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Stücke

«Ein starker, lebendiger Jahrgang»
Christine Dössel in Mülheim; Foto: Barbara Behrendt
Interview mit Christine Dössel, Sprecherin des Auswahlgremiums: warum es genau diese sieben Stücke geworden sind und welche Stücke sonst noch in der engeren Diskussion waren.

Frau Dössel, Sie haben im Auswahlgremium aus 119 Uraufführungen sieben für die Mülheimer Theatertage ausgewählt – war es ein schwieriger Prozess, oder sind Sie sich schnell einig geworden?

Es war nicht leicht, weil es ein sehr starker, lebendiger Jahrgang ist. Wir konnten eine erfreuliche Auswahl treffen, aber wir mussten lange diskutieren: Bis gestern hatten wir noch 23 Stücke auf unserer Liste, auf zehn hätten wir uns gut einigen können – aber dann mussten wir uns von drei weiteren verabschieden.
 
Welche Stücke waren noch in der engen Auswahl?
 
Wir haben lange über Philipp Löhles «supernova (wie gold entsteht)» gesprochen, über Ewald Palmetshofers «tier. man wird doch bitte unterschicht», aber auch über Roland Schimmelpfennig und Ulrike Syha haben wir ausführlich diskutiert.
 
Was ist Ihnen beim Sichten der Stücke aufgefallen? Können Sie «Trends» der neuen deutschen Dramatik benennen?
 
Es ist interessant zu sehen, dass bestimmte Themen von vielen Autoren aufgegriffen werden. Vier der eingeladenen Stücke beschäftigen sich mit der Arbeitswelt und erzählen von ökonomischen An- und Herausforderungen: Oliver Klucks «Warteraum Zukunft», Felicia Zellers «Gespräche mit Astronauten», Lutz Hübners «Die Firma dankt» und auch Fritz Katers Gesellschaftsporträt «we are blood» sind da zu nennen. Die Angst vor Arbeitslosigkeit, vor dem sozialen Abstieg ist ein zentrales Thema. Es geht um die Auswirkungen der Finanz- und der globalen Krise auf das eigene Leben.
Ein zweites Thema, das immer mehr Raum in der zeitgenössischen Dramatik einnimmt, ist das der Migration und Integration. In unserer Auswahl ist es durch Nurkan Erpulats «Verrücktes Blut», den Überraschungsknaller vom Ballhaus Naunynstraße, vertreten.
Aber auch mit dem Verhältnis zwischen Europa und Afrika haben sich viele Autoren auseinander gesetzt. Wir laden dazu Kevin Rittbergers «Kassandra oder Die Welt als Ende der Vorstellung» ein, eine kluge Reflexion zu dem schwierigen Themenkomplex.
Aufgefallen ist uns auch, dass viele Dramatiker wieder in ganz klassischen Konstellationen erzählen: Oft sind es zwei Ehepaare, ein jüngeres und ein älteres, die in Edward-Albee-Manier aufeinander treffen. In unsere Auswahl hat es davon aber keines geschafft – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
 


11.03.2011 Barbara Behrendt

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