wieder am 25.02. Fitzgerald Kusz «Lametta» am Staatstheater Nürnberg
Ohne christliche Fest- und Feiertage wäre die Welt friedlicher. Eine schmerzliche Erkenntnis, aber der fränkische Bühnenautor Fitzgerald Kusz zeigt mit seinem neuen Stück «Lametta» einmal mehr, dass es gerade dann, wenn es besinnlich und kontemplativ werden sollte, meist eher besoffen und explosiv zugeht. Die Familie, jener Hort der Gemütlichkeit, wird zum Raubtierkäfig, und statt süßer die Glocken nie klingen, klirren die Gläser, bis es auch die Oma auf das Laminat streckt. Weihnachten, das ist bei Kusz die Hölle, und Verwandtschaft ist eine gefährliche Ansammlung harmonieresistenter Egomanen. Und während Peter Alexander vom Frieden auf Erden sülzt, kriegt sich die ganze Patchwork-Bande so in die Haare, dass sich selbst Ochs und Esel im selbstgebastelten Stall unterm windschiefen Baum abwenden. Frohes Fest allerseits!
Kusz misstraut konsequent verordneten Idyllen. In seinem 1976 uraufgeführten Familiendrama «Schweig Bub» ließ er eine Konfirmations-Fete grandios platzen, indem er seinen Bühnenfiguren einfach die Gläser ständig nachschenkte: die geistig-moralischen Ausfallerscheinungen ergaben sich da ganz von selbst. Das Dialekt-Stück aus den Niederungen bürgerlicher Anständigkeit wurde Kult (und übersetzt in über ein Dutzend deutscher Mundarten): Nach 760 Vorstellungen (der Ur-Inszenierung von Friedrich Schirmer übrigens) wurde in Nürnberg in der vergangenen Spielzeit zum (vorerst) letzten Mal die legendäre Leberknödelsuppe aufgetischt, deren Geschmacklosigkeit es leicht mit den hinterfotzigen Nettigkeiten und abgestandenen Zoten der gar nicht so überzeichneten Personen an der Festtagstafel aufnehmen konnte.
«Lametta» nun sollte die Fortsetzung dieses einzigartigen Erfolgs werden – und ist doch nur ein fader Abklatsch. Kusz wollte den Humor auf die Christbaumspitze treiben, aber die Dialoge nadeln dürr und unbeholfen, das Komische bleibt verpackt in allzu gefälliges Geschenkpapier, und die Boshaftigkeit verfunkelt wie ein Sternspeier. Regisseur Frank Behncke versuchte, das fade Fest noch ins zumindest visuell einigermaßen Absurde zu kippen, aber der Text und letztlich auch die Schauspieler spielten da nicht mit. Dieses Ensemble, ausgestopft kostümiert mit Prekariats-prêt-á-porter-Klamotten, mühte sich in der handlungsarmen stillen Nacht, die plump zum unheiligen Polterabend wurde, zu allem Unglück dann auch noch mit der fränkischen Mundart, die kaum einer beherrschte. Dabei hätte doch wenigstens und gerade dieser geschmeidig sich spreizende Dialekt, der sich so geheimnisvoll aus weichen und harten Buchstaben zusammensetzt, noch für eine Doppelbödigkeit sorgen können, die den zusammengeflickten Szenen leider gänzlich abging. Es ist zu erwarten, dass nach diesem verunglückten X-mas-Schwank in Nürnberg demnächst wieder Leberknödelsuppe gekocht wird. Die schmeckt auch noch x-mal aufgewärmt.