09.03., Schauspiel Frankfurt: «Der Diener zweier Herren» von Carlo Goldoni. Regie: Andreas Kriegenburg.
Das große Raten gibt es gleich zu Beginn. Brocken von Englisch, französische Intonationen, romanische, slawische und orientalische Laute: Welche Sprache sprechen diese absonderlichen weißbekleideten Gestalten, die wie Käfer aus allen Ecken der Bühne kriechen, um sich zu einer grotesken Big Band zu vereinen? Im Laufe des Abends werden sie allerlei Melodien auf Akkordeon, Gitarre, Triangel und Blasinstrumenten zum Besten geben – Ost- bis Südost- und Südeuropa ließe sich die Folkloremischung beschreiben. Musikalisch ist die Truppe auf Trab, nur die Sprache kommt ihnen immer mal wieder abhanden. Irgendwann plappern oder radebrechen die meisten dann doch Deutsch, vor lauter Singsang und ungebremsten Slapstick geht der Text trotzdem gelegentlich verloren.
Das ist nicht unbedingt schlimm, denn Andreas Kriegenburg lässt in seiner Frankfurter Inszenierung von Carlo Goldonis mehr als 250 Jahre altem Stück „Der Diener zweier Herren“ vor allem die Puppen tanzen – und zwar auf den Gräbern der Commedia dell’arte. Dieser spielwütige, improvisierende Theaterstil weilt bekanntlich als Kunstform schon länger nicht mehr unter den Lebenden. Deshalb reanimiert ihn Kriegenburg mit einem ominösen Lachgas, das er nicht nur in große weiße Ballons gefüllt hat, sondern offenbar auch in seine Darsteller, die vor irrem Klamauk fast platzen. Unter intensivem Einsatz von Körper und Singstimme sind sie die Stars der Manege in einem aufgeschnittenen weißen Zirkuszelt, dessen hölzerne Tribünenwände steil in ein kleines Drehbühnenrund abfallen. In dieser Arena wird Goldonis Verwechlsungsgeschichte um einen tolldreisten Diener, der sich am Doppelverdienen versucht, zu einem ein Potpourri aus burlesken Commedia-Versatzstücken, knallchargigen Gags und wackeliger Akrobatik.
Nur ist es von allem etwas zu viel: Jeder Witz wird ins Unerträgliche gedehnt, jede Situation mit einer bunten Melodie unterlegt, jede Figur endlos überzeichnet. Damit ist Kriegenburg wahrscheinlich näher an der Wahrheit als die meisten Theaterhistoriker, aber soviel geballtes Brachialkomödienspiel wirkt nach mehr als zwei Stunden in der Jetztzeit ziemlich erschöpfend. Als am Schluss vor lauter Verwirrung stückfremd eine Figur eine andere ersticht, hat sich auch die Inszenierung zu Tode amüsiert.