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Aktuell

Stagedoor
Foto: Lance Bellers/ Fotolia
25.08.2010: Aktuelles aus der Welt der Oper.

25.08.10

Abschied

Der deutsche Filmemacher, Performer und Regisseur Christoph Schlingensief ist tot. Er erlag am 21. August seiner Krebserkrankung. Bereits Anfang Juli hatte Schlingensief eine Produktion für die diesjährige Ruhrtriennale kurzfristig absagen müssen, weil sich sein Zustand rapide verschlechtert hatte. Nachdem die behandelnden Ärzte neue Metastasen diagnostiziert hatten, sah sich «der Autor und Regisseur nicht in der Lage, im geplanten Zeitrahmen sein Werk zur Aufführung zu bringen», teilten die Veranstalter mit. An der Berliner Staatsoper sollte Schlingensief die Oper «Metanoia» von Jens Joneleit inszenieren, die Anfang Oktober im Schiller Theater, der Ausweichspielstätte des Hauses, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim uraufgeführt werden soll. Wer das Projekt nun szenisch betreuen wird, ist derzeit noch offen. Schlingensief war einer der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Theater-, Film- und Performancekünstler Deutschlands. Seine Arbeiten bezeugten mit den Mitteln dadaistischer Subversion und Provokation und unter Nutzung der Medien stets eine Suche nach Authentizität, Wahrhaftigkeit und spirituellem Sinn in einer zunehmend aus der Balance geratenen Welt. Von den frühesten Filmen bis zu seinen späten Theaterprojekten wie «Mea Culpa» an der Wiener Hofburg oder seinen Operninszenierungen in Bayreuth («Parsifal»), Manaus («Der fliegende Holländer») und an der Deutschen Oper Berlin (Walter Braunfels’ «Jeanne d’Arc») propagierte Schlingensief dabei auch immer jenen offenen, erweiterten Kunstbegriff, den Joseph Beuys einst forderte. Kunst war für den Apothekersohn aus Oberhausen vor allem politischer Kommentar zum Verhältnis von Kunst und Leben. Am 21. Oktober wäre Christoph Schlingensief 50 Jahre alt geworden. Ein ausführlicher Nachruf folgt in unserem Jahrbuch «Oper 2010».

Leonid Brumberg, ein bedeutender Vertreter und Wahrer der Moskauer Klavierschule, ist nach Angaben seiner Familie im Alter von 85 Jahren in Wien verstorben. Brumberg wurde in Rostow am Don geboren und studierte am Moskauer Konservatorium Klavier bei Heinrich Neuhaus, Instrumentation bei Dmitri Schostakowitsch und Komposition bei Nikolaj Mjaskowski. Als Assistent von Neuhaus, dem Pädagogen und Ziehvater von Swjatoslaw Richter und Emil Gilels, unterrichtete Brumberg an der Gnessin-Akademie in Moskau, der er später als ordentlicher Professor angehörte. Im Laufe der Zeit wuchs sein Repertoire auf über 30 Klavierkonzerte und 100 Soloprogramme an, darunter die 32 Klaviersonaten von Beethoven und das Gesamtwerk Chopins. Seit seiner Emigration nach Wien im Jahre 1981 gab Leonid Brumberg Konzerte in ganz Europa sowie im Nahen und Fernen Osten. Seit 1982 war Brumberg, von dem zahlreiche Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen vorliegen, Professor am Konservatorium der Stadt Wien. Er gehörte auch zu den Stammkünstlern des Rheingau Musik Festivals. Hier führte er unter anderem in den Jahren von 1991 bis 1996 das gesamte Klavierwerk Chopins auf.


Jubilare

Daniel Barenboim
feiert sein 60-jähriges Bühnenjubiläum. Gerade sieben Jahre alt war Daniel Barenboim, als er am 19. August 1950 in Buenos Aires sein erstes Konzert als Pianist gab. Grund genug, in seiner Heimatstadt auch das jüngste Jubiläum zu begehen. Noch bis zum 31. August gastiert Barenboim in dem unlängst wiedereröffneten Teatro Colón, wo er insgesamt zehn Konzerte dirigieren wird. Mit dem West-Eastern Divan Orchestra wurden und werden in sieben der zehn Konzerte neben Werken von Pierre Boulez, Arnold Schönberg und Robert Schumann auch alle neun Sinfonien Ludwig van Beethovens aufgeführt. Mit dem Orchester und dem Chor der Mailänder Scala stehen Verdis «Aida» sowie dessen «Messa da Requiem» auf dem Programm.

Der Regisseur und Intendant Hansgünther Heyme feierte am 22. August 2010 seinen 75. Geburtstag. Heyme gilt als einer der profiliertesten Theatermacher der Nachkriegszeit. Zusammen mit Peter Stein begründete er in den sechziger Jahren das moderne Regietheater in Deutschland und war mit seinen Produktionen wiederholt beim Berliner Theatertreffen eingeladen. Nach Stationen in Köln, Stuttgart, Essen und Bremen leitete Heyme von 1990 bis 2003 die Ruhrfestspiele Recklinghausen, seit 2004 ist er Intendant des Theaters im Pfalzbau der Stadt Ludwigshafen am Rhein. In einer Gemeinschaftsproduktion mit der Oper Halle und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der musikalischen Leitung von Karl-Heinz Steffens wird er in Ludwigshafen und Halle von 2010 bis 2013 Richard Wagners «Der Ring des Nibelungen» neu inszenieren.


Wettbewerbe

Der diesjährige Hersfelder Opernpreis geht an Marlene Lichtenberg aus München. Die Mezzosopranistin habe ihrer Rolle der Fenena in der Verdi-Oper «Nabucco» mit ungewöhnlichem Stimmvolumen sowie schlackenloser Intonation und Bühnenpräsenz Gewicht verliehen, lobte Thomas Wurzel von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen bei der Preisverleihung in der Bad Hersfelder Stiftsruine. Den Orpheuspreis für Nachwuchssänger erhielt der Tenor Daniel Wagner, der die Jury musikalisch und darstellerisch in Mozarts «Zauberflöte» als Tamino überzeugte. Der Ensemble-Preis wurde an das Orchester «Virtuosi Brunensis» aus Tschechien verliehen. Träger der Hersfelder Opernfestspiele ist der «Arbeitskreis für Musik», eine Vereinigung von Bürgern aus Bad Hersfeld. Die künstlerische Leitung hat Dirigent Siegfried Heinrich. Für das Jahr 2011 kündigte Klaus Malettke, Professor an der Philipps-Universität Marburg und Sprecher des Kuratoriums «Oper in der Stiftsruine», drei Opern-Produktionen an: Smetanas «Verkaufte Braut», Rossinis «Il barbiere di Siviglia» und Monteverdis «L’incoronazione di Poppea».

Es ist vollbracht, die Gewinner des 3. Concours Ernst Haefliger sind gefunden. Der erste Preis geht an den Südkoreaner Eung Kwang Lee. Die aus Genf stammende 22-jährige Mezzo-Sopranistin Eve-Maud Hubeaux gewann ein Stipendium in Höhe von 8000 Schweizer Franken sowie eine Rolle am Stadttheater Bern. Weitere Informationen gibt es unter  www.concours-haefliger.com

Die Taschenoper Lübeck ist für ihre Verdienste um das aktuelle Musikleben mit dem Rheingau Musikpreis ausgezeichnet worden. Der durch das Festival initiierte und mit 10 000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum 17. Mal vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Bariton Christian Gerhaher, der Komponist, Dirigent und Oboist Heinz Holliger sowie Helmuth Rilling und die Internationale Bach-Akademie Stuttgart.
Vom 14. bis 18. September findet in Stuttgart der Internationale Wettbewerb für Liedkunst statt, einer der ältesten Lied-Wettbewerbe im deutschsprachigen Raum. Unter den knapp 60 angemeldeten Liedduos aus 33 Nationen hat die Jury 28 ausgewählt; diese streiten um einen der vier ausgelobten Preise im Gesamtwert von 40 000 Euro. Den Siegern winken ein Preisgeld von 20 000 Euro sowie Auftrittsmöglichkeiten bei verschiedenen renommierten Veranstaltern, unter anderem an der Staatsoper Stuttgart und bei der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart. Informationen unter www.ihwa.de und www.lied-wettbewerb.de

Wie berichtet, hat der Internationale Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in seiner fünften Auflage wieder einen neuen Bewerberrekord erreicht: Zum Anmeldeschluss im April 2010 hatten sich 576 junge Dirigentinnen und Dirigenten aus 75 Ländern weltweit beworben –  noch einmal fast 40 mehr als 2008, wo mit 540 Bewerbern schon die Rekordzahlen der Vorjahre überschritten worden waren. Nun wurden 21 Teilnehmer bekannt gegeben, die in der Woche vom 6. bis 12. September in Frankfurt am Main um die ersten drei Plätze konkurrieren werden. Die 21 jungen Dirigentinnen und Dirigenten stammen aus 15 Ländern, wobei die USA mit vier Teilnehmern am stärksten vertreten sind. Aber auch aus Aserbaidschan, Singapur, Rumänien, Japan, Usbekistan und Süd-Korea sowie einigen europäischen Ländern werden Kandidaten erwartet. Aus Deutschland kommen zwei Kandidaten: Christoph Altstaedt (30) und Johannes Zurl (30) aus Berlin. Von den 85 Frauen, die sich angemeldet hatten, haben es drei in die Vorrunden geschafft: Mihaela Cesa-Goje (31) aus Rumänien, Yuko Tanaka (31) aus Japan und Elisabeth Fuchs (34) aus Österreich. Die Frauenquote liegt in diesem Jahr damit bei gut 15 Prozent. Der jüngste der 21 Vorrundenkandidaten ist 21 Jahre alt und stammt aus Großbritannien, ältester Teilnehmer ist ein 35-jähriger US-Amerikaner. Im Schnitt sind die Kandidaten 30 Jahre alt. Der gesamte Wettbewerb wird innerhalb einer Woche in Frankfurt ausgetragen, wo den Kandidaten dank einer seit dem dritten Wettbewerb vereinbarten Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk gleich zwei internationale Spitzenorchester zur Verfügung stehen: das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester.  Die öffentliche Endausscheidung mit den drei besten Teilnehmern und dem Opern- und Museumsorchester findet am 12. September nach zwei Orchesterproben und einer Generalprobe in der Alten Oper Frankfurt statt. Dazu müssen sich die Kandidaten auf einen Ausschnitt aus Richard Strauss’«Till Eulenspiegels lustige Streiche» sowie Ouvertüren von Beethoven, Berlioz und Smetana vorbereiten, von denen ihnen jeweils eine per Los zugeteilt wird. Das Finalkonzert schließt nach der Beratung der Jury und der Siegerehrung mit Gioacchino Rossinis Ouvertüre zu «Semiramide», die vom ersten Preisträger dirigiert wird.

Das Bundesjazzorchester, ein Projekt des Deutschen Musikrates, fördert neue innovative Musik, die dem Jazz als kreativer Improvisationsmusik gerecht wird. Dies beweisen nicht nur die BuJazzO-Programme der vergangenen Jahre, sondern auch der in diesem Jahr erstmals ausgelobte «BuJazzO-Kompositionspreis». Aktuelle und ehemalige Mitglieder des Bundesjazzorchesters bis zu einem Alter von 30 Jahren waren aufgefordert, ihre Kompositionen einzureichen. Die besten drei Kompositionen werden am 11. September in der Musikakademie Rheinsberg prämiert. Hierzu stellt die «Pro Musica Viva – Maria Strecker-Daelen Stiftung» Preisgelder in Höhe von insgesamt 4000 Euro zur Verfügung. Eine Auswahl der Kompositionen wird auf einer CD dokumentiert und in dieser Saison als Konzertprogramm präsentiert.

Meldungen

Die Sanierung der Berliner Lindenoper nimmt Gestalt an. Nach dem Entwurf des Architekten HG Merz soll die Saaldecke um vier Meter angehoben werden, wodurch sich das Raumvolumen um 30 Prozent vergrößert. Durch die Änderungen sollen Klangverhältnisse wie in der Wiener Staatsoper und sogar wie im Bayreuther Festspielhaus herrschen. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 239 Millionen Euro – nach gegenwärtigem Stand. Am 3. Oktober 2013 soll die Lindenoper wieder eröffnet werden. 

Insgesamt 15 Produktionen will Opera Australia in der Spielzeit 2011 stemmen, darunter die australische Erstaufführung von Carlisle Floyd’s Opus «Of Mice and Men». Dies gaben Adrian Collette und Lyndon Terracini, die beiden Chefs der Company in Sydney bekannt. Weiterhin stehen Richard Mills’ «The Love of the Nightingale» und die Opern  «Macbeth», «Partenope», «The Merry Widow» sowie «La Bohème» auf dem Programm. Auch in die nähere Zukunft blickt man bereits: Für 2013 hat Opera Australia erstmals einen kompletten «Ring» angekündigt. Schauplatz der zyklischen Aufführungen wird das State Theatre in Melbourne sein. Kooperationspartner ist die Houston Grand Opera, unterstützt wird das Vorhaben von der Regierung des Bundesstaates Victoria und von privaten Sponsoren. Neil Armfield führt Regie, Richard Mills dirigiert.

«Aida» ist mit insgesamt 348 212 Besuchern innnerhalb von zwei Jahren die mit Abstand bestbesuchte Oper auf der Seebühne in der Geschichte der Bregenzer Festspiele. Auf die aktuelle Saison entfallen dabei knapp 147 000 Besucher, dies entspricht einer Auslastung von 86 Prozent. Mit insgesamt 197 000 Menschen ist das auch die höchste Gesamtbesucherzahl in einem zweiten Opernjahr bei einer Gesamtauslastung von 87 Prozent. In einem von sehr kühlem und nassem Wetter geprägten Sommer hatte Verdis Werk dennoch Wetterglück: Nur zwei von 26 Vorstellungen mussten im trockenen Festspielhaus stattfinden.

Der österreichische Schauspieler Otto Schenk, der als Regisseur auch die aktuelle «Don Pasquale»-Inszenierung der New Yorker Met mit Anna Netrebko verantwortet, hat sich bei einem Unfall ernsthaft verletzt. Laut österreichischen Presseberichten stürzte Schenk während einer Probefahrt mit einem Elektrofahrrad vor seiner Villa am Irrsee; dabei erlitt der 80-Jährige einen Oberschenkelhalsbruch. Der Schauspieler wurde in einem Salzburger Spital operiert. Sein «Don Pasquale» wird am 6. Okober in New York wieder aufgenommen. Schenk hofft, bis dann wieder genesen zu sein.

Auf dem Bayreuther Grünen Hügel geht man neue mediale Wege: Die sogenannte Siemens Festspielnacht im August war, wie die Veranstalter mitteilen, ein voller Erfolg. Zehntausende Besucher strömten über den Tag hinweg auf den Volksfestplatz in Bayreuth, um bei bestem Wetter die Kinderoper «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg» und die Echtzeit-Übertragung der «Walküre» aus dem Festspielhaus zu sehen. Zugleich war diese Produktion im Internet zu verfolgen. Zahlreiche Nutzer aus u. a. den USA, Kanada, Japan, Australien, Mexiko, Brasilien oder Israel waren live dabei. Wer die Übertragung verpasst hat, kann unter www.siemens.com/festspielnacht bis zum 5. September 2010 die Inszenierung von Tankred Dorst als Webstream-on-demand ansehen. Das kostet 14,90 Euro.

Die klassische Musik in der Krise? Weit gefehlt. Anders ist der Besucherrekord bei Young Euro Classic wohl kaum zu erklären: Im elften Jahr strömten an 17 Festivaltagen gut 26 000 Besucher ins Konzerthaus Berlin. Allein das eintägige Klavier-Festival mit fünf jungen Pianisten hatte mehr als 3400 Besucher. Zu den musikalischen Höhepunkten des Jugendorchesterfestivals zählten Auftritte des Schleswig-Holstein Festivalorchesters, das Iván Fischer zusammen mit vier jungen Dirigenten leitete, sowie das Gastspiel des European Union Youth Orchestras und der Baltic Youth Philharmonic unter Kristjan Järvi. Das Eröffnungskonzert mit dem neu gegründeten Young Euro Classic Festivalorchester Südosteuropa war so gefragt, dass die Generalprobe für das Publikum geöffnet wurde. Das Orchester absolvierte anschließend die Tournee «Spiegelklänge 2010» in die Länder Ex-Jugoslawiens. Der mit 5000 Euro dotierte Europäische Komponistenpreis ging an den 27-jährigen georgischen Komponisten Archil Giorgobiani für seine neue Komposition «Azari». Die Publikumsjury unter Leitung des Dirigenten Lam Tran Dinh wählte das in Berlin erstmals gespielte Werk aus insgesamt 17 Uraufführungen und deutschen Erstaufführungen aus, die während des Festivals von den Jugendorchestern vorgestellt wurden.Young Euro Classic wird seit seinem Start im Jahr 2000 zum größten Teil von Unternehmen, Stiftungen und privaten Spendern finanziert. Der Hauptstadtkulturfonds unterstützte das Festival in diesem Jahr mit 100 000 Euro.

