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Interview

Klar, direkt, einfach
Mathias Bothor/DG
Das klassische Opern- und Konzertleben braucht mehr Leichtigkeit, findet Magdalena Kozená. Und mehr Humor. So wie damals, im Barock, als nicht für die Ewigkeit, sondern für den Tag geschrieben wurde. Immer schön locker bleiben – diese Kunst findet man eher bei Vivaldi als bei den Romantikern, meint der tschechische Mezzo-Star.

Frau Kozená, darf ich Ihnen ein Kompliment machen?
Magdalena Kozená: (verlegenes Lächeln)


Ihre Stimme scheint mir in den letzten Jahren farbiger geworden, kräftiger, voluminöser. Und vor allem fühlen Sie sich, wenn der Eindruck nicht trügt, in der Höhe wohler. Stimmt das?
(lacht) Ich hoffe, es ist so.


Um es anders zu sagen: Ihre Tessitura hat einen größeren Umfang. Zwar sind Sie nach wie vor ein Mezzo, aber darin wohnt etwas mehr von einem Sopran.
Nun, jeder Mezzo muss das haben. Ansonsten gäbe es Probleme mit vielen Partien, das Repertoire wäre sehr limitiert. Jeder sucht nach dieser stimmlichen Weitung, einfach um mehr singen zu können. Lassen Sie mich also so antworten: Es ist eigentlich immer faszinierend zu spüren, was mit der eigenen Stimme passiert. Denn man kann niemals vorhersagen, in welche Richtung sich die Stimme entwickelt, in fünf, in zehn Jahren. Gerade die physischen Bedingungen ändern sich ja ständig.


Haben Ihre beiden Kinder Ihre Stimme verändert?
Ja, ein bisschen. Wissen Sie, manche Frauen haben nach der Geburt einen erheblichen hormonellen Wechsel zu überstehen, das ist bei mir nicht der Fall. Ich bin definitiv nicht ein anderes «Fach» geworden, wie Sie das in Deutschland nennen. Aber die Stimme ist schwerer, fundierter – was dazu führt, dass Koloraturen nicht mehr so selbstverständlich, nicht mehr ganz so leicht funktionieren wie zuvor. Aber ich denke, das ist wie im Leben: Wenn Sie etwas gewinnen, verlieren Sie anderswo auch immer etwas. Faszinierend daran ist für mich, dass man in verschiedenen Phasen seines Lebens eben auch verschiedene Arten von Partien singen kann, damit verschiedene Stile. Es ist niemals langweilig.


Haben Sie eine Idee, in welche Richtung Ihre Stimme sich bewegen wird?
Ja, habe ich. Und ich denke, meine Stimme ist, was das Repertoire angeht, mit der von Anne Sofie von Otter vergleichbar. Möglicherweise geht es irgendwie in diese Richtung. Mein Traum war natürlich ein anderer. Ich habe gehofft, dass ich nach der Geburt meiner beiden Kinder ein dramatischer Sopran bin, damit ich Jenufa und Katja Kabanova singen kann. (lacht)

 
Ganz im Ernst: Sind das die beiden Traumrollen, die Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nie werden singen können?
Ja. Und das ist, was ich unfair finde. Wenn Sie ein Pianist sind, ein guter Pianist, dann können Sie alles spielen, was Sie wollen und was Sie mögen.



Jürgen Otten / opernwelt / Seite 22 / November 2009

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