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Dossier

Mehr Demokratie wagen?
Wrapped Reichstag oder: wie macht man das Volk neugierig auf die Demokratie? Foto: dontworry / Wikipedia
Bedeutet mehr Demokratie auch immer bessere Demokratie? Muss man nicht ernster nehmen, dass Willy Brandts «Mehr Demokratie wagen» auch ein Wagnis für die Demokratie sein kann? Der Historiker und Politikwissenschaftler Herfried Münkler hat über diese Frage ein Essay für «Theater heute» geschrieben und führt Beispiele an für Demokratisierungsgefahren. Geantwortet haben ihm Joachim Lux, Joseph Bierbichler, Thomas Oberender, Thomas Ostermeier und Armin Petras. Eine Übersicht über die Debatte.

Herfried Münkler untersucht die Gefahren, die der Demokratie durch forcierte Demokratisierung drohen.

Joachim Lux, Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, stellt das deutsche Theatersystem in seinem Beitrag als Erzeugnis aus dem Geist der repräsentativem Demokratie dar.

Der Schauspieler Joseph Bierbichler fragt sich, ob wir nicht trotz allem mehr Demokratie wagen sollten - oder ob das dann Gewalt ist.

Armin Petras, Autor-Regisseur-Intendant, denkt Herfried Münklers «verhaltenen Kulturpessimismus» weiter und stellt fest: «Was fehlt, ist das Jauchzen.»

Thomas Ostermeier sieht das Grundproblem woanders und meint: «Wenn unsere Demokratie demokratischer wäre und sich mehr um Fragen von Vernunft und Gerechtigkeit als um die Frage der besseren Ausbeutung der Märkte kümmern würde, müsste Münkler nicht von einer Bedrohung der Demokratie durch Demokratisierungsversuche sprechen.»

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Zum Thema auf kultiversum:

Auch wenn es gewisse Grundprobleme nicht lösen kann: das Internet hat das Potenzial zum demokratischen Trainingslager, findet Michael Brake.

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Nur im gedruckten Heft nachzulesen:

Ein Bericht von einer Begegnung der außerdemokratischen Art (TH 06/10) - mit Jonathan Meese, dem Musketier seiner Majestät der Kunst, dessen Mission Thomas Oberender als «stellvertretenden Exorzismus» beschreibt, «der ein Beispiel dafür gibt, wie sich das anfühlt und welche Irritationen und erhellenden Blickwechsel sich einstellen, wenn sich jemand all die Geister austreibt, die uns im Namen der Demokratie, der Religion oder individuellen Selbstverwirklichung unbemerkt bewohnen.»

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Neue und alte «Theater heute»-Hefte können hier bestellt werden.


07.07.2010

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