ernsthafte Kandidaten, aus denen die sieben Einzuladenden auszuwählen nicht einfach war.

Welche inhaltlichen bzw. formalen Tendenzen zeichnen sich für Sie in der diesjährigen Auswahl ab?

Unsere Auswahl zeigt, dass das Spektrum breit ist. Wir haben drei Österreicher dabei, die alle sowohl mit der dramatischen Form als auch mit der Sprache grenzgängerisch umgehen: In Kathrin Rögglas «Die Beteiligten» geht es um den Fall Natascha Kampusch; allerdings kommt Kampusch nicht selbst zu Wort, sondern im Mittelpunkt steht das «Mediengerede», das sich am Fall Kampusch entfacht hat. Auch in Ewald Palmetshofers «faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete» sind die Hauptfiguren Abwesende; sie werden von den Darstellern der anwesenden Figuren mitgespielt.
An Elfriede Jelinek schließlich sind wir auch dieses Jahr wieder nicht vorbeigekommen: ihre «Kontrakte des Kaufmanns» sind im wahrsten Sinne postdramatisch. Jelinek schreibt ja schon lange keine Stücke mehr, sondern Texte, mit denen das Theater dann umgehen muss.
Es gibt aber in unserer Auswahl ebenso Beispiele dafür, dass auch «herkömmliche dramatische Stücke» auf der Höhe der Zeit sein können: Roland Schimmelpfennigs «Goldener Drache» oder Dea Lohers «Diebe» etwa schaffen es, die Welt über Netze szenischer Situationen abzubilden.

Haben Sie Neuentdeckungen gemacht?

Ja, wir haben mit Nis-Momme Stockmann auch einen «Mülheim-Debütanten» eingeladen. An seinem Stück «Ein Schiff wird kommen» fanden wir spannend, dass die Rolle des Autors selbst thematisiert wird. Der junge Dramatiker, von dem «Ein Schiff wird kommen» handelt, hat den Auftrag erhalten, ein Stück über den Mauerfall zu schreiben. Stattdessen wird am Ende ein Stück über seine Familie daraus.
Ein anderer junger Autor, Dirk Laucke, ist zum zweiten Mal eingeladen - er hat mit «Für alle reicht es nicht» tatsächlich ein Wendestück geschrieben. Wir haben nun also sowohl ein Stück dabei, in dem es darum geht, wie ein junger Autor daran scheitert, ein Wendestück zu schreiben, als auch den Beweis, dass junge Autoren nicht an dieser Thematik scheitern müssen.

Vielen Dank!
 

Die Theatertage finden von 14. Mai bis zum 05. Juni statt; den Spielplan finden Sie ab dem 22. März hier.

Mitte Juni wird der Mülheimer Dramatikerpreis vergeben. Letztes Jahr erhielt ihn Elfriede Jelinek für «Rechnitz (Der Würgeengel). Lesen Sie hier ihre Dankesrede.

 


11.03.2010 sd

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