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Panorama

Von ungefähr
Foto: A.T. Schaefer
Verdi: Nabucco Stuttgart / Staatsoper

Vier von fünf Regiepositionen bei den Premieren der Stuttgarter Opernsaison sind durch Andrea Moses und das Team Wieler/Morabito besetzt. Jetzt kam bei Giuseppe Verdis «Nabucco» als Joker der 29-jährige Regisseur Rudolf Frey zum Zug. ­Einen Stich hat er nicht gemacht. Vielleicht etwas viel Druck für den Salzburger, unter den Argus­augen der Überflieger Wieler und Morabito? Zu hoch gehängt die selbst gestellte Aufgabe, das Allgemeine im Drama herauszupräparieren, alles Psychotranchieren zu vermeiden? Der Abend leidet neben einer generellen Unterspannung unter der Feingliedrigkeit der szenischen Zeichen. Wie Post-its kleben Requisiten, Gesten, Dekorteile am Inszenierungskonzept, ohne dass eine übergreifende, fesselnde Erzählung zustande kommt. Durch den Transfer ins Heute, an einen ortlosen Ort, umgeht Frey zwar Religionsfolklore, unterläuft aber eine schlagende Figurenzeichnung. Wer sind die Juden? Wer die Babylonier? Das will er nicht wissen und kleidet den Chor in Schlips, Rock und Bluse. Zu dezent sind Rollensignets: Unter Ismaeles Strickjacke hängen die Schaufäden des Gebetstuchs, die Kippa auf seinem schwarzen Haar ist kaum auszumachen.

Die weitgehend kulissenfreie Bühne, ein zweites schwarzes Proszenium, dekorative herabhängende Scheinwerfer behaupten: alles nur Theater. Nach einem grauen Jerusalem-Bild fällt der Schauplatz Babylon mit dem Goldpaillettenvorhang ­geradezu üppig aus. Hier erhebt sich Nabucco selbst zum Gott, wofür Jehova ihn mit einem Blitz bestraft. Trat Sebastian Catana schon anfangs als Tempelschänder mit der Gefährlichkeit eines Kartoffelsacks auf, spielt und singt er jetzt ebenso ungenießbar den Umschlag vom Häretiker zum Neuglaubenden: nämlich gar nicht. Catanas Vokalpalette kennt nur eine Farbe – und die gleicht dem nicht gerade schönen Erdbraun seiner Diktatorenuniform. Kein Beispiel für Verdi-Schöngesang bietet auch Bayreuths künftige Brünnhilde Catherine Foster als Abigaille. Foster hat sich eine Vokalisierungsstrategie zurechtgelegt, die sie durchdringend, aber selten klangschön durch den Abend trägt. Die meisten Töne über der Mittellage werden als ungefährer A-I-Vokal geformt, der die größtmögliche Resonanzverstärkung garantiert. So lässt sich kaum eloquent deklamieren. Bei allen Koloraturen wird gemogelt, und vor allem bei absteigenden Phrasen intoniert Foster unsauber.

Ordentlicheren Gesang bieten die Stuttgarter Ensemblemitglieder in den übrigen Partien, etwa Atalla Ayan als Ismaele mit klangreichem Tenor. Dem exzellenten Chor in Piano und Forte mutet Frey übles Gezappel zu, rituelle Backe-backe-Kuchen-Gesten, den Herren eine affige Straußfederwedel-Choreografie während Abigailles Arie im zweiten Akt. Der Routinier Giuliano Carella hatte zwar die Bühne im Griff, von trocken-federnder Rhythmik, pointierten Spiccati durfte man nur träumen.   

 

Verdi: Nabucco

Premiere am 24. Februar 2013
Musikalische Leitung: Giuliano Carella
Inszenierung: Rudolf Frey
Bühne: Ben Baur
Kostüme: Silke Willrett, Marc Weeger
Choreografie: Beate Vollack
Chor: Johannes Knecht
Solisten: Sebastian Catana (Nabucco), Atalla Ayan (Ismaele), Liang Li (Zaccaria), Catherine Foster (Abigaille), Diana ­Haller (Fenena), Ronan Collett (Oberpriester), Ewandro Cruz-Stenzowski (Abdallo), Maria Koryagova (Anna) u. a.

www.oper-stuttgart.de
 


Götz Thieme / opernwelt / Seite 45 / April 2013

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