Der belgische Pianist, Dirigent und Musikforscher Jos van Immerseel erhält den Musikfest Preis Bremen 2010. Mit dem Preis zeichnet das Festival seit 1998 jährlich bedeutende Solisten, Ensembles, Orchester und Dirigenten aus, die durch ihr herausragendes künstlerisches Wirken in der internationalen Musikwelt eigenständige Akzente gesetzt und die programmatische Ausrichtung des Festivals maßgeblich bereichert haben. Die Auszeichnung ist mit 25 000 Euro dotiert und wird von der Commerzbank-Stiftung ausgestattet. Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderem Sir John Eliot Gardiner, Jessye Norman, Nikolaus Harnoncourt, Marc Minkowski, Anne Sofie von Otter und  Fazil Say.

Wie die britische Zeitung «The Herald» schreibt, plant die Scottish Opera, ihr Orchester aus finanziellen Gründen auf ein Teilzeit-Ensemble zusammenzustreichen und die Lohnsumme damit praktisch zu halbieren. Das 54-köpfige Orchester der schottischen Oper soll bloß noch 26 Wochen im Jahr aufgeboten werden. Höchst besorgt darüber ist unter anderem Francesco Corti, der künstlerische Leiter des Ensembles. Operndirektor Alex Reedijk ist allerdings überzeugt, dass ein Vollzeitorchester für die Institution finanziell nicht mehr tragbar ist. Die Opernleitung geht davon aus, dass dank des Abbaus mehr Produktionen pro Saison realisiert werden können. Reedijk begründet den Schnitt unter anderem damit, dass das Orchester unterbeschäftigt sei. Proben und Aufführungen belegten lediglich 40 Prozent der Arbeitszeit der Musiker. Die Musiker selbst bestreiten dies. Sie gehen davon aus, dass sie mit allen Nebenverpflichtungen wie Volks- und Kinderkonzerten und Musikvermittlungs-Projekten etwas gleich ausgelastet sind wie andere britische Orchester.

Die Umsätze mit Musikdownloads sind in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um bislang 40 Prozent auf nun knapp 41,6 Millionen Euro gestiegen. Der Bundesverband der deutschen Musikindustrie (BVMI) meldete zudem, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt rund 4,7 Millionen Alben und 29,7 Millionen einzelne Songs verkauft wurden. Der Download-Verkauf von Alben hat sich damit innerhalb von fünf Jahren verachtfacht, der Absatz einzelner Songs nahezu vervierfacht.

Eine Studie des Beratungsunternehmen A.T. Kearney zur Finanzierung von österreichischen Kulturinstitutionen legt den Schluss nahe, dass sich die europäischen Musentempel zunehmend amerikanisieren dürften. Die Studie geht davon aus, dass bis 2020 jede zehnte Kultureinrichtung in Österreich von der Schließung bedroht ist. Der Grund: Die Kosten würden in zehn Jahren um ein Viertel steigen, die öffentlichen Zuschüsse hingegen um acht bis zehn Prozent zurückgehen, gefährdet seien vor allem kleinere Organisationen. Diese Entwicklung werde sich auch in andern zentraleuropäischen Ländern abzeichnen. Damit steige der Druck, verstärkt angelsächsische Modelle des Kulturmarketings zu übernehmen. Das Royal Opera House London etwa habe einen Eigenwirtschaftlichkeitsanteil von 72 Prozent, bei der New Yorker Met erreiche dieser 99 Prozent. Die Wiener Staatsoper finanziere sich demgegenüber zu 47 Prozent selbst (das Zürcher Opernhaus bewege sich in ähnlichen Regionen). Deutlich tiefer seien die finanziellen Eigenleistungen von städtischen Orchestern anzusetzen. Die Salzburger Festspiele seien zu 77 Prozent aus eigener Kraft finanziert, die Bregenzer Festspiele zu 72 Prozent, Bayreuth bringe es auf 68 Prozent, Avignon auf 40 Prozent. Laut A.T. Kearney werde in Österreich das Potenzial an selbst erwirtschaftetem Umsatz noch nicht ausgeschöpft.

Die Live-Übertragung der Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle am 27. August wurde zusätzlich zu den 33 Kinos und den drei Public Viewings (in Zusammenarbeit mit der Hauptstadtkampagne «be Berlin») in Deutschland nun auch von 31 Kinos in elf europäischen Ländern übernommen. Über Satellit empfingen die Kinos das Bild-Ton-Signal der Digital Concert Hall in HD Qualität und Surround Sound, so dass eine optimale Wiedergabe garantiert ist.

Eine Art Nationalmannschaft australischer Orchestermusiker soll das Musikleben auf dem fünften Kontinent beleben. Das Projekt von Alexander Briger, eines Neffen des Dirigenten Charles Mackerras, sieht einen 90-köpfigen Klangkörper vor, der den Namen «Australian World Orchestra» tragen soll. Unter den Mitwirkenden sollen sich laut einem Bericht der Zeitung «The Australian» die Streicher Ben und Tobias Lea von den Wiener Philharmonikern, der Bassist Matthew McDonald (Berliner Philharmoniker), die Geigerin Anne Harvey-Nagl von der Wiener Volksoper sowie der Posaunist Michael Mulcahy (Chicago Symphony Orchestra) befinden. Erste Konzerte soll es im August kommenden Jahres geben –  im Opernhaus und der Stadthalle von Sydney. Als Dirigentin waltet mit Simone Young eine renommierte Australierin ihres Amtes.

Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar will nach dem Umzug der Frankfurter Hochschule für Musik und Gestaltende Kunst auf dem frei werdenden Uni-Gelände einen Kultur-Campus realisieren. Auf dem Gelände sollen zahlreiche wichtige kulturelle Einrichtungen angesiedelt werden, unter anderem die Deutsche Ensemble Akademie (Ensemble Modern und Junge Deutsche Philharmonie), die Dokumentationseinrichtung «Motion Bank», eine Probebühne, das Musik-, Theater- und Tanzlabor «Frankfurt LAB» sowie ein mit modernster Technik ausgerüsteter Kammermusiksaal. Laut Petra Roth, der Oberbürgermeisterin der Stadt, soll die starke Konzentration von Kultureinrichtungen sowohl dem Image der Stadt als auch einer Intensivierung des internationalen Austauschs bei Kunstprojekten dienen. Aber auch städtebaulich seien die Vorstellungen des Finanzministers ein großer Wurf, zumal auf dem Areal auch urbaner Wohnungsbau vorgesehen sei. Konkrete Pläne zur Umsetzung des Projekts sollen bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorliegen.

Für ein Projekt der Chorforschung erhält die Universität Würzburg eine wertvolle Sammlung als Leihgabe. Originale Schriftstücke bedeutender Komponisten sind ebenso darunter wie Materialien zur Geschichte des Chorwesens in Deutschland. Die Sammlung, die der Universität Würzburg bis Ende 2012 überlassen wird, zählt rund 3000 handschriftliche und gedruckte Quellen. Darunter befinden sich Notenmanuskripte und Briefe von Robert Schumann, Franz Liszt und Johannes Brahms, aber auch eine von Franz Schubert selbst aufgeschriebene und signierte Liedkomposition.  Die Dokumente stammen unter anderem aus der Feuchtwangener Stiftung «Dokumentations- und Forschungszentrum des Deutschen Chorwesens»; ein Teil der Sammlung kommt vom Deutschen Sängermuseum, das von 1925 bis 1945 im Nürnberger Katharinenbau zu Hause war. Von den damals vorhandenen rund 30 000 Quellen sind heute nur noch zehn Prozent erhalten. Der Musikpädagogik-Professor Friedhelm Brusniak wird auf dieser Basis die Geschichte des vereinsmäßig organisierten deutschsprachigen Laienchorwesens aufarbeiten, und zwar von dessen Anfängen um 1800 bis in die Gegenwart. Für das erste Teilprojekt stellt ihm der Deutsche Chorverband Fördermittel von 20 000 Euro zur Verfügung.

Der Tenor Andrea Bocelli wird im Februar 2011 mit einem Solo-Recital sein Debüt an der Met geben. Bocelli singt Arien von Händel sowie Lieder von Beethoven, Wagner, Liszt, Strauss, Fauré und Tosti. Begleitet wird er dabei von dem Pianisten Vincenzo Scalera.

Drei Jahrzehnte ist es her, dass ein Konzert der BBC Proms in London wegen Arbeitskonflikten abgesagt werden musste. Nun könnte es wieder einmal soweit sein, nachdem Pläne der BBC, die Rentenpolitik zu ändern, auf Widerstand stoßen. Die Mitarbeiter von BBC protestieren zur Zeit gegen mögliche Kürzungen ihrer Altersbezüge und erwägen, ab dem 9. September Streiks zu organisieren. Davon wären laut «Guardian» die letzten Konzerte der BBC Proms betroffen. Letztmals ist ein BBC-Proms-Konzert 1980 ausgefallen. Damals gab es Proteste gegen die Auflösung von fünf Orchestern und den damit verbundenen Abbau von 172 Arbeitsplätzen.

Das Stadtgeschichtliche Museum und die Musik-Hochschule Leipzig haben bei Sotheby’s je ein Konvolut bislang unveröffentlichter Mendelssohn-Dokumente ersteigert. Sie werfen ein spezielles Licht auf das soziale Wirken des Komponisten.  Das Stadtgeschichtliche Museum erwarb insgesamt 17 Seiten autographe Aufzeichnungen des Komponisten von 1838/39, die sich auf seinen zentralen Leipziger Wirkungsbereich als Kapellmeister des Gewandhausorchesters beziehen. Es handelt sich dabei um drei Entwürfe von Schreiben an die damaligen Stadtoberen, in denen er auf die Umstände der Leipziger Orchestermusiker eingeht und deren finanzielle Situation schildert. Die Entwürfe sind insofern von hoher Bedeutung, als die Endfassung des Schreibens zwar den Rat der Stadt erreichte, aber mittlerweile als verschollen gilt. Die Dokumente untermauern und bekräftigen den Ruf Mendelssohns als Orchesterleiter, der sich sozial engagierte und der finanziellen Nöte und Belange seiner Orchestermusiker annahm.

Das Lob kam aus berufenem Munde. Für ihn, so Beethoven, sei Luigi Cherubini einer der bedeutendsten dramatischen Komponisten seiner Zeit. Die Musikgeschichte brauchte einige Zeit, bis sie sich, nach Jahren der Geringschätzung, dieser Sentenz wieder besann. Und vor allem einem Werk verdankt sich die Rehabilitierung des vor 250 Jahren geborenen italienischen Komponisten: der Oper «Medée» aus dem Jahr 1797. Heute findet man das Stück wieder auf den Spielplänen, während Opern wie «Lodoïska» (1791), «Les deux Journées ou Le Porteur d’eau» (1800) oder auch «Faniska» (1806) nach wie vor kaum zu finden sind. Cherubini – das ist für viele Musikfreunde der Komponist des «Requiems» in c-moll sowie zahlreicher Kammermusikwerke. Anlässlich seines 250. Geburtstages am 14. September gibt es indes einen Lichtblick in Sachen Musiktheater. Das Stadttheater Klagenfurt, das zufällig ebenfalls ein Jubiläum feiert (das 100-jährige Bestehen) präsentiert die (recht späte) Uraufführung seiner Komischen Oper in drei Akten «Kokourgi»: in französischer Originalsprache und mit deutschen Übertiteln.

Arthur Fagen wird ab September Musikdirektor der Atlanta Opera. Er wird ab der Spielzeit 2011/12 zwei Premieren pro Saison dirigieren. Fagen ist dem Haus schon länger eng verbunden. Er hat in Atlanta unter anderem bereits die Produktionen von «La traviata», «Turandot», «Der fliegende Holländer» und der «Zauberflöte» dirigiert. Von 2002 bis 2007 war Fagen Generalsmusikdirektor der Oper in Dortmund.
 

18.08.

ABSCHIED

Alexander Medwedew, Librettist der Opern «Die Passagierin» und «Das Porträt», die in diesem Sommer bei den Bregenzer Festspielen mit großem Erfolg aufgeführt wurden, ist am 26. Juli im Alter von 83 Jahren in Moskau gestorben. Ursprünglich hatte Medwedew zur Premiere der «Passagierin» nach Bregenz reisen wollen.

Der österreichische Regisseur und Journalist Paul Flieder ist im Alter von 53 Jahren beim Schwimmen im Strandbad Bregenz Opfer eines Herzstillstands geworden. Laut österreichischen Presseberichten klagte Flieder beim Baden über Übelkeit und verstarb, ohne dass herbeigerufene Helfer ihn retten konnten. Der 1953 in Wien geborene Flieder arbeitete zunächst als Dramaturg und Regieassistent am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, an der Deutschen Oper Berlin und an der Komischen Oper Berlin. Später wirkte er als freischaffender Opernregisseur. 1997 inszenierte er in Tirana eine Mozart-Oper. Später machte sich Flieder auch als Dokumentarfilmer und Buchautor einen Namen.

Im Alter von 82 Jahren ist die Wiener Opernsängerin Hanny Steffek verstorben. Sie debütierte 1950 unter Wilhelm Furtwängler bei den Salzburger Festspielen, trat unter anderem mit Karl Böhm, Christoph von Dohnányi, George Solti und Joseph Keilberth auf und war an den Opernhäusern von Graz, Wiesbaden und Frankfurt engagiert. Von 1964 bis 1973 war die Sopranistin Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Danach war Hanny Steffek bis zur ihrer Pensionierung im Ensemble der Wiener Volksoper. Bekannt wurde sie vor allem für ihre Rollen in Opern von Mozart und Strauss. Eine ihrer Paradepartien war die Pamina, eine weitere die Sophie im «Rosenkavalier»; in dieser Rolle stand sie rund 300-mal auf der Bühne.

Der in Düsseldorf geborene und von den Nazis aus Deutschland vertriebene Bratschist und Komponist Otto Joachim ist in seiner Wahlheimat Kanada im Alter von 99 Jahren verstorben. Er erlag einem Herzversagen. Joachim, der die kanadische Musikszene namhaft beeinflusst hat, war unter anderem ein Pionier der elektronischen Musik, Instrumentenbauer und Maler. Unter der Leitung von Zubin Mehta wirkte er im Montreal Symphony Orchestra; sein Bruder Walter Joachim war dort Cellist. Mit ihm und Hyman Bress und Mildred Goodman an den Violinen bildete er überdies das auf zeitgenössische Musik spezialisierte Montreal String Quartet. In den 1950er Jahren gründete Joachim noch vor Aufkommen des historisch informierten Musizierens zudem den Montreal Consort of Ancient Instruments. Eines seiner bekanntesten Werke ist «Katimavik» für Vierspur-Tonband, das für den kanadischen Pavillon der Weltausstellung von 1967 entstand.

Georges Bucher, der Präsident der später in «Lucerne Festival» umgetauften Internationalen Musikfestwochen Luzern und Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland, ist im Alter von 86 Jahren verstorben.  Bucher, der nach dem Zweiten Weltkrieg eine Firma für Büroeinrichtungen gründete, war unter anderem auch Präsident des Verkehrsvereins Luzern. Das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhielt er 1999 für seine Förderung deutscher Musik. 1984 ehrte ihn die Stadt Luzern mit einer Ehrennadel.

JUBILARE


Seine Ehefrau kennt jeder Opernliebhaber. Dame Joan Sutherland war schon eine Berühmtheit in der internationalen Szene, als der damalige Klavierrepetitor des Sydney Conservatorium of Music, Richard Bonynge, die ersten Schritte machte: in der Rolle des Dirigenten und an ihrer Seite. Erste große Erfolge erzielte Bonynge im Rahmen einer Australien-Tournee mit seiner Frau Mitte der sechziger Jahre, an der auch ein gewisser Luciano Pavarotti teilnahm, den der junge Dirigent empfohlen hatte. Danach ging es aufwärts mit der Karriere des gelernten Pianisten. Von 1974 bis 1978 war Bonynge Künstlerischer Leiter der Oper von Vancouver, seit 1976 übte er das Amt des Musikdirektors an der Opera Australia in Sydney aus. Seine Vorliebe galt (und gilt) der Belcanto-Oper und dem französischen Repertoire; auf beiden Gebieten wirkte Bonynge auch als Entdecker bislang unbekannter Bühnenwerke. All dies ist diskografisch erfasst. Über 50 Aufnahmen produzierte der australische Dirigent, der am 29. September seinen 80. Geburtstag feiert.

