Werte in Zeiten des Konsums: Am 6. März feiert im Bremer Moks-Theater das Jugendtheaterstück «Kein Kapital» Premiere.
Die Protagonisten in «Kein Kapital» haben keine Namen, sie haben nur Eigenschaften. Es gibt «Ratte», die «Unvermittelbare», den «Schauspieler» und die «Pfandleiherin». Letztere verhandelt im Leihhaus, dem zentralen Ort des Stückes, den Wert von Gegenständen. Und damit auch von Träumen. Denn nur mit Geld kann die «Unvermittelbare» Bewerbungsfotos machen, um sich auf weitere Stellen zu bewerben. Und nur mit Geld kann der «Schauspieler» weiter seinen Lebensstil finanzieren und auf Castings gehen.
Es sind strauchelnde Personen, die Tamer Yiğit und Branca Prlić im Bremer Moks-Theater auf die Bühne bringen. Ihre letzte Anlaufstation ist das Leihhaus, wo sich auch «Ratte» rumtreibt, der mit Kohle und Wertcoupons handelt und damit sein eigenes Überleben sichert. In der Wirtschaftskrise haben nicht nur Aktien ihren Wert verloren, sondern auch Menschen. Das ist die zentrale These in «Kein Kapital», das die krankhaften Auswüchse des kapitalistischen Systems thematisiert.
Nach «Warngedicht», das im letzten Jahr mit dem «Brüder-Grimm-Preis» der Stadt Berlin ausgezeichnet wurde, hat das Regie-Autorenduo Yiğit und Prlić nun erneut ein Stück fürs Jugendtheater geschrieben. Auf der Bühne stehen diesmal allerdings keine jugendlichen Laiendarsteller, sondern ausgebildete Schauspieler, die fast alle zum Ensemble des Moks-Theaters gehören.
Wirtschaftliche Aspekte werden in «Kein Kapital» durch die Lebensgeschichten und Überlebensstrategien der vier Figuren veranschaulicht, die im Leihhaus zu einem Knotenpunkt zusammenlaufen.
Die Premiere von «Kein Kapital» findet am 6. März um 20.00 Uhr im Moks-Theater in Bremen statt.
Weitere Aufführungen:
8., 9., 11. - 14., 16. - 18. März
8. - 13. April
www.theaterbremen.de
Zum Teil sind diese Geschichten selbst erlebt oder von Freunden inspiriert: Yiğit und Prlić wollen so nah an der gesellschaftlichen Realität, wie möglich erzählen und thematisieren dabei die Nöte einer jungen Generation, der die Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung durch das in alle Bereiche greifende Diktat der Gewinnmaximierung genommen werden.
Auch «Kein Kapital» ist in diesem Sinne ein «Warngedicht», das, wie in der Laudatio zum Brüder-Grimm-Preis hervorgehoben wurde, Alarm schlägt: «vor dem Ungenügen der Gegenwart, das die Katastrophe der Zukunft ist»