José van Dam
sang im Verlauf seiner langen (und immer noch andauernden) Karriere – um nur einige wenige Partien zu nennen – sowohl den Don Giovanni als auch den Wozzeck, er war Falstaff und Boris Godunow, Mephisto in Gounods «Faust» und Gianni Schicchi. Und er verkörperte die Titelrolle bei der Uraufführung von Olivier Messiaens Bühnenwerk «Saint Françoise d’Assise». Kurzum: ein wandelbarer Sängerdarsteller mit weit ausgespannter Tessitura und stets großer Bühnenpräsenz. Dementsprechend trat er an allen wichtigen Opernhäusern weltweit auf, wirkte überdies als Konzert-, Oratorien- und Liedsänger. Für seine künstlerischen Leistungen erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Die Stadt Berlin etwa verlieh ihm den Titel eines «Kammersängers», die Universität von Montréal ernannte ihn zum Doktor h. c. 1999 wurde der Bassbariton, dessen Diskografie so breit gefächert ist wie sein Repertoire, vom belgischen König Albert II. in den Adelsstand erhoben. Am 27. August feiert José van Dam seinen 70. Geburstag. Herzlichen Glückwunsch!

Seine Lehrerin war auch die Lehrerin von Alfredo Kraus. Um bei Mercedes Llopart Unterricht nehmen zu können, kam der venezolanische Tenor Rubén Dominguez, der sich schnell im lyrischen Spinto-Fach etablierte, nach Mailand. Sein Debüt gab er 1967 am Teatro de Bellas Artes in Mexiko City. Weitere Engagements führten ihn zum Puccini Festival nach Torre del Lago, nach San Francisco, Cagliari, Rio de Janeiro, an die Met und mehrere andere Opernhäuser in der ganzen Welt. Sein Repertoire umfasst vor allem Belcanto-, Verdi- und Puccini-Partien. Am 4. September feiert Rubén Dominguez seinen 70. Geburtstag.

Seine erste Liebe galt der Architektur. Doch schon bald konnte Pier Luigi Pizzi keinen Hehl mehr aus seiner Schwäche für das Theater machen. Nachdem er Giorgio Strehler begegnet war und am Teatro Tommaseo in Genua erste Eindrücke gewonnen hatte, blieb er der Bühne treu – und wurde, bevorzugt als Partner von Luca Ronconi, zunächst einer der stilprägenden italienischen Bühnen- und Kostümbildner sowohl im Bereich der Oper wie im Schauspiel, bevor er nach 1977 auch als Regisseur in Erscheinung trat. Pizzi arbeitete an allen großen (Musik-)Theatern der Welt: in Wien sowohl am Burgtheater als auch an der Staatsoper, an der Mailänder Scala, an Covent Garden, an der Bayerischen Staatsoper und an vielen Häusern seines Heimatlandes. 1990 begann der reguläre Opernbetrieb an der neue Bastille-Oper in Paris mit seiner Inszenierung von «Les Troyens». Auch zur Wiedereröffnung der Scala im Jahre 2004 wurde Pizzi gebeten, Bühne und Kostüme für Antonio Salieris «L'Europa ricono-sciuta» zu gestalten, wobei er erneut mit Luca Ronconi zusammenarbeitete. Am 15. Juni feierte Pizzi seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Der Komponist Arvo Pärt feiert am 11. September seinen 75. Geburtstag, zu dem wir an dieser Stelle schon einmal herzlich gratulieren. Zwei Tage vor dem festlichen Tag wird sein Stück «In spe» für Bläserquintett und Streichorchester beim Vale of Glamorgan Festival in Wales aus der Taufe gehoben. Pärt hat es aus seinem Vokalwerk «An den Wassern zu Babel sangen wir und weinten» entwickelt.

MELDUNGEN

Paavo Järvi, Chefdirigent des Cincinnati Symphony Orchestra, des Rundfunksymphonieorchesters des Hessischen Rundfunks und Künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie, ist beim Echo Klassik Preis 2010 als Dirigent des Jahres ausgezeichnet worden.

Vom 7. bis 11. Mai findet in Boston im Bundesstaat Massachusetts die amerikanische Opera Conference 2011 statt. Ausrichter sind die Boston Lyric Opera und die Opera Boston. Im Rahmen der Konferenz wird nicht nur über die Lage der internationalen Opernhäuser debattiert, es werden auch Aufführungen zu sehen sein. Unter anderem zeigt die Boston Lyric Opera ihre Produktion von Brittens Oper «A Midsummer Night’s Dream», die Opera Boston ihre Version von Donizettis «Maria Padilla». Weitere Informationen gibt es im Netz unter der Adresse www.operaamerica.org/content/conference

Das Teatro Carlo Felice in Genua muss aller Wahrscheinlichkeit nach bis Dezember seine Pforten schließen. Grund sind jahrzehntelang aufgehäufte Schulden. Allein die Zinslast ist in dieser Zeit auf 14,7 Millionen Euro gestiegen. In jüngster Zeit sind zwölf Millionen Euro Schulden hinzugekommen. Die rund 300 Angestellten, die nicht mehr bezahlt werden können, sollen für die mehrmonatige Schließungszeit in die staatliche Lohnausgleichskasse überstellt werden. 

«Free Will» lautet das Thema des Opernprojekts «Opera By You» beim Internationalen Festival im finnischen Savonlinna. Ersonnen wurde das Stück von dem Italiener Graziano Gallo, dessen Idee unter mehr als 100 Entwürfen ausgewählt wurde. Die Premiere des auf Gallos Einsendung basierenden Werks ist für Sommer 2012 vorgesehen.

Seit dem 1. August übt Matthew Shilvock das Amt eines Associate General Director der San Francisco Opera aus. Shilvock arbeitet bereits seit 2005 am Haus und hat seit 2008 die Funktion eines Stellvertretenden Generaldirektors inne. Künftig soll er sich verstärkt um das Management und die Erziehungsarbeit kümmern und dabei eng mit dem Generaldirektor der Oper, David Gockley, zusammenarbeiten.

Unternehmen sehen sich nicht als Sponsoren, sondern als Förderer und Ermöglicher von Kultur. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Festival «Heidelberger Frühling» in Auftrag gegeben hatte. Untersucht wurden dabei das Selbstverständnis und die Motivation von unternehmerischem Engagements im Kultursektor. Die Ergebnisse der Studie basieren auf einer qualitativen Befragung von Wirtschaftsunternehmen vom Ende 2009.

18 000 Gäste haben die diesjährigen Tiroler Festspiele Erl besucht. Der Saal des Erler Passionsspielhauses, der 1500 Personen fasst, war bei den Vorstellungen der «Zauberflöte» und des «Fliegenden Holländer» zu gut 95 Prozent ausgelastet. Zu einem weiteren Höhepunkt geriet in Erl die Aufführung einer zeitgenössischen Tiroler Oper. Der Einakter «Die Hochzeit» des Komponisten Ernst Ludwig Leitner und Librettisten Alois Schöpf kombiniert moderne Musik mit der alten Sage des Bräutigams, der von der Hochzeit weg seinen Freund ins Jenseits begleitet.

Der Deutsche Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele hat dem Festival 80 000 Euro gespendet. Die Summe kommt dem Programmschwerpunkt rund um den vergessenen jüdisch-polnisch-russischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg zugute, dessen Werk im Rahmen der diesjährigen Bregenzer Festspiele vorgestellt wurde.

Die Stiftung Händel-Haus in Halle hat ihr Archiv um weitere Händel-Ausgaben erweitert. Erworben wurde ein Konvolut mit Händel-Ausgaben aus New York und aus britischen Antiquariaten. Darunter befinden sich unter anderem Erstausgaben der Opern «Ezio» und «Rodelinda», des Oratoriums «Saul» sowie eine Korrespondenz des englischen Händel-Forschers Jacob Maurice Coopersmith aus den Jahren 1931 bis 1937.

Die Stadt Hamburg plant den Verkauf des an der Reeperbahn gelegenen «Operettenhauses». Das Haus hat Geschichte: In den 1980er-Jahren brachte es mit einer Produktion von «Cats» in Deutschland die Musical-Welle ins Rollen. Käufer soll laut lokalen Presseberichten der Musical-Veranstalter Stage Entertainment Germany sein. Er soll dafür 7,1 Millionen Euro aufwenden. Der Preis wurde von Verantwortlichen der Stadt zwar nicht bestätigt, wohl aber die Verkaufspläne. Das «Operettenhaus» fasst 1400 Zuschauer. Es wurde seit 2002 von Stage Entertainment mit den Musicals «Mamma Mia» und «Ich war noch niemals in New York» bespielt. Als nächste Premiere steht «Sister Act» auf dem Spielplan.

Der 1926 in Wien geborene Komponist Friedrich Cerha erhält den mit 60 000 Euro dotierten Musikpreis Salzburg, der 2011 zum dritten Mal vergeben wird. Mit der Auszeichnung, deren voller Name «Musikpreis Salzburg – Internationaler Kompositionspreis des Landes Salzburg» lautet, wird laut Jury «der Doyen der Neuen Musik in Österreich» gewürdigt. Cerha ist auch bekannt für seine Rekonstruktion des Schlussaktes der Berg-Oper «Lulu». Cerha erinnerte in einem Pressegespräch daran, dass er als «junger Mensch» mit seinen Arbeiten «auf Unverständnis, ... eisige Ablehnung, Feindschaft» gestoßen sei. «Man hat mir unterstellt, ich wollte die geheiligten Traditionen zerstören», zitieren die Salzburger Nachrichten den 84-jährigen Komponisten. «Heute, 55 Jahre später, bin ich anerkannt, bekomme Aufträge, Ehrungen, Preise, Auszeichnungen, aber eigentlich kommt das alles zu spät, zu einem Zeitpunkt, wo man das nicht mehr braucht.» Ein mit 20 000 Euro dotierter Förderpreis geht an die 1973 in Sevilla geborene Komponistin Elena Mendoza. Die bisherigen Preisträger des Musikpreises Salzburg waren Salvatore Sciarrino aus Italien (2006) und der Schweizer Klaus Huber (2009).

Keith Lockhart, der 15 Jahre als Leiter der populären US-Konzertreihe Boston Pops amtierte, wird Principal Conductor des BBC Concert Orchestra. Johannes Wildner, der frühere Chef der Prager Staatsoper, wird Principal Guest Conductor. Das BBC Concert Orchestra dient als musikalisch überaus flexibler Klangkörper, der sich auf Klassik genauso versteht wie auf Jazz und Crossover. Lockhart trat erstmals bei den diesjährigen BBC Proms im August in Erscheinung.

Der Intendant des Theaters Trier, Gerhard Weber, hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Weber, der ein Faible für das zeitgenössische Musiktheater hat, leitet das Theater Trier seit der Spielzeit 2003/04. In der kommenden Saison wird es in Trier unter anderem eine Inszenierung der Oper «The Voyage» von Philip Glass geben.

Lasst Zahlen sprechen: In der Saison 2010/11 erarbeiten die 80 staatlich geförderten Theater und Musikhäuser mit eigenem Ensemble sowie weitere 20 freie Opernkompagnien mindestens 583 Premieren oder Neuproduktionen. Zu den Neuproduktionen gehören so unterschiedliche Projekte wie Ligetis «Nouvelles Aventures» an der Zeitgenössischen Oper Berlin, Ullmanns «Der Kaiser von Atlantis» am Oldenburgischen Staatstheater oder Franz Wittenbrinks «Sekretärinnen» in Dortmund. Die Staatsoper Hamburg bringt die im März 2010 am Sydney Opera House uraufgeführte Oper «Bliss» von Brett Dean nach Peter Careys Kultroman aus den achtziger Jahren nach Deutschland. Das Mittelsächsische Theater Chemnitz erweckt überdies «Das Feuerwerk», die deutsche Version des «Schwarzen Hechts» des Zürcher Komponisten Paul Burkhard, zu neuem Leben.

Der Musikdirektor des Landestheaters Salzburg, Leo Hussain, hat seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2011/12 verlängert. Hussain, der diese Funktion seit 2009 innehat, wird pro Spielzeit drei Opernproduktion betreuen, teilte das Landestheater mit.

Der russische Dirigent Vassily Sinaisky ist zum Künstlerischen Leiter des Moskauer Bolschoi Theaters ernannt worden. Er ersetzt den Komponisten Leonid Dessiatnikov. Laut einem Bericht der «Voice of Russia» läuft Dessiatnikovs Vertrag allerdings erst im September 2011 aus. Sinaisky wird die Aufgaben dennoch bereits ab der kommenden Saison übernehmen. Er wird auch Chefdirigent des Hauses. Sinaisky ist Absolvent des St. Petersburger Konservatoriums und amtierte schon als Musikalischer Leiter und Chefdirigent der Moskauer Philharmoniker und des Russischen Sinfonieorchesters. Im Westen machte er sich unter anderem mit Arbeiten in San Francisco, an den Berliner Opernhäusern und mit dem BBC Philharmonic Orchestra einen Namen. Dessiatnikov wird für das Bolschoi Theater wie geplant die Musik zu einem Ballett nach Balzacs Roman «Les Illusions perdues» schreiben.

Ein Symposium zu «Utopie und Freiheit in der Musik» beim Beethovenfest Bonn 2010 beschäftigt sich am 17. September mit der «Positionierung zeitgenössischer Musik und weltweit verwirklichten Visionen». Im Rahmen des Symposiums stellen der Dirigent Edilson Venturelli und Gero Schließ, Initiator des Orchestercampus bei der Deutschen Welle, das brasilianische Instituto Baccarelli und die Sinfônica Heliópolis vor. Weitere Panels beschäftigen sich mit «Utopien für Afrika» oder «Neuer Musik als Ausdruck unserer Zeit». Das Symposium richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die interessierte Öffentlichkeit. Weitere Informationen unter www.beethovenfest.de

Anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens und des 85-jährigen Jubiläums des Litauischen Staatsballetts präsentiert die Litauische Nationaloper in der kommenden Saison unter anderem eine Ballettwoche, Ballettaufführungen wie «La Sylphide» und «La Bayadère» sowie Konzerte. Im Bereich Oper gibt es im Dezember eine Inszenierung von Verdis «La forza del destino». Als weitere Premieren sind Verdis «Otello», Bizets «Carmen» und Mozarts «Le nozze di Figaro» angekündigt.

Die diesjährige Styriarte in Graz hat rund 30 000 Besucher angelockt. Sie weist damit eine durchschnittliche Auslastung der Veranstaltungen von über neunzig Prozent aus. Schwerpunkte waren in diesem Jahr die halbszenische Inszenierung von Johann Joseph Fux’ Oper «Orfeo ed Euridice» mit Jordi Savall als Dirigenten und Haydns «Schöpfung» mit dem Arnold Schoenberg Chor und dem Chamber Orchestra of Europe unter Leitung von Nikolaus Harnoncourt. Das Budget der Styriarte belief sich auf 2,8 Millionen Euro. Es war damit geringer als im Vorjahr (3,5 Millionen Euro). 1,5 Millionen Euro steuerte die öffentliche Hand bei, der Rest wurde durch Kartenverkäufe und Sponsoren abgedeckt. Im nächsten Jahr soll Smetanas «Die verkaufte Braut» in einer Interpretation von Nikolaus Harnoncourt zu den Höhepunkten des Festivals zählen.

Markus Stenz, seit 2004 als Chefdirigent des Gürzenich-Orchesters Köln und seit 2005 als Generalmusikdirektor für das musikalische Profil der Oper Köln verantwortlich, hat seinen Vertrag bis Ende der Spielzeit 2013/14 verlängert. Der 1965 geborene Stenz absolvierte seine Ausbildung in Köln bei Volker Wangenheim und bei Leonard Bernstein und Seiji Ozawa in Tanglewood. 1989 übernahm er die musikalische Leitung des Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano. Von 1994 bis 1998 leitete er als Chefdirigent die London Sinfonietta. Zwischen 1998 und 2004 war er Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Melbourne Symphony Orchestra.

Mit insgesamt 12 000 Zuschauern und einer Auslastung von 94 Prozent feierte der Mannheimer Musiksommer einen großen Publikumserfolg. Im Mittelpunkt des Festivals standen diesmal die Produktion des Mannheimer Nationaltheaters «La clemenza di Tito» in der Inszenierung von Günter Krämer und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Dan Ettinger.

In der zweiten Spielzeit unter der Intendanz von Nikolaus Bachler boten die Münchner Opernfestspiele 2010 nahezu 40 Opernabende, die durchschnittlich zu 97 Prozent ausgelastet waren. Insgesamt wurden rund 80 000 Karten verkauft. Viele weitere Besucher feierten den Festspielsommer bei den beiden kostenlosen Veranstaltungen von «Oper für alle» (insgesamt rund 19 000 Gäste) und der UniCredit Festspiel-Nacht. Die neue Spielstätte am Marstallplatz, der vom Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfene Pavillon 21 MINI Opera Space, feierte bei den Festspielen 2010 Premiere: Mit einer Auslastung von 92,4 Prozent erlebten rund 9000 Besucher das experimentelle Programm des Pavillons.

Der französische Komponist Bruno Mantovani wird Direktor des Conservatoire Supérieur de Musique et de Danse de Paris. Der 1974 geborene Mantovani absolvierte ab 1993 selbst Studien am Pariser Conservatoire, die er mit fünf ersten Preisen abschloss. 1997 erhielt er ein Kompositionsstipendium der Académie des Beaux-Arts, 1999 ein Stipendium der Fondation Nadia et Lili Boulanger und 2000 den Prix Hervé Dugardin der Sacem (Société des Auteurs, Compositeurs et Éditeurs de Musique). 2007 wurde Mantovani mit dem Belmont-Preis für zeitgenössische Musik ausgezeichnet. Seit 2010 arbeitet er auch regelmäßig für die Opéra National de Paris. Geplant ist unter anderem eine Oper über die russische Lyrikerin Anna Achmatova, die im März 2011 Premiere feiern soll.

James Levines gesundheitliche Probleme haben dazu geführt, dass die lokale Presse in Boston seinen möglichen Abgang als Chef des Boston Symphony Orchestra (BSO) diskutiert. Riccardo Chailly könnte Nachfolger werden. Auf Basis eines Interviews, das der Musikjournalist Norman Lebrecht mit Chailly geführt hat, geistern unbestätigte Spekulationen durchs Netz, dieser könnte Levine als Chef des BSO ablösen. Levine musste wegen Rückenproblemen in den vergangenen Monaten zahlreiche Auftritte mit dem BSO absagen und steht dem Ensemble auch in seiner Sommerresidenz Tanglewood nicht zur Verfügung

Der deutsche Regisseur Peter Stein hat sich aus einer Produktion der Oper «Boris Godunow» der New Yorker Met zurückgezogen. Gründe für den Schritt gibt das Opernhaus nicht an. Stein soll durch Stephen Wadsworth ersetzt werden. Premiere der Produktion, die von Valery Gergiev dirigiert wird, ist am 11. Oktober. Der Bass René Pape wird die Titelpartie singen. Die Arbeiten an der Oper sind bereits fortgeschritten, Kostüme und Kulissen weitgehend kreiert. Steins Konzeption soll nach Angaben der Met soweit wie möglich übernommen und weitergeführt werden. Wadsworth ist Leiter des Lindemann Young Artist Development Program der Met und hat für das Haus 2004 «Rodelinda» und 2007 Glucks «Iphigénie en Tauride» inszeniert.

Klassische Musik und Oper genießen als kulturelles Erbe der Nation einen hohen Stellenwert bei den Menschen in Deutschland. Einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung zufolge wollen fast 90 Prozent der Deutschen dieses musikalische Erbe für die kommenden Generationen gewahrt wissen. Dabei kommt nach Ansicht der Bevölkerung dem Musikunterricht in Kindergärten und Schulen eine besondere Bedeutung zu. 96 Prozent der Befragten halten den Musikunterricht für wichtig oder sehr wichtig. Dieser Ansicht ist laut Umfrage auch eine Mehrheit junger Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die dem musikalischen Erbe allerdings insgesamt skeptischer gegenüber stehen: Fast jeder vierte von ihnen hält es für unwichtig. Als Gründe für die Bedeutung des Musikunterrichts werden vor allem die Vermittlung einer umfassenden kulturellen Bildung (91 Prozent) und die Förderung der emotionalen und geistigen Fähigkeiten von Kindern (ebenfalls 91 Prozent) angeführt. Fast jeder Zweite gibt zudem an, selbst ein Instrument erlernt zu haben. Für nahezu ebenso geeignet wie das eigene Musizieren halten die Befragten fördernde Einrichtungen, wie zum Beispiel Kinder-Opern (81 Prozent), die jungen Menschen Oper und Klassik mit gezielten Angeboten nahe bringen. Auch unter den Jüngeren findet sich hierfür eine Mehrheit. Eine wichtige Rolle zur Bewahrung des musikalischen Erbes spielen auch der Besuch von klassischen Konzerten (72 Prozent) sowie die Nutzung neuer Medien (69 Prozent). Laut Umfrage hört immerhin rund jeder Vierte unter 30 Jahren zumindest einmal in der Woche klassische Musik – sei es im Radio, im Fernsehen oder auf CD, bei Aufführungen, in Konzerten, an öffentlichen Orten oder bei privaten Gelegenheiten.

Der Essener Opernintendant Stefan Soltesz hat eine Sorge weniger. Das geplante rigide Sparpaket des Doppelhaushaltes 2010/11 wurde im Rat der Stadt abgelehnt und so weit zurückgenommen, dass Soltesz relativ beruhigt zumindest für die nähere Zukunft planen kann. Der Zuschussbedarf der Theater und Philharmonie Essen (TuP) GmbH, unter deren organisatorischem Dach Aalto-Oper, Ballett, Schauspiel, Symphonieorchester und Philharmonie vereint sind, soll bis 2013 von derzeit 44,9 Millionen Euro auf lediglich 40,5 Millionen Euro heruntergefahren werden; angedacht war zuvor eine Einsparsumme von mehr als sechs Millionen Euro. Mit der nun wirksamen Regelung können alle Sparten erhalten werden. Erste Opernpremiere der neuen Saison in Essen ist am 10. Oktober Wagners «Götterdämmerung» in der Regie von Barrie Kosky. Damit wird zugleich der «Essener Rings» abgeschlossen, den vier Regisseure schmiedeten. Weitere Premieren sind Händels «Hercules» (Regie: Dietrich Hilsdorf), «Madama Butterfly» (Tilman Knabe) und «L’elisir d’amore» (Andreas Baesler).

Für sein Operndorf-Projekt im afrikanischen Burkina Faso fehlt Regisseur Christoph Schlingensief «noch sehr viel Geld». Das sagte er in einem Interview mit dem Magazin des Goethe Instituts. Vieles scheitere an den «unglaublichen Bedingungen» der Förderer, da die Gelder etwa nur für Gagen verwendet werden dürften, nicht aber direkt für Baumaterial oder Arbeiter. «Sie wollen europäische Maßstäbe an afrikanische Gegebenheiten anlegen», beklagte er. Der an Krebs erkrankte Schlingensief baut derzeit zusammen mit dem Berliner Architekten Francis Kéré in Burkina Faso das Operndorf. Das Projekt soll eine Theaterbühne, Werkstätten, eine Schule, ein Krankenhaus und Unterkünfte für Künstler in sich vereinen. Das Dorf solle ein Ort sein, «an dem die innersten Träume realisierbar werden», sagte Schlingensief. Als klassischer Entwicklungshelfer sieht der Regisseur sich mit diesem Projekt aber nicht. «Wir wollen dem afrikanischen Kontinent helfen und können uns selbst nicht helfen», sagte er. «Wir klagen ja schon, wenn der Zug vier Minuten Verspätung hat.» Wenn es etwas heftiger regne, rasten Politiker «noch Wochen später mit Gummistiefeln herum». Da könne man von Afrika noch einiges lernen. «Wenn in Burkina Faso die Sintflut kommt und alle Häuser wegspült, dann werden sie am nächsten Tag wieder aufgebaut», sagte Schlingensief.

Der Haushaltsausschuss des Bundes, einer von vier Gesellschaftern der Rundfunk-Orchester und Chöre GmbH (ROC), hat die Sperre von zwei Millionen Zuschuss-Euro aufgehoben. Damit ist vorerst die Zukunft der vier Klangkörper gesichert. Während der Beratungen zum Haushalt 2010 hatte die schwarz-gelbe Koalition überraschend zwei Millionen Euro der Bundeszuweisungen von insgesamt 11,8 Millionen Euro blockiert. Der Bund ist mit 35 Prozent an der ROC beteiligt, zu der die vier Klangkörper Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Rundfunkchor Berlin und der RIAS Kammerchor gehören.

Das Staatstheater am Gärtnerplatz hat die Saison 2009/10 mit der erfreulichsten Spielzeitbilanz der Intendanz Ulrich Peters und der höchsten Auslastung seit acht Jahren abgeschlossen. Insgesamt wurden bei 356 Abenden rund 172 000 Karten verkauft, davon 166 800 in der Hauptspielstätte im Großen Haus. Das entspricht einem Plus von 9000 verkauften Karten gegenüber der vergangenen Spielzeit und der zweithöchsten Rate seit sechs Jahren. Die Gesamtauslastung in den Kernsparten (Oper, Operette, Musical und Tanz, ohne Sonder- und Klein-Programme) lag  bei 78 Prozent, dem höchsten Wert seit 2000/01. Doch alle Zahlen helfen nichts: Neuer Intendant und damit Nachfolger von Peters wird ab 2012 Josef Ernst Köpplinger. Bis dahin leitet der Regisseur, der am Max-Reinhardt-Seminar, bei Ingmar Bergman und an der Lee-Strasberg-Schule ausgebildet wurde und danach unter anderem in Regensburg, Wien, Hamburg, Tokio und auch am Gärtnerplatz arbeitete, das Theater Klagenfurt.

Das Rheinufer in Basel bildet die Kulisse für die Opernproduktion «Aida am Rhein» des Schweizerischen Fernsehens. Es handelt sich dabei um eine Übernahme vom Theater Basel, die den veränderten Gegebenheiten angepasst wird. Regie führt der Intendant des Theater Basel, Georges Delnon. Die Premiere ist in einer Live-Übertragung am 1. Oktober auf SF 1 zu sehen.

Die Akademie der Künste Berlin widmet im September dem Thema Komponieren ein viertägiges Festvial. In Kooperation mit dem Elektroakustischen Studio der Akademie der Künste und dem Institut für Musik und Akustik des ZKM stellt «Zero ‚n’ One» die Konsequenzen des sogenannten «digital turn» in der Musik zur Diskussion. Im Zentrum des Festivals steht die Frage, wie sich künstlerische Prozesse, Themen und Formen in der Musik durch Digitalisierung verändert haben. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.adk.de

Kent Nagano
und das Bayerische Staatsorchester eröffnen am 17. September mit einem Symphoniekonzert die Saison 2010/11 des Festspielhauses Baden-Baden. Ein Höhepunkt der bald darauf beginnenden Herbstfestspiele ist ein konzertanter «Otello» mit Ben Heppner in der Titelrolle und Anja Harteros als Desdemona sowie dem Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Daniel Harding.

 

13.08.2010

Vom 7. bis 11. Mai findet in Boston im Bundesstaat Massachusetts die amerikanische Opera Conference 2011 statt. Ausrichter sind die Boston Lyric Opera und die Opera Boston. Im Rahmen der Konferenz wird nicht nur über die Lage der internationalen Opernhäuser debattiert, es werden auch Aufführungen zu sehen sein. Unter anderem zeigt die Boston Lyric Opera ihre Produktion von Brittens Oper «A Midsummer Night's Dream», die Opera Boston ihre Version von Donizettis «Maria Padilla». Weitere Informationen gibt es im Netz unter der Adresse www. operaamerica.org/content/conference

Seit dem 1. August übt Matthew Shilvock das Amt eines Associate General Director der San Francisco Opera aus. Shilvock arbeitet bereits seit 2005 am Haus und hat seit 2008 die Funktion eines Stellvertretenden Generaldirektors inne. Künftig soll er sich verstärkt um das Management und die Erziehungsarbeit kümmern und dabei eng mit dem Generaldirektor der Oper, David Gockley, zusammenarbeiten.

Ein Symposium zu «Utopie und Freiheit in der Musik» beim Beethovenfest Bonn 2010 beschäftigt sich am 17. September mit der «Positionierung zeitgenössischer Musik und weltweit verwirklichten Visionen». Im Rahmen des Symposiums stellen der Dirigent Edilson Venturelli und Gero Schließ, Initiator des Orchestercampus bei der Deutschen Welle, das brasilianische Instituto Baccarelli und die Sinfônica Heliópolis vor. Weitere Panels beschäftigen sich mit «Utopien für Afrika» oder «Neuer Musik als Ausdruck unserer Zeit». Das Symposium richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die interessierte Öffentlichkeit. Weitere Informationen unter www.beethovenfest.de

Das Toronto Symphony Orchestra wollte nach dem Vorbild der Tanglewood-Konzerte der Boston Symphony in der Nähe der Niagarafälle ein Sommerfestival ins Leben rufen. Diese Pläne sind nun bachab gegangen. Laut kanadischen Medien ist das Projekt, das 76,5 Millionen Dollar gekostet hätte, an der Finanzierung gescheitert. Weder die Bundesregierung noch die lokalen Behörden machten verbindliche Zusagen. «Project Niagara» hätte am Rande des Ontariosees auf einem früheren Gelände des Verteidigungsministeriums realisiert werden sollen.

Erst gab es den Wettbewerb. Nun gibt es auch den Kongress gleichen Namens. Vom 14. bis zum 17. Oktober veranstaltet der Deutsche Musikrat gemeinsam mit Vertretern der kirchenmusikalischen Spitzenverbände in Berlin den Kongress «Einheit durch Vielfalt - Kirche macht Musik». Ziel des Kongresses ist es nach einer Mitteilung des DMR, «den Reichtum und die Fülle der Kirchenmusik in Deutschland aufzuzeigen», sowie ihre Bedeutung für Individuum und Gesellschaft.

Die beim Label cpo erschienene Aufnahme des Osnabrücker Symphonieorchesters (Leitung: Hermann Bäumer) von Gounods nahezu unbekannter Oper «La Nonne sanglante» ist mit dem Vierteljahrpreis der Deutschen Schallplattenkritik in der Sparte Oper ausgezeichnet worden.

Das Performing Arts Center in Mumbai/Indien bringt nach «Madama Butterfly» im letzten Jahr mit «Tosca» die zweite Puccini-Oper heraus. Regie führt Bruno Berger-Gorski. Die Hauptpartien singen Iano Tamar, Gustavo Porta und Anooshah Golesorkhi. Die Bühne entwirft Dirk Hofacker, Anne Overby dirigiert. Die Vorstellungen finden am 28. und 30. September im Performing Arts Center in Mumbai statt.

Seine erste Liebe galt der Architektur. Doch schon bald konnte Pier Luigi Pizzi keinen Hehl mehr aus seiner Schwäche für das Theater machen. Nachdem er Giorgio Strehler begegnet war und am Teatro Tommaseo in Genua erste Eindrücke gewonnen hatte, blieb er der Bühne treu - und wurde, bevorzugt als Partner von Luca Ronconi, zunächst einer der stilprägenden italienischen Bühnen- und Kostümbildner sowohl im Bereich der Oper wie im Schauspiel, bevor er nach 1977 auch als Regisseur in Erscheinung trat. Pizzi arbeitete an allen großen (Musik-)Theatern der Welt: in Wien sowohl am Burgtheater als auch an der Staatsoper, an der Mailänder Scala, an Covent Garden, an der Bayerischen Staatsoper und an vielen Häusern seines Heimatlandes. 1990 begann der reguläre Opernbetrieb an der neue Bastille-Oper in Paris mit seiner Inszenierung von «Les Troyens». Auch zur Wiedereröffnung der Scala im Jahre 2004 wurde Pizzi gebeten, Bühne und Kostüme für Antonio Salieris «L'Europa riconosciuta» zu gestalten, wobei er erneut mit Luca Ronconi zusammenarbeitete. Am 15. Juni feierte Pizzi seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

 

09.08.2010

Abschiede

Der renommierte britische Tenor Anthony Rolfe Johnson ist am 20. Juli, drei Tage vor seinem 70. Geburtstag, an den Folgen einer Alzheimer-Erkrankung gestorben. Zum professionellen Gesang fand Johnson erst in seinen dreißiger Jahren. Bald wurde er zum bevorzugten Interpreten John Eliot Gardiners und anderer Dirigenten. Auch auf Tonträger ist der Tenor prominent vertreten. Für die Archiv Produktion etwa wirkte er in einer der besten «Idomeneo»-Einspielungen überhaupt mit. Später realisierte er unter Bernard Haitink für EMI eine exemplarische Produktion von Benjamin Brittens «Peter Grimes» (siehe Nachruf in OW 9-10/2010).


Jubilare

Sein Sängerdebüt gab er als Tenor in Beethovens Neunter. Doch danach wandte sich Franz Fehringer, der in Karlsruhe studiert hatte, vor allem den Partien in Händels und Mozarts Opern zu. Vor dem Zweiten Weltkrieg trat er vor allem in Wiesbaden und im Radio auf, nach dem Krieg führten ihn Engagements unter anderem nach Hamburg, Frankfurt und Paris. Neben der Oper wandte sich der Sänger in vielen Rollen der Operette zu. Nach der aktiven Karriere gab er sein Wissen als Lehrer an den Musikhochschulen von Mainz und Heidelberg weiter. 1988 starb Franz Fehringer. Am 7. September dieses Jahres wäre er einhundert Jahre alt geworden.

 

28. Juli 2010

Abschied

Der australische Dirigent Charles Mackerras, der sich unter anderem als Kenner der tschechischen Musik einen Namen gemacht hat, ist am 14. Juli im Alter von 84 Jahren in London gestorben. Der 1924 in den USA geborene Mackerras studierte in Sydney Oboe und in der Folge bei Václav Talich in Prag Dirigieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg amtierte er unter anderem als Generalmusikdirektor des Londoner Sadler's Wells Theatre, der heutigen English National Opera. In den sechziger Jahren war Mackerras überdies häufig Gast der Berliner Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper und in Covent Garden. Sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera gab er 1972. Neben Rafael Kubelik gilt Mackerras als einer der bedeutendsten Vertreter der «tschechischen» Dirigentenschule und als einer der wichtigsten Musikphilologen auf dem Gebiet der tschechischen Oper. Mackerras hatte maßgeblichen Anteil an der Durchsetzung des Opernwerks von Leos Janácek. Er war Ehrenbürger Prags und regelmäßig Gast der Tschechischen Philharmonie.

Reinhart Zimmermann, langjähriger Bühnenbildner und Ausstattungsleiter der Komischen Oper Berlin, ist am 11. Juli im Alter von 74 Jahren gestorben. Zimmermann, 1936 in Erfurt geboren, begann seine Theaterlaufbahn 1954 als Bühnenbildassistent am Landestheater Halle (Saale). Von dort wechselte er als Assistent von Rudolf Heinrich an die Komische Oper Berlin, wo er seit 1961 als Bühnenbildner und ab 1963 als Ausstattungsleiter tätig war. Zu Zimmermanns bekanntesten Arbeiten zählte die Ausstattung zu Walter Felsensteins legendärer Inszenierung von Mozarts «Hochzeit des Figaro». Eine lange künstlerische Partnerschaft verband ihn überdies mit dem Regisseur Harry Kupfer, für den er unter anderem Bühnenbild und Kostüme für die Opern «Così fan tutte», «Boris Godunow» und «Judith» von Siegfried Matthus erschuf.

Im Alter von 79 Jahren ist am 15. Juni die kanadische Opern- und Konzertsängerin Maureen Foster in Toronto gestorben. Die 1930 geborene Altistin begann ihre Karriere in Kirchenchören und studierte bei Bernard Diamant. Ihr professionelles Debüt gab Big Mo, wie sie kosehalber genannt wurde, im Alter von 21 Jahren beim Montreal Elgar Choir. Bei den Montrealer Symphonikern sang sie erstmals 1953, zwei Jahre später trat sie erstmals in Europa auf. Vor allem als Mahler-Interpretin  war Maureen Foster eine der führenden Sängerinnen ihrer Zeit; dabei arbeitete sie unter anderem mit Bruno Walter, Fritz Reiner und George Szell zusammen. Wie groß ihre vokale Vielfalt war, belegen die Alt-Partien, die sie auf der Opernbühne verkörperte: den Gluck'schen «Orpheus», die Cornelia in Händels «Giulio Cesare», die Wagner-Rollen Erda, Fricka und Brangäne sowie Ulrica in «Un ballo in masche-?ra» von Verdi und die Klytmämnestra in Strauss' «Elektra». Für ihre Verdienste als Opernsängerin erhielt Maureen Foster 2000 den Ruby Award.

Im Alter von 85 Jahren ist der Impresario Ernest Fleischmann gestorben. Das teilte die «Los Angeles Times» mit. Fleischmann, den Pierre Boulez einmal als einen «Adler, der hoch fliegt und dennoch die kleinste Maus sieht» bezeichnet hat,  prägte knapp dreißig Jahre lang das Gesicht des Los Angeles Philharmonic ?Orchestra, von 1969 bis 1998. Ferner gilt er als Erneuerer der Tradition der sommerlichen Konzerte in der Hollywood Bowl, die das Musikleben von L. A. maßgeblich mitprägen.

Im Alter von 57 Jahren ist Norbert Klein, persönlicher Referent und Stellvertreter des Intendanten des Nürnberger Staatstheaters Peter Theiler, am 11. Juni gestorben. Der gebürtige Düsseldorfer war als Dramaturg an den Theatern von Trier, Oldenburg und Bremen beschäftigt. Am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen begann seine langjährige Zusammenarbeit mit Theiler, die sich in Nürnberg fortsetzte. Zuletzt hatte Norbert Klein die Produktion der Auftragsoper «Das Holzschiff» von Detlev Glanert betreut. Dieser hat das Werk nun Klein gewidmet.

Der Musikwissenschaftler Dieter de la Motte ist tot. Er wurde 1928 in Bonn geboren und studierte die Fächer Komposition, Klavier und Chorleitung. Von 1962 bis 1981 unterrichtete er an der Musikhochschule Hamburg; danach lehrte de la Motte in Hannover und in Wien. Seine Bücher «Musikalische Analyse» (1968), die in zahlreiche Sprachen übersetzte «Harmonielehre» (1976) und «Kontrapunkt» (1981) gelten als Standardwerke einer musikalischen Theorie, die analytisch ausgerichtet ist und historisch differenziert. Auch als Komponist trat Dieter de la Motte in Erscheinung. Er verfasste sowohl vokale als auch instrumentale und szenische Werke. Zu seinen Kompositionsschülern zählen unter anderem Manfred Trojahn und Detlef Glanert.

Luo Pinchao, ein Vertreter der kantonesischen Oper, galt laut Guinness World Record bislang als ältester Opernsänger der Welt. Nun ist er im Alter von 98 Jahren in seinem Heim in Guangzhou verstorben. Der 1912 geborene Luo Pinchao startete seine Karriere in der chinesischen Oper 1930 als Vertreter des kantonesischen Stils, der im Dialekt des Südens des Landes gesungen wird. Der Sänger galt auch als Neuerer dieses Stils; er machte das Singen in modernem Chinesisch neben der klassischen Variante salonfähig.

Jubilare

Die praktische Musik war nicht seine erste und ausschließliche Wahl. Zunächst studierte Heinrich Sutermeister in Basel und Paris Musikgeschichte und Philologie, bevor er ab 1932 Schüler von Carl Orff, Hans Pfitzner (Komposition), Walter Courvoisier (Harmonielehre und Kontrapunkt) und Hugo Röhr (Dirigieren) an der Akademie für Tonkunst in München wurde. Nach einer kurzen Zeit als Korrepetitor am Berner Theater zog sich Sutermeister als freischaffender Komponist nach Vaux-sur-Morges zurück. Sein vielfältiges ‘uvre umfasst neben Opern - darunter die Literaturvertonungen «Romeo und Julia» (auf Shakespeare), «Raskolnikoff» (nach Dostojewskis Roman «Schuld und Sühne») und «Madame Bovary» (auf Flaubert) - und Ballettmusiken zahlreiche Orchesterwerke sowie Vokal- und Kammermusik. Von 1963 bis 1975 leitete Sutermeister eine Kompositionsklasse an der Musikhochschule Hannover, seit 1977 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Am 12. August gedenkt die Musikwelt des 100. Geburtstags dieses in Vergessenheit geratenen Komponisten, der am 16. März 1995 starb.

Seine erste Liebe galt der Architektur. Doch schon bald konnte Pier Luigi Pizzi keinen Hehl mehr aus seiner Schwäche für das Theater machen. Nachdem er Giorgio Strehler begegnet war und am Teatro Tommaseo in Genua erste Eindrücke gewonnen hatte, blieb er der Bühne treu - und wurde, bevorzugt als Partner von Luca Ronconi, zunächst einer der stilprägenden italienischen Bühnen- und Kostümbildner sowohl im Bereich der Oper wie im Schauspiel, bevor er nach 1977 auch als Regisseur in Erscheinung trat. Pizzi arbeitete an allen großen (Musik-)Theatern der Welt: in Wien sowohl am Burgtheater als auch an der Staatsoper, an der Mailänder Scala, an Covent Garden, an der Bayerischen Staatsoper und an vielen Häusern seines Heimatlandes. 1990 begann der reguläre Opernbetrieb an der neue Bastille-Oper in Paris mit seiner Inszenierung von «Les Troyens». Auch zur Wiedereröffnung der Scala im Jahre 2004 wurde Pizzi gebeten, Bühne und Kostüme für Antonio Salieris «L'Europa riconosciuta» zu gestalten, wobei er erneut mit Luca Ronconi zusammenarbeitete. Am 15. Juni feierte Pizzi seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

In der Szene gilt er vielen immer noch als Geheimtipp. Dabei müsste sich längst herumgesprochen haben, dass Dmitri Kitajenko zu den versiertesten Vertretern der Dirigentenzunft zählt. Nach dem Studium in seiner Heimatstadt Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, und in Moskau gewann er 1969 den ersten Internationalen Herbert-von-Karajan-Wettbewerb in Berlin. Mit 29 Jahren wurde er zum Chefdirigenten der Moskauer Oper ernannt, 1976 in gleicher Position beim Philharmonischen Orchester der russischen Hauptstadt tätig, 1990 ging Kitajenko in den Westen und wurde noch im gleichen Jahr Chefdirigent des Symphonieorchesters des Hessischen Rundfunks (eine Position, die er sechs Jahre lang innehatte) sowie des Berner Symphonie-Orchesters, dem er bis 2004 vorstand. Seit 1999 ist Kitajenko, dessen Repertoireschwerpunkt die russische Musik ist, Chefdirigent beim südkoreanischen Rundfunkorchester. Am 18. August feiert er seinen 70. Geburtstag. Dazu herzlichen Glückwunsch!

Ihr Operndebüt gab sie, als Ersatz für Grace Bumbry, in Glucks «Orpheus und Eurydike», das war 1963 in Basel. Vier Jahre später stand die in Zagreb geborene Sopranistin Gertrude Jahn erstmals auf der Bühne der Wiener Staatsoper, jenem Haus, dem sie dann mehr als 25 Jahre eng verbunden blieb, dabei aber in der ganzen Welt auf den wichtigen Opernbühnen stand. Ihr Repertoire war weitgespannt, darin kam die Carmen ebenso vor wie Verdis «Don Carlo»-Eboli, der ?«Rosenkavalier»-Oktavian, die Mrs. Sedley in «Peter Grimes» ebenso wie Gräfin Geschwitz in Bergs «Lulu». Auch als Liedsängerin wusste die Sängerin zu überzeugen, zumal sie sowohl im französischen als auch im italienischen, russischen und deutschen Repertoire bewandert war. Am 13. August feiert Gertrude Jahn ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren.

Eingefleischte Opernfans kennen sie selbstredend. Nicht nur sang die amerikanische Sopranistin Rita Shane in fast allen großen US-Städten, nicht nur war sie zehn Jahre eine der wirkmächtigsten Darstellerinnen an der Met, auch in Europa machte sie sich bald nach ihrem Debüt an der Mailänder Scala einen Namen, zumal als Mozart-Interpretin. Die Königin der Nacht, Constanze, Donna Anna zählten zu ihren Paraderollen. Darüber hinaus war sie aber auch als Verdi-Sängerin gefragt: als Gilda, als Oscar und natürlich als Violetta. Nach ihrer aktiven Karriere wurde Rita Shane Professorin an der Eastman School of Music. Am 15. August feiert sie ihren 70. Geburtstag, zu dem wir an dieser Stelle herzlich gratulieren.

Eingeweihte zählen ihn zu den führenden Baritonen seiner Zeit. Als Opernsänger debütierte der gebürtige Florentiner Enzo Mascherini 1937 in der Rolle des Germont in Verdis «La traviata». Ein Jahr später trat er in der selten aufgeführten Oper «Antonio e Cleopatra» seines Landsmannes Gian Francesca Malipiero auf. Es folgten erste Auftritte am Teatro San Carlo in Neapel und an der Mailänder Scala. In der Folge feierte Mascherini an den wichtigen Opernbühnen weltweit Erfolge als Marcello in «La Bohème» (diese Rolle sang er 1949 erstmals auch an der Met), als Silvio in Leoncavallos «I pagliacci», als Rigoletto (unter anderem mit Erna Berger als Gilda), Lescaut in «Manon Lescaut» und Andrea Chénier. Nach seinem Abschied von der Bühne wirkte er als Lehrer in Florenz. Zuvor hatte er zweimal an der Seite der legendären Maria Callas, einmal beim Maggio Musicale in seiner Heimatstadt, als Montforte in «I vespri siciliani» unter Leitung von Erich Kleiber, und dann, zur Eröffnung der Scala-Saison 1952/53, als Macbeth (Victor de Sabata dirigierte). Am 6. August wäre Enzo Mascherini, der am 29. Juli 1981 in Livorno starb, einhundert Jahre alt geworden. Die Musikwelt gedenkt seiner.


Meldungen

Der scheidende Intendant der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, hat einen Beratervertrag mit der New Yorker Metropolitan Opera abgeschlossen. In einem Interview bestätigte Holender die Unterzeichnung eines solchen Vertrags; dieser soll zunächst für zwei Jahre gelten. Zuvor war spekuliert worden, der Kulturmanager könne die Leitung der Budapester Oper übernehmen. Entsprechende Verhandlungen würden, so Holender, zwar geführt, seien aber noch nicht zu einem Abschluss gekommen.

Seiji Ozawa hat seine sämtlichen Engagements bei den Berliner Philharmonikern in der kommenden Saison abgesagt. Der an Krebs erkrankte Dirigent benötigte nach einer schweren Operation noch eine längere Zeit der Rehabilitation, teilte das Orchester mit. Für ihn springen Simon Rattle, Stanislaw Skrowaczewski und Gustavo Dudamel ein.

Der Betrieb der Pariser Opéra Comique ist zum wiederholten Male von Streiks in Mitleidenschaft gezogen worden. Betroffen war unter anderem eine Aufführung von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» unter der musikalischen Leitung von John Eliot Gardiner, die bei der Premiere erst eine halbe Stunde später als angekündigt beginnen konnte. Die Angestellten streikten, um mehr Ressourcen zur Umsetzung der künstlerischen Ziele des Direktors Jérôme Deschamps zu erkämpfen, wie französische Medien berichteten. Die Opéra Comique hat seit 2005 den Status eines nationalen Theaters und wird seit 2007 von Deschamps geleitet.

Die spanische Mezzosopranistin Nancy Fabiola Herrera hat den Plácido Domingo Award 2010 gewonnen, der von der Los Angeles Opera vergeben wird. Überreicht wird ihr die Ehrung im Rahmen eines Galadinners nach einer Aufführung von «Il postino» des mexikanischen Komponisten Daniel Catán, und zwar vom Namensträger des Preises höchstselbst.

Ingo Metzmacher hat seinen Abschied aus Berlin gefeiert. Zum Saisonende endet sein Vertrag als Chefdirigent des Deutschen Symphonieorchesters Berlin. Im Rahmen der Salzburger Festspiele treten Dirigent und Orchester gemeinsam in Erscheinung: bei der Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper «Dionysos» am 27. Juli. Sein letztes Konzert als Chefdirigent des DSO gibt Metzmacher dann mit einem Gastspiel bei den «BBC Proms» in London.

Der Intendant des Theaters Trier, Gerhard Weber, hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Weber, der ein Faible für das zeitgenössische Musiktheater hat, leitet das Theater Trier seit der Spielzeit 2003/04. In der kommenden Saison wird es in Trier unter anderem eine Inszenierung der Oper «The Voyage» von Philip Glass geben.

Lasst Zahlen sprechen: In der Saison 2010/11 erarbeiten die 80 staatlich geförderten Theater und Musikhäuser mit eigenem Ensemble sowie weitere 20 freie Opernkompagnien mindestens 583 Premieren oder Neuproduktionen. Zu den Neuproduktionen gehören so unterschiedliche Projekte wie Ligetis «Nouvelles Aventures» an der Zeitgenössischen Oper Berlin, Ullmanns «Der Kaiser von Atlantis» am Oldenburgischen Staatstheater oder Franz Wittenbrinks «Sekretärinnen» in Dortmund. Die Staatsoper Hamburg bringt die im März 2010 am Sydney Opera House uraufgeführte Oper «Bliss» von Brett Dean nach Peter Careys Kultroman aus den achtziger Jahren nach Deutschland. Das Mittelsächsische Theater Chemnitz erweckt überdies «Das Feuerwerk», die deutsche Version des «Schwarzen Hechts» des Zürcher Komponisten Paul Burkhard, zu neuem Leben.

Der Musikdirektor des Landestheaters Salzburg, Leo Hussain, hat seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2011/12 verlängert. Hussain, der diese Funktion seit 2009 innehat, wird pro Spielzeit drei Opernproduktion federführend betreuen, teilte das Landestheater mit.

Die Glimmerglass Opera präsentiert in der Sommersaison 2011, dann unter dem neuen Namen «The Glimmerglass Festival», neue Produktionen von Bizets «Carmen», des Musicals «Annie Get Your Gun» (von Irving Berlin) sowie Cherubinis «Medea» sowie - als Doppelpack - die Weltpremiere des von der Glimmerglass Opera in Auftrag gegebenen Stücks «A Blizzard in Marblehead Neck» (die Musik schrieb Jeanine Tesori, das Libretto Tony Kushner) und die sogenannte «professional premiere» des Einakters «Later the Same Evening» (John Musto und Mark Campbell). Das teilte die neue Künstlerische Leiterin der Opernkompagnie, Francesca Zambella, mit. Das Festival wird vom 2. Juli bis zum 23. August 2011 stattfinden.

Marcus Creed, Chefdirigent des SWR Vokalensembles Stuttgart, hat seinen Vertrag um drei weitere Jahre bis Ende 2014 verlängert. Creed steht seit 2003 an der Spitze des international renommierten Klangkörpers, der zuletzt Ende 2009 als «Ensemble des Jahres» mit dem Echo Klassik Preis ausgezeichnet worden war.

Yannick Nézet-Séguin
wird ab der Spielzeit 2012/13 Music Director des Philadelphia Orchestra. Der kanadische Dirigent, der bereits die Chefposition beim Rotterdam Philharmonic Orchestra innehat, erhält einen Siebenjahres-Vertrag. Er tritt die Nachfolge von Charles Dutoit an, der zum Conductor Laureate ernannt wurde.

Plácido Domingo
ist zum Präsidenten von Europa Nostra ernannt worden, der Dachorganisation der europäischen Denkmalschützer. Der Tenor, Dirigent und Chef der Los Angeles und Washington National Opera folgt in diesem Amt auf die Infanta Pilar de Borbón, die Schwester des spanischen Königs Juan Carlos I. Europa Nostra umfasst rund 200 regionale und nationale Organisationen, 170 assoziierte Verbände und 1500 Einzelmitglieder. Die Organisation setzt sich für hohe Qualitätsnormen beim Erhalt des Kulturerbes in Architektur, Stadtplanung und Landschaftsgestaltung ein. Unterdessen gab die Washington National Opera einen weiteren Ausflug des Tenors ins Baritonfach bekannt. Mit «Simon Boccanegra» hatte Domingo bereits eine Baritonpartie gesungen. Nun folgt im August und September in China und Italien mit «Rigoletto» ein weiterer Versuch. Am 2. August wird Domingo - sekundiert von Teilnehmern des Washington National Opera's Domingo-Cafritz Young Artist Program - in Peking in «Rigoletto» zu hören sein. Eugene Kohn wird dabei das Chinese National Opera House Symphony Orchestra dirigieren. Die Oper wird im Reignwood Theater des gleichnamigen Business Centers realisiert. Künstlerischer Leiter des Theaters ist - Plácido Domingo. Im September wird Domingo laut Angaben der «Baltimore Sun» die Rolle im italienischen Mantua gestalten, dem Originalschauplatz der Oper. Die Aufführung soll vom italienischen Fernsehen live übertragen werden.

Anlässlich des 625-jährigen Jubiläums der Universität Heidelberg wird der legendäre, zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Zürich entstandene Codex Manesse nach längerer Zeit erstmals wieder öffentlich zu sehen sein. Die Universitätsbibliothek Heidelberg zeigt die prachtvoll gestaltete Sammlung mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung, die aus konservatorischen Gründen nur äußerst selten die klimatisierten Tresore der Bibliothek verlassen darf, von Oktober an in einer Ausstellung mit dem Titel «Der Codex Mannesse und die Entdeckung der Liebe». Nähere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse manesse2010@uni-hd.de

Der italienische Dirigent Gianandrea Noseda hat angekündigt, dass er seinen Posten als Chefdirigent des BBC Philharmonic Orchestra zum Ende der kommenden Saison aufgeben wird. In seiner letzten Spielzeit will sich Noseda, der zudem musikalischer Leiter des Turiner Teatro Regio ist, auf Werke von Beethoven, Rachmaninow, Liszt und Strauss konzentrieren. Den Abschluss bildet eine konzertante Aufführung von Verdis «Otello». Internationales Aufsehen erregte Noseda mit dem BBC Philharmonic Orchestra in den vergangenen Jahren unter anderem mit einer Pioniertat: dem Angebot eines freien Downloads sämtlicher Beethoven-Symphonien.

Die Eutiner Festspiele haben noch keinen neuen Geschäftsführer. Laut einem Bericht der «Lübecker Nachrichten» hat sich der erst im Januar für dieses Amt bestimmte Kulturmanager Stephan Jöris zurückgezogen und den Vertrag nicht unterzeichnet. Als Grund nannte Jöris, der zuvor bei den Bayreuther Festspielen am Grünen Hügel tätig war, dass ihm die für seine Arbeit erforderlichen Rahmenbedingungen nicht gewährt worden seien.

Das sanierungsbedürftige Opernhaus von Sydney wird einem gründlichen Facelifting unterzogen. Unter anderem werden die Bühnenaufzüge erneuert und unterirdische Zugänge für Lkw-Anlieferungen erstellt. Die Finanzierung der Arbeiten ist von Kristina Keneally, der Premierministerin des australischen Bundesstaates New South Wales, zugesichert worden. Für die Sanierung sind drei Jahre avisiert. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 800 Millionen australische Dollar. Nicht ganz so teuer ist eine Aktion der Performerin Laurie Anderson. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Popsänger Lou Reed, hat sie im Opernhaus von Sydney ein Konzert realisiert, dessen Frequenzen nur von Hunden wahrgenommen werden konnte.

Anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens und des 85-jährigen Jubiläums des Litauischen Staatsballetts präsentiert die Litauische Nationaloper in der kommenden Saison unter anderem eine Ballettwoche, Ballett-Aufführungen wie «La Sylphide» und «La Bayadère» sowie Konzerte. Im Bereich Oper gibt es im Dezember eine Inszenierung von Verdis «La forza del destino». Als weitere Premieren sind Verdis «Otello», Bizets «Carmen» und Mozarts «Le nozze di Figaro» angekündigt.

Glaubt man einem Bericht der Los Angeles Times, hat die Produktion der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» von Richard Wagner in der Regie von Achim Freyer an der Los Angeles Opera ein Finanzloch von 5,96 Millionen US-Dollar in den Etat des Hauses gerissen. Allein vier Millionen Dollar Defizit seien durch haarsträubende Fehler beim Ticketverkauf entstanden, heißt es in dem entsprechenden Artikel.

Das Stadttheater Konstanz hat einen Kooperationsvertrag mit dem Nanzikambe Arts Theatre in Blantyre (Malawi) geschlossen. Die Vereinbarung sieht ein dreijähriges Programm vor, dessen Herzstück eine Inszenierung im Jahr 2012 mit einem gemeinsamen Ensemble bildet. Ein gemischtes Autoren- und Regieteam will zu diesem Anlass ein Stück entwickeln. Schon im Jahr 2011 werden mehrere Inszenierung ausgetauscht. Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Projekt mit einer Summe von 150 000 Euro.

Die Bach-Handschriften der bedeutendsten Archive zum Werk des Thomaskantors sind dank eines neuen Web-Portals seit Kurzem in höchster Bildqualität mit umfangreichen Informationen im Internet zugänglich. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Arbeit ist es nun möglich, auf die Bestände unter anderem der Staatsbibliothek zu Berlin, der Jagiellonischen Bibliothek Krakau, des Bach-Archivs Leipzig sowie der Sächsischen Landesbibliothek zuzugreifen. Die meisten Werkautographen und Originalstimmen zu Bachs Werken befinden sich in diesen Städten. Im Moment sind etwa 40 Prozent des Gesamtbestandes von über 20 000 Seiten der 697 Handschriften eingearbeitet. Bis 2011 sollen diese vollständig verfügbar sein. Weitere Informationen gibt es im Netz unter der Adresse www.bach-digital.de

Das Berliner Festival Young Euro Classic hat ein Festivalorchester Südosteuropa ins Leben gerufen, das Jugendliche aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien und aus Deutschland zusammenbringt. Gesucht werden nach wie vor Orchesterpaten. Das eigens für das Festival zusammengestellte Orchester, das seinen ersten Auftritt im August im Berliner Konzerthaus haben wird, setzt sich aus etwa 50 Musikstudenten zusammen; die Leitung hat der Cellist und Dirigent Heinrich Schiff übernommen. Nach dem Berliner Konzert geht das Orchester auf Tournee, zunächst nach Kassel und dann in Richtung Balkan. Auf dem Programm stehen Auftritte beim Cetinje Cultural Summer in Montenegro, an der Musikhochschule in Sarajevo sowie beim Split Summer Festival in Kroatien.

Um das 45 Tonnen schwere Szenenbild, das Regisseur Robert Lepage für seine Inszenierung von Wagners «Ring» benötigt, auf die Bühne zu hieven, hat die New Yorker Met den Bühnenboden verstärken müssen. Dazu wurden drei rund dreißig Meter lange Stahlträger eingezogen. Die Maßnahme ist der seit Jahren aufwändigste und kostspieligste Eingriff in die Infrastruktur des Hauses. Laut einem Bericht der «New York Times» kosten allein diese Arbeiten 125 000 US-Dollar. Die Gesamtkosten für Lepages Inszenierung werden sich, so vermutet die Zeitung, auf mindestens 16 Millionen Dollar belaufen.

Katharina Wagner, die neue Leiterin der Bayreuther Festspiele, geht mit dem Gruftie-Image der Wagner-Spielstätte ins Gericht. Der Grüne Hügel soll für junge Besucher attraktiver werden. Katharina Wagner erwägt laut deutschen Presseberichten unter anderem Club-Events mit Wagner-Remixes. Eine Entweihung der besonderen Bayreuther Atmosphäre sieht sie darin nicht. Die diesjährigen Bayreuther Festspiele starteten am 25. Juli mit einer Neuinszenierung des «Lohengrin» von Hans Neuenfels.

Das Westschweizer Verbier Festival beschreitet neue digitale Wege: Eine iPhone App macht es möglich, Konzerte auf dem Mobiltelefon live und unentgeltlich mitzuverfolgen. Seit vier Jahren können Konzerte des Verbier Festivals bereits in einem Live-Stream auf der Medici-TV-Webseite kostenlos aufgerufen werden. Die Konzerte von 2009 sind mehr als eine Million Mal aufgerufen worden. Die Konzerte können iPhone-Benutzer bis zum 30. September 2010 auch als Aufzeichnung nutzen. Auch die Aufzeichnungen sind kostenlos. Das Angebot umfasste 28 Konzerte zwischen dem 16. Juli und dem 1. August. Dazu zählen unter anderem Konzerte mit Renaud Capuçon, Yuja Wang, Martha Argerich und Mischa Maisky sowie Vorstellungen der Oper «Salome». Mehr Informationen gibt es im Netz unter www.medici.tv.

Der Schweizer Sender DRS2 geht neue Wege in der Konzertübertragung. In der Reihe «Weltklasse auf DRS 2» hat der Sender kürzlich Monteverdis Oper «Il ritorno d'Ulisse in patria» ausgestrahlt. Auf der DRS2-Webseite gab es dazu in Echtzeit das Libretto. Die Aufnahme vom Barockfestival in Beaune von Anfang Juli konnte erstmals nicht nur mitgehört, sondern auch online mitgelesen werden. Die Musikredaktion hatte zuvor das Libretto in Italienisch und Deutsch auf die Beauner Aufnahme angepasst und es den Hörerinnen und Hörern auf der Website des Kultursenders zum Mitlesen zur Verfügung gestellt.

Die Bochumer Symphoniker hoffen nach wie vor auf grünes Licht für den geplanten Bau eines Konzerthauses - trotz der finanziellen Notlage der Stadt. Mit einer Entscheidung wird noch in diesem Sommer gerechnet. Im Gespräch ist unter anderem eine finanzielle Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann fordert für den Umgang mit dem Internet internationale rechtliche Rahmenbedingungen. Die Politik sei nach wie vor angehalten, diese Revolution des späten 20. Jahrhunderts im Interesse der Nutzer zu gestalten, sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin «Focus». Das drängendste Problem liegt für ihn im wirksamen Schutz des Urheberrechts.

Die Deutsche Phono-Akademie hat die Träger des Echo Klassik 2010 publik gemacht - 61 Preisträger in 21 Kategorien. Gewinner sind unter anderen Alice Sara Ott, Nils Mönkemeyer, Arabella Steinbacher, Martin Schmeding und Hardy Rittner. Joyce DiDonato wird für ihr Album «Colbran, The Muse» zur Sängerin des Jahres gekürt, Jonas Kaufmann erhält den Titel Sänger des Jahres für seine Einspielung «Sehnsucht». Die Auszeichnung «Instrumentalist des Jahres» geht an den Cembalisten Siegbert Rampe für das Album «Klavierwerke» (Wilhelm Friedemann Bach), den Pianisten Lang Lang für «Klaviertrios» (Tschaikowsky/Rachmaninoff), den Oboisten Albrecht Mayer für seine Einspielung «Bach-Werke für Oboe, Orchester und Chor», Martin Schmeding («J. S. Bach: Goldberg-Variationen (Fassung für Orgel)») sowie an die Violinistin Tabea Zimmermann für «Suiten für Viola» (J. S. Bach/M. Reger). Paavo Järvi wird mit Ludwig van Beethovens «Sinfonien 2 & 6» zum Dirigenten des Jahres ernannt. Den Echo Klassik als Bestseller des Jahres erhält David Garrett für sein Album «Classic Romance». Alle weiteren Preisträger finden sich auf www.echoklassik.de.

Am New England Conservatory of Music in den USA ausgebildete Lehrer für ein El Sistema nach venezolanischem Vorbild haben in der Region von Boston ihre Tätigkeit aufgenommen. Auch in Paris wird das Erfolgsmodell kopiert. El Sistema USA hat die ersten acht Pädagogen in die Praxis entlassen. Sie haben ihre Tätigkeit unter anderem am Conservatory Lab Charter School in Brighton aufgenommen. Auch in Frankreich findet das von Jose Antonio Abreu ins Leben gerufene venezolanische Jugendorchester-Programm Nachahmer. Im Rahmen des Projektes Demos Orchestra haben 450 Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren aus Pariser Vororten Instrumentalunterricht erhalten. Belohnt werden sie mit einem Auftritt in der Salle Pleyel.

Das Toronto Symphony Orchestra wollte nach dem Vorbild der Tanglewood-Konzerte der Boston Symphony in der Nähe der Niagarafälle ein Sommerfestival ins Leben rufen. Diese Pläne sind nun bachab gegangen. Laut kanadischen Medien ist das Projekt, das 76,5 Millionen Dollar gekostet hätte, an der Finanzierung gescheitert. Weder die Bundesregierung noch die lokalen Behörden machten verbindliche Zusagen. «Project Niagara» hätte am Rande des Ontariosees auf einem früheren Gelände des Verteidigungsministeriums realisiert werden sollen.

Der englische Musikforscher und Händel-Experte Terence Best ist zum Ehrenmitglied der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft ernannt worden. Best habe Eigenart und Erscheinung der Hallischen Händel-Ausgabe wesentlich bestimmt und ihrem weltweiten Erfolg den Weg geebnet, sagte der Präsident der Händel-Gesellschaft, Wolfgang Hirschmann, im Rahmen der Mitgliederversammlung, die während der diesjährigen Händel-Festspiele in Halle tagte. Zu den 130 Festival-Veranstaltungen kamen dieses Jahr rund 40 000 Besucher; das entspricht einer Auslastung von rund 80 Prozent.

Pamela Rosenberg, ehemalige Intendantin der Berliner Philharmoniker, wird Anfang September an die American Academy in Berlin wechseln. Sie übernimmt die neu geschaffene Position eines «Dean of Fellows and Programs» im Führungsteam des Hauses und wird sich dem deutsch-amerikanischen Kulturaustausch widmen.

Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, ist am 14. Juni mit dem Orden eines Ritters der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. Damit ehrt Frankreich den 55-Jährigen für seine Verdienste um die Verbreitung des französischen Musikrepertoires und seine wegweisenden Impulse für moderne Musik. Unterdessen hat Rattles Orchester, die Berliner Philharmoniker, 130 000 Euro für die UNICEF-Nothilfe in Haiti gespendet. Die Summe war der Erlös aus einem Benefizkonzert im Februar.

Die Intendantin des Gießener Stadttheaters, Cathérine Miville, wird das Dreispartenhaus auch nach 2012 weiter leiten. Ihr Vertrag wird um fünf Jahre verlängert.

Karel Mark Chichon übernimmt ab der Spielzeit 2011/12 den Posten des Chef-?dirigenten beim gemeinsamen Orchester des Saarländischen Rundfunks (SR) und des Südwestrundfunks (SWR). Er tritt damit die Nachfolge von Christoph Poppen an.

Der 80-jährige französische Organist Jean Guillou, der in Zürich mehr als dreißig Jahre lang eine Reihe von Meisterkursen mitgeprägt hat, hat die Aufnahme in die Ehrenlegion abgelehnt. Damit ist er in bester Gesellschaft. Guillou lehnt die Ehrung ab, weil seiner Ansicht nach die klassische Musik in Frankreich zu wenig sichtbar ist. Der seit 1963 an der Pariser Kirche Saint-Eustache tätige Organist sähe es lieber, wenn anstatt persönlicher Ehrungen seine kompositorischen Werke und seine Aktivitäten als Interpret stärker wahrgenommen würden.Guillou ist übrigens nicht der erste prominente Musiker, der den Ehrentitel ablehnt. Zuvor hat dies bereits Maurice Ravel getan - seinerzeit allerdings ohne Angabe von Gründen.

Die Schauspielerin Iris Berben und der Pianist Lang Lang sind in Leipzig mit dem Internationalen Mendelssohn-Preis 2010 ausgezeichnet worden. Berben wurde für ihr gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet, Lang Lang für sein musikalisches Wirken. Der undotierte Preis wird seit 2007 verliehen.

Die vor einem Jahr in Budapest ins Leben gerufene International Liszt Association (ILA) plant eine Internetdokumentation der Konzertreisen Liszts mit allen Programmen sowie eine Datenbank mit sämtlichen Briefen Liszts. Mit dem Projekt sollen unter anderem die zahlreichen, über die ganze Welt in kleineren Bibliotheken und Archiven verstreuten Briefe erfasst werden, die bislang in der Liszt-Forschung völlig unbekannt sind. Die ersten Ergebnisse werden für das Jubiläumsjahr 2011 erwartet. An einem an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar durchgeführten Workshop ist die ILA als Dachverband nationaler Lisztgesellschaften, Lisztfestivals, Liszt-Hochschulen und namhafter Lisztinterpreten und -forscher formell eingerichtet worden. Detlef Altenburg (Weimar) wurde als Präsident, Tamás Klanjánsky (Budapest) als Vizepräsident wiedergewählt. In das Board wurden Vertreter aus Frankreich, Großbritannien, Japan, Litauen, den Niederlanden und den USA berufen. Zum 200. Geburtstag Franz Liszts im kommenden Jahr werden Wettbewerbe, Festivals, Kongresse und Filme vorbereitet.

Bernd Loebe
, Intendant der Oper Frankfurt, ist neuer Vorsitzender der Deutschen Opernkonferenz und damit Nachfolger des nach fünf Jahren aus dem Amt scheidenden ehemaligen Intendanten der Sächsischen Staatsoper Dresden, Gerd Uecker. Dies wurde im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Opernkonferenz bekanntgegeben. Als oberstes Ziel wurde eine verstärkte Bildung formuliert. Gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche benötige die Gesellschaft ein Forum der Reflexion, sagte Loebe. Die Oper habe hierbei einen besonders hohen Stellenwert.

Im Rahmen der Kampagne «Ohne Musik keine Bildung» hat der Deutsche Musikrat eine intensivere musikalische Erziehung von Kindern und Jugendlichen gefordert. Deutschland müsse seine Chance neu ergreifen und jedem Kind und Jugendlichen den Zugang zur aktiven musikalischen Erfahrung ermöglichen, sagte der Generalsekretär des Deutschen Musikrats, Christian Höppner. Zwischen dem 17. und 21. Juni hatten deutschlandweit rund 1500 Veranstaltungen unter dem Motto «Tag der Musik» stattgefunden. Zu den Unterstützern zählen neben dem Deutschen Musikrat unter anderem das Konzerthaus Berlin, die Berliner Philharmoniker und die Akademie der Künste.

Laut einem Bericht der «New York Times» hat der Dirigent Lorin Maazel für seine letzten Saison mit den New Yorker Philharmonikern 3,3 Millionen Dollar Lohn bezogen, 500 000 Dollar mehr als in der vorausgegangenen Saison. Maazel, der mit seinem Abgangslohn zu den bestverdienenden Dirigenten der Welt zählt, hat die Leitung des Spitzenorchesters 2009 an Alan Gilbert übergeben. Über dessen Entschädigung schweigt sich das Ensemble aus. Zarin Mehta, der Präsident und Executive Director des Orchesters, kassierte in der Saison 2008/09 eine Million Dollar. Mitinbegriffen ist dabei offenbar ein Bonus von 100 000 Dollar. In der Zeit von Maazels Spitzenlohn haben die New Yorker Philharmoniker laut «New York Times» ein Rekorddefizit von 4,6 Millionen Dollar eingefahren.

Das Johann-Strauß-Denkmal im Wiener Stadtpark, eine der meist fotografierten Ikonen der populären Klassik, muss dringend saniert werden. Die Stadt Wien lässt sich das Facelifting eine Stange Geld kosten. Laut österreichischen Pressemeldungen zeigen der Marmorbogen des von Edmund Hellmer 1921 geschaffenen Denkmals feine Risse und die Stufen offene Fugen. Der Sockel hat sich grün verfärbt. Auch die Vergoldung des Walzerkönigs muss erneuert werden. Aufgeworfen werden dafür rund 360 000 Euro. Dazu wird das Denkmal abgebaut und gründlich überarbeitet. Die Renovation soll im Frühjahr 2011 abgeschlossen sein.

Das Akustikon der «Hörstadt Linz», ein ungewöhnliches Erlebnis- und Forschungshaus zur akustischen Umgebung, hat seinen Betrieb mangels öffentlicher Gelder Ende Juni eingestellt. Ziel dieses sozialwissenschaftlichen Projekts aus dem Kulturhauptstadtjahr Linz 09 war es gewesen, den akustischen Raum als einen politischen Raum zu verstehen und eine Theorie der akustischen Hegemonie zu entwickeln. Darüber hinaus war das Akustikon als Ort der Forschung und Lehre sowie der akustischen Beratung und Dienstleistung im Bauwesen, der Stadt- und Verkehrsplanung konzipiert.

Laut österreichischen Pressemeldungen wird das Vienna Art Orchestra (VAO) des Schweizer Bandleaders Mathias Rüegg definitiv aufgelöst. Wie die «Kleine Zeitung» schreibt, haben «chronische Unterfinanzierung, ein massiver Nachfragerückgang aus den Kernländern Österreich, Schweiz und Deutschland sowie wirtschaftsbedingtes Einbrechen von Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich» Rüegg zu dem Schritt veranlasst. Für eine Weiterexistenz hätte das Orchester einen Finanzzuschuss von rund 200 000 Euro benötigt. Die Stadt Wien will es allerdings nicht mehr unterstützen. Vor drei Jahren hatte sich der Hauptsponsor Bank Austria zurückgezogen. Zum letzten Mal auf der Bühne war das Ensemble letzte Woche beim Musikforum Viktring im österreichischen Klagenfurt. Insgesamt war das VAO 33 Jahre aktiv.

Das Londoner King's College offeriert im Rahmen seines Charm-Projektes (Centre for the History and Analysis of Recorded Music) alte 78-RPM-Aufnahmen digitalisiert zum Herunterladen an. Greifbar sind rund 5000 Tondokumente. Damit erweckt das Projekt legendäre Aufnahmen wieder zum Leben, die sonst in den Archiven verstaubt wären. Wert legt das Projekt speziell darauf, klingende Zeugen der Zeit wieder verfügbar zu machen, die nicht als CD oder online angeboten werden. Das Projekt ermöglicht so Wiederbegegnungen mit Künstlern wie den Geigern Albert Sammons oder Yovanovitch Bratza oder den Pianisten Karol Szreter und Mischa Spoliansky. Weitere Informationen gibt es hier.

Erst gab es den Wettbewerb. Nun gibt es auch den Kongress gleichen Namens. Vom 14. bis zum 17. Oktober veranstaltet der Deutsche Musikrat gemeinsam mit Vertretern der kirchenmusikalischen Spitzenverbände in Berlin den Kongress «Einheit durch Vielfalt - Kirche macht Musik». Ziel des Kongresses ist es nach einer Mitteilung des DMR, «den Reichtum und die Fülle der Kirchenmusik in Deutschland aufzuzeigen», sowie ihre Bedeutung für Individuum und Gesellschaft.


Wettbewerbe

Nach Vorrunden in aller Welt haben sich bislang 52 Sängerinnen und Sänger für das Semifinale des Internationalen Gesangswettbewerbs für die italienische Oper «Competizione dell'Opera» qualifiziert, das Ende August in Dresden stattfindet. Ebenfalls in der sächsischen Metropole - in der Semperoper -  findet am 5. September das Finale des Wettbewerbs statt.

Vom 17. bis zum 26. September findet im Theater aan de Parade zu 's-Hertogenbosch der 48. Internationale Vokalwettbewerb 's-Hertogenbosch statt. Zu gewinnen gibt es ein Preisgeld in Höhe von 45 000 Euro sowie Engagements bei Opernensembles wie De Nederlandse Opera und Opera Zuid. Des Weiteren wird eine Rollenbesetzung für das Jahr 2011 in der Verdi-Oper «Aida» vergeben, die von I Romantici produziert wird. Alle Veranstaltungen bei dem Wettbewerb sind öffentlich. Informationen zur Bewerbung und zu den Teilnahmebedingungen gibt es unter www.internationalvocalcompetition.com.

Vom  6. bis zum 11. September 2010 dauert der 48. Concours International de Chant Toulouse, für den sich 130 junge Sängerinnen und Sänger, davon 78 Frauen (in der Mehrzahl Soprane) qualifiziert haben. Das Halbfinale findet am 9. September, das Finale am 11. September statt, Austragungsort ist in beiden Fällen das Théâtre du Capitole. Weitere Informationen gibt es unter www.chant.toulouse.fr.

 

 

28. Juni 2010

Ioan Holender wird Berater der Met
Der scheidende Intendant der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, hat einen Beratervertrag mit der New Yorker Metropolitan Opera abgeschlossen. In einem Interview bestätigte Holender die Unterzeichnung eines solchen Vertrags; dieser soll zunächst für zwei Jahre gelten. Zuvor war spekuliert worden, der Kulturmanager könne die Leitung der Budapester Oper übernehmen. Entsprechende Verhandlungen würden, so Holender, zwar geführt, seien aber noch nicht zu einem Abschluss gekommen.

Seiji Ozawa muss weitere Konzerte absagen
Seiji Ozawa hat seine sämtlichen Engagements bei den Berliner Philharmonikern in der kommenden Saison abgesagt. Der an Krebs erkrankte Dirigent benötigte nach einer schweren Operation noch eine längere Zeit der Rehabilitation, teilte das Orchester mit. Für ihn springen Simon Rattle, Stanislaw Skrowaczewski und Gustavo Dudamel ein.

Streiks an der Opéra Comique
Der Betrieb der Pariser Opéra Comique ist zum wiederholten Male von Streiks in Mitleidenschaft gezogen worden. Betroffen war unter anderem eine Aufführung von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» unter der musikalischen Leitung von John Eliot Gardiner, die bei der Premiere erst eine halbe Stunde später als angekündigt beginnen konnte. Die Angestellten streikten, um mehr Ressourcen zur Umsetzung der künstlerischen Ziele des Direktors Jérôme Deschamps zu erkämpfen, wie französische Medien berichteten. Die Opéra Comique hat seit 2005 den Status eines nationalen Theaters und wird seit 2007 von Deschamps geleitet.

Nancy Fabiola Herrera gewinnt Domingo Award 2010
Die spanische Mezzosopranistin Nancy Fabiola Herrera hat den Plácido Domingo Award 2010 gewonnen, der von der Los Angeles Opera vergeben wird. Überreicht wird ihr die Ehrung im Rahmen eines Galadinners nach einer Aufführung von «Il postino» des mexikanischen Komponisten Daniel Catán, und zwar vom Namensträger des Preises höchstselbst.

Ingo Metzmacher verabschiedet sich aus Berlin
Ingo Metzmacher hat seinen Abschied aus Berlin gefeiert. Zum Saisonende endet sein Vertrag als Chefdirigent des Deutschen Symphonieorchesters Berlin. Im Rahmen der Salzburger Festspiele treten Dirigent und Orchester gemeinsam in Erscheinung: bei der Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper «Dionysos» am 27. Juli. Sein letztes Konzert als Chefdirigent des DSO gibt Metzmacher dann mit einem Gastspiel bei den «BBC Proms» in London.

Bernd Loebe übernimmt Vorsitz der Opernkonferenz
Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, ist neuer Vorsitzender der Deutschen Opernkonferenz und damit Nachfolger des nach fünf Jahren aus dem Amt scheidenden ehemaligen Intendanten der Sächsischen Staatsoper Dresden, Gerd Uecker. Dies wurde im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Opernkonferenz bekanntgegeben. Als oberstes Ziel wurde eine verstärkte Bildung formuliert. Gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche benötige die Gesellschaft ein Forum der Reflexion, sagte Loebe. Die Oper habe hierbei einen besonders hohen Stellenwert.

Leo Hussain verlängert in Salzburg
Der Musikdirektor des Landestheaters Salzburg, Leo Hussain, hat seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2011/12 verlängert. Hussain, der diese Funktion seit 2009 innehat, wird pro Spielzeit drei Opernproduktion federführend betreuen, teilte das Landestheater mit.

Glimmerglass 2011
Die Glimmerglass Opera präsentiert in der Sommersaison 2011, dann unter dem neuen Namen «The Glimmerglass Festival», neue Produktionen von Bizets «Carmen», des Musicals «Annie Get Your Gun» (von Irving Berlin) sowie Cherubinis «Medea» sowie - als Doppelpack - die Weltpremiere des von der Glimmerglass Opera in Auftrag gegebenen Stücks «A Blizzard in Marblehead Neck» (die Musik schrieb Jeanine Tesori, das Libretto Tony Kushner) und die sogenannte «professional premiere» des Einakters «Later the Same Evening» (John Musto und Mark Campbell). Das teilte die neue Künstlerische Leiterin der Opernkompagnie, Francesca Zambella, mit. Das Festival wird vom 2. Juli bis zum 23. August 2011 stattfinden.

Marcus Creed verlängert beim SWR Vokalensemble
Marcus Creed, Chefdirigent des SWR Vokalensembles Stuttgart, hat seinen Vertrag um drei weitere Jahre bis Ende 2014 verlängert. Creed steht seit 2003 an der Spitze des international renommierten Klangkörpers, der zuletzt Ende 2009 als «Ensemble des Jahres» mit dem Echo Klassik Preis ausgezeichnet worden war.

Yannick Nézet-Séguin geht nach Philadelphia
Yannick Nézet-Séguin wird ab der Spielzeit 2012/13 Music Director des Philadelphia Orchestra. Der kanadische Dirigent, der bereits die Chefposition beim Rotterdam Philharmonic Orchestra innehat, erhält einen Siebenjahres-Vertrag. Er tritt die Nachfolge von Charles Dutoit an, der zum Conductor Laureate ernannt wurde.

Noch ein Amt für Plácido Domingo
Plácido Domingo ist zum Präsidenten von Europa Nostra ernannt worden, der Dachorganisation der europäischen Denkmalschützer. Der Tenor, Dirigent und Chef der Los Angeles und Washington National Opera folgt in diesem Amt auf die Infanta Pilar de Borbón, die Schwester des spanischen Königs Juan Carlos I. Europa Nostra umfasst rund 200 regionale und nationale Organisationen, 170 assoziierte Verbände und 1500 Einzelmitglieder. Die Organisation setzt sich für hohe Qualitätsnormen beim Erhalt des Kulturerbes in Architektur, Stadtplanung und Landschaftsgestaltung ein.

Codex Manesse in Heidelberg
Anlässlich des 625-jährigen Jubiläums der Universität Heidelberg wird der legendäre, zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Zürich entstandene Codex Manesse nach längerer Zeit erstmals wieder öffentlich zu sehen sein. Die Universitätsbibliothek Heidelberg zeigt die prachtvoll gestaltete Sammlung mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung, die aus konservatorischen Gründen nur äußerst selten die klimatisierten Tresore der Bibliothek verlassen darf, von Oktober an in einer Ausstellung mit dem Titel «Der Codex Manesse und die Entdeckung der Liebe». Nähere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse manesse2010@uni-hd.de

Gianandrea Noseda verlässt London
Der italienische Dirigent Gianandrea Noseda hat angekündigt, dass er seinen Posten als Chefdirigent des BBC Philharmonic Orchestra zum Ende der kommenden Saison aufgeben wird. In seiner letzten Spielzeit will sich Noseda, der zudem musikalischer Leiter des Turiner Teatro Regio ist, auf Werke von Beethoven, Rachmaninow, Liszt und Strauss konzentrieren. Den Abschluss bildet eine konzertante Aufführung von Verdis «Otello». Internationales Aufsehen erregte Noseda mit dem BBC Philharmonic Orchestra in den vergangenen Jahren unter anderem mit einer Pioniertat: dem Angebot eines freien Downloads sämtlicher Beethoven-Symphonien.

Eutiner Festspiele suchen wieder Geschäftsführer
Die Eutiner Festspiele haben noch keinen neuen Geschäftsführer. Laut einem Bericht der «Lübecker Nachrichten» hat sich der erst im Januar für dieses Amt bestimmte Kulturmanager Stephan Jöris zurückgezogen und den Vertrag nicht unterzeichnet. Als Grund nannte Jöris, der zuvor bei den Bayreuther Festspielen am Grünen Hügel tätig war, dass ihm die für seine Arbeit erforderlichen Rahmenbedingungen nicht gewährt worden seien.

Sydneys Oper kann saniert werden
Das sanierungsbedürftige Opernhaus von Sydney wird einem gründlichen Facelifting unterzogen. Unter anderem werden die Bühnenaufzüge erneuert und unterirdische Zugänge für Lkw-Anlieferungen erstellt. Die Finanzierung der Arbeiten ist von Kristina Keneally, der Premierministerin des australischen Bundesstaates New South Wales, zugesichert worden. Für die Sanierung sind drei Jahre avisiert. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 800 Millionen australische Dollar. Nicht ganz so teuer ist eine Aktion der Performerin Laurie Anderson. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Popsänger Lou Reed, hat sie im Opernhaus von Sydney ein Konzert realisiert, dessen Frequenzen nur von Hunden wahrgenommen werden konnte.

Bach-Handschriften im Internet
Die Bach-Handschriften der bedeutendsten Archive zum Werk des Thomaskantors sind dank eines neuen Web-Portals seit Kurzem in höchster Bildqualität mit umfangreichen Informationen im Internet zugänglich. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Arbeit ist es nun möglich, auf die Bestände unter anderem der Staatsbibliothek zu Berlin, der Jagiellonischen Bibliothek Krakau, des Bach-Archivs Leipzig sowie der Sächsischen Landesbibliothek zuzugreifen. Die meisten Werkautographen und Originalstimmen zu Bachs Werken befinden sich in diesen Städten. Im Moment sind etwa 40 Prozent des Gesamtbestandes von über 20 000 Seiten der 697 Handschriften eingearbeitet. Bis 2011 sollen diese vollständig verfügbar sein. Weitere Informationen gibt es unter der Adresse www.bach-digital.de

Young Euro Classic Festival gründet Orchester
Das Berliner Festival Young Euro Classic hat ein Festivalorchester Südosteuropa ins Leben gerufen, das Jugendliche aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien und aus Deutschland zusammenbringt. Gesucht werden nach wie vor Orchesterpaten. Das eigens für das Festival zusammengestellte Orchester, das seinen ersten Auftritt im August im Berliner Konzerthaus haben wird, setzt sich aus etwa 50 Musikstudenten zusammen; die Leitung hat der Cellist und Dirigent Heinrich Schiff übernommen. Nach dem Berliner Konzert geht das Orchester auf Tournee, zunächst nach Kassel und dann in Richtung Balkan. Auf dem Programm stehen Auftritte beim Cetinje Cultural Summer in Montenegro, an der Musikhochschule in Sarajevo sowie beim Split Summer Festival in Kroatien.

Met verstärkt für neuen «Ring» den Bühnenboden
Um das 45 Tonnen schwere Szenenbild, das Regisseur Robert Lepage für seine Inszenierung von Wagners «Ring» benötigt, auf die Bühne zu hieven, hat die New Yorker Met den Bühnenboden verstärken müssen. Dazu wurden drei rund dreißig Meter lange Stahlträger eingezogen. Die Maßnahme ist der seit Jahren aufwändigste und kostspieligste Eingriff in die Infrastruktur des Hauses. Laut einem Bericht der «New York Times» kosten allein diese Arbeiten 125 000 US-Dollar. Die Gesamtkosten für Lepages Inszenierung werden sich, so vermutet die Zeitung, auf mindestens 16 Millionen Dollar belaufen.

Bochum hofft auf neues Konzerthaus
Die Bochumer Symphoniker hoffen nach wie vor auf grünes Licht für den geplanten Bau eines Konzerthauses - trotz der finanziellen Notlage der Stadt. Mit einer Entscheidung wird noch in diesem Sommer gerechnet. Im Gespräch ist unter anderem eine finanzielle Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Neumann fordert verbessertes Urheberrecht
Kulturstaatsminister Bernd Neumann fordert für den Umgang mit dem Internet internationale rechtliche Rahmenbedingungen. Die Politik sei nach wie vor angehalten, diese Revolution des späten 20. Jahrhunderts im Interesse der Nutzer zu gestalten, sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin «Focus». Das drängendste Problem liegt für ihn im wirksamen Schutz des Urheberrechts.

Terence Best Ehrenmitglied der Händel-Gesellschaft
Der englische Musikforscher und Händel-Experte Terence Best ist zum Ehrenmitglied der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft ernannt worden. Best habe Eigenart und Erscheinung der Hallischen Händel-Ausgabe wesentlich bestimmt und ihrem weltweiten Erfolg den Weg geebnet, sagte der Präsident der Händel-Gesellschaft, Wolfgang Hirschmann, im Rahmen der Mitgliederversammlung, die während der diesjährigen Händel-Festspiele in Halle tagte. Zu den 130 Festival-Veranstaltungen kamen dieses Jahr rund 40 000 Besucher; das entspricht einer Auslastung von rund 80 Prozent.

Pamela Rosenberg geht zur American Academy
Pamela Rosenberg, ehemalige Intendantin der Berliner Philharmoniker, wird Anfang September an die American Academy in Berlin wechseln. Sie übernimmt die neu geschaffene Position eines «Dean of Fellows and Programs» im Führungsteam des Hauses und wird sich dem deutsch-amerikanischen Kulturaustausch widmen.

Simon Rattle Ritter der französischen Ehrenlegion
Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, ist am 14. Juni mit dem Orden eines Ritters der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. Damit ehrt Frankreich den 55-Jährigen für seine Verdienste um die Verbreitung des französischen Musikrepertoires und seine wegweisenden Impulse für moderne Musik. Unterdessen hat Rattles Orchester, die Berliner Philharmoniker, 130 000 Euro für die UNICEF-Nothilfe in Haiti gespendet. Die Summe war der Erlös aus einem Benefizkonzert im Februar.

Cathérine Miville bleibt in Gießen
Die Intendantin des Gießener Stadttheaters, Cathérine Miville, wird das Dreispartenhaus auch nach 2012 weiter leiten. Ihr Vertrag wird um fünf Jahre verlängert.

Karel Mark Chichon übernimmt Orchester des SR und SWR
Karel Mark Chichon übernimmt ab der Spielzeit 2011/12 den Posten des Chefdirigenten beim gemeinsamen Orchester des Saarländischen Rundfunks (SR) und des Südwestrundfunks (SWR). Er tritt damit die Nachfolge von Christoph Poppen an.

Iris Berben und Lang Lang geehrt
Die Schauspielerin Iris Berben und der Pianist Lang Lang sind in Leipzig mit dem Internationalen Mendelssohn-Preis 2010 ausgezeichnet worden. Berben wurde für ihr gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet, Lang Lang für sein musikalisches Wirken. Der undotierte Preis wird seit 2007 verliehen.

«Pavillon 21» in München feierlich eingeweiht
Im Rahmen der Münchner Opernfestspiele ist am 14. Juni auf dem Marstallplatz hinter dem Nationaltheater die neue Experimentalspielstätte der Bayerischen Staatsoper, der «Pavillon 21», eingeweiht worden. Das architektonische Schaustück soll nach offizieller Verlautbarung als Ort für innovative Musiktheaterformen dienen, ist aber auch als exklusive Clubbing-Location und Publikums-Treffpunkt während der Festspiele gedacht.

Deutscher Musikrat fordert Ausbau des Musikunterrichts
Im Rahmen der Kampagne «Ohne Musik keine Bildung» hat der Deutsche Musikrat eine intensivere musikalische Erziehung von Kindern und Jugendlichen gefordert. Deutschland müsse seine Chance neu ergreifen und jedem Kind und Jugendlichen den Zugang zur aktiven musikalischen Erfahrung ermöglichen, sagte der Generalsekretär des Deutschen Musikrats, Christian Höppner. Zwischen dem 17. und 21. Juni hatten deutschlandweit rund 1500 Veranstaltungen unter dem Motto «Tag der Musik» stattgefunden. Zu den Unterstützern zählen neben dem Deutschen Musikrat unter anderem das Konzerthaus Berlin, die Berliner Philharmoniker und die Akademie der Künste.

Linzer Akustikon geschlossen
Das Akustikon der «Hörstadt Linz», ein ungewöhnliches Erlebnis- und Forschungshaus zur akustischen Umgebung, hat seinen Betrieb mangels öffentlicher Gelder Ende Juni eingestellt. Ziel dieses sozialwissenschaftlichen Projekts aus dem Kulturhauptstadtjahr Linz 09 war es gewesen, den akustischen Raum als einen politischen Raum zu verstehen und eine Theorie der akustischen Hegemonie zu entwickeln. Darüber hinaus war das Akustikon als Ort der Forschung und Lehre sowie der akustischen Beratung und Dienstleistung im Bauwesen, der Stadt- und Verkehrsplanung konzipiert.


Abschiede

Maureen Foster gestorben
Im Alter von 79 Jahren ist am 15. Juni die kanadische Opern- und Konzertsängerin Maureen Foster in Toronto gestorben. Die 1930 geborene Altistin begann ihre Karriere in Kirchenchören und studierte bei Bernard Diamant. Ihr professionelles Debüt gab Big Mo, wie sie kosehalber genannt wurde, im Alter von 21 Jahren beim Montreal Elgar Choir. Bei den Montrealer Symphonikern sang sie erstmals 1953, zwei Jahre später trat sie erstmals in Europa auf. Vor allem als Mahler-Interpretin  war Maureen Foster eine der führenden Sängerinnen ihrer Zeit; dabei arbeitete sie unter anderem mit Bruno Walter, Fritz Reiner und George Szell zusammen. Wie groß ihre vokale Vielfalt war, belegen die Alt-Partien, die sie auf der Opernbühne verkörperte: den Gluck'schen «Orpheus», die Cornelia in Händels «Giulio Cesare», die Wagner-Rollen Erda, Fricka und Brangäne sowie Ulrica in «Un ballo in maschera» von Verdi und die Klytmämnestra in Strauss' «Elektra». Für ihre Verdienste als Opernsängerin erhielt Maureen Foster 2000 den Ruby Award.

Ernest Fleischmann ist tot
Im Alter von 85 Jahren ist der Impresario Ernest Fleischmann gestorben. Das teilte die «Los Angeles Times» mit. Fleischmann, den Pierre Boulez einmal als einen «Adler, der hoch fliegt und dennoch die kleinste Maus sieht» bezeichnet hat, prägte knapp dreißig Jahre lang das Gesicht des Los Angeles Philharmonic Orchestra, von 1969 bis 1998. Ferner gilt er als Erneuerer der Tradition der sommerlichen Konzerte in der Hollywood Bowl, die das Musikleben von L. A. maßgeblich mitprägen.

Norbert Klein gestorben
Im Alter von 57 Jahren ist Norbert Klein, persönlicher Referent und Stellvertreter des Intendanten des Nürnberger Staatstheaters Peter Theiler am 11. Juni gestorben. Der gebürtige Düsseldorfer war als Dramaturg an den Theatern von Trier, Oldenburg und Bremen beschäftigt. Am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen begann seine langjährige Zusammenarbeit mit Theiler, die sich in Nürnberg fortsetzte. Zuletzt hatte Norbert Klein die Produktion der Auftragsoper «Das Holzschiff» von Detlev Glanert betreut. Dieser hat das Werk nun Klein gewidmet.

Diether de la Motte ist tot
Der Musikwissenschaftler Dieter de la Motte ist tot. Er wurde 1928 in Bonn geboren und studierte die Fächer Komposition, Klavier und Chorleitung. Von 1962 bis 1981 unterrichtete er an der Musikhochschule Hamburg; danach lehrte de la Motte in Hannover und in Wien. Seine Bücher «Musikalische Analyse» (1968), die in zahlreiche Sprachen übersetzte «Harmonielehre» (1976) und «Kontrapunkt» (1981) gelten als Standardwerke einer musikalischen Theorie, die analytisch ausgerichtet ist und historisch differenziert. Auch als Komponist trat Dieter de la Motte in Erscheinung. Er verfasste sowohl vokale als auch instrumentale und szenische Werke. Zu seinen Kompositionsschülern zählen unter anderem Manfred Trojahn und Detlef Glanert.


Jubilare

Heinrich Sutermeister zum 100.
Die praktische Musik war nicht seine erste und ausschließliche Wahl. Zunächst studierte Heinrich Sutermeister in Basel und Paris Musikgeschichte und Philologie, bevor er ab 1932 Schüler von Carl Orff, Hans Pfitzner (Komposition), Walter Courvoisier (Harmonielehre und Kontrapunkt) und Hugo Röhr (Dirigieren) an der Akademie für Tonkunst in München wurde. Nach einer kurzen Zeit als Korrepetitor am Berner Theater zog sich Sutermeister als freischaffender Komponist nach Vaux-sur-Morges zurück. Sein vielfältiges ‘uvre umfasst neben Opern - darunter die Literaturvertonungen «Romeo und Julia» (auf Shakespeare), «Raskolnikoff» (nach Dostojewskis Roman «Schuld und Sühne») und «Madame Bovary» (auf Flaubert) - und Ballettmusiken zahlreiche Orchesterwerke sowie Vokal- und Kammermusik. Von 1963 bis 1975 leitete Sutermeister eine Kompositionsklasse an der Musikhochschule Hannover, seit 1977 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Am 12. August gedenkt die Musikwelt des 100. Geburtstags dieses in Vergessenheit geratenen Komponisten, der am 16. März 1995 starb.

Pier Luigi Pizzi zum 80.
Seine erste Liebe galt der Architektur. Doch schon bald konnte Pier Luigi Pizzi keinen Hehl mehr aus seiner Schwäche für das Theater machen. Nachdem er Giorgio Strehler begegnet war und am Teatro Tommaseo in Genua erste Eindrücke gewonnen hatte, blieb er der Bühne treu - und wurde, bevorzugt als Partner von Luca Ronconi, zunächst einer der stilprägenden italienischen Bühnen- und Kostümbildner sowohl im Bereich der Oper wie im Schauspiel, bevor er nach 1977 auch als Regisseur in Erscheinung trat. Pizzi arbeitete an allen großen (Musik-)Theatern der Welt: in Wien sowohl am Burgtheater als auch an der Staatsoper, an der Mailänder Scala, an Covent Garden, an der Bayerischen Staatsoper und an vielen Häusern seines Heimatlandes. 1990 begann der reguläre Opernbetrieb an der neue Bastille-Oper in Paris mit seiner Inszenierung von «Les Troyens». Auch zur Wiedereröffnung der Scala im Jahre 2004 wurde Pizzi gebeten, Bühne und Kostüme für Antonio Salieris «L'Europa riconosciuta» zu gestalten, wobei er erneut mit Luca Ronconi zusammenarbeitete. Am 15. Juni feierte Pizzi seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Dmitri Kitajenko zum 70.
In der Szene gilt er vielen immer noch als Geheimtipp. Dabei müsste sich längst herumgesprochen haben, dass Dmitri Kitajenko zu den versiertesten Vertretern der Dirigentenzunft zählt. Nach dem Studium in seiner Heimatstadt Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, und in Moskau gewann er 1969 den ersten Internationalen Herbert-von-Karajan-Wettbewerb in Berlin. Mit 29 Jahren wurde er zum Chefdirigenten der Moskauer Oper ernannt, 1976 in gleicher Position beim Philharmonischen Orchester der russischen Hauptstadt tätig, 1990 ging Kitajenko in den Westen und wurde noch im gleichen Jahr Chefdirigent des Symphonieorchesters des Hessischen Rundfunks (eine Position, die er sechs Jahre lang innehatte) sowie des Berner Symphonie-Orchesters, dem er bis 2004 vorstand. Seit 1999 ist Kitajenko, dessen Repertoireschwerpunkt die russische Musik ist, Chefdirigent beim südkoreanischen Rundfunkorchester. Am 18. August feiert er seinen 70. Geburtstag. Dazu herzlichen Glückwunsch!

Gertrude Jahn zum 70.
Ihr Operndebüt gab sie, als Ersatz für Grace Bumbry, in Glucks «Orpheus und Eurydike», das war 1963 in Basel. Vier Jahre später stand die in Zagreb geborene Sopranistin Gertrude Jahn erstmals auf der Bühne der Wiener Staatsoper, jenem Haus, dem sie dann mehr als 25 Jahre eng verbunden blieb, dabei aber in der ganzen Welt auf den wichtigen Opernbühnen stand. Ihr Repertoire war weitgespannt, darin kam die Carmen ebenso vor wie Verdis «Don Carlo»-Eboli, der «Rosenkavalier»-Oktavian, die Mrs. Sedley in «Peter Grimes» ebenso wie Gräfin Geschwitz in Bergs «Lulu». Auch als Liedsängerin wusste die Sängerin zu überzeugen, zumal sie sowohl im französischen als auch im italienischen, russischen und deutschen Repertoire bewandert war. Am 13. August feiert Gertrude Jahn ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren.

Rita Shane zum 70.
Eingefleischte Opernfans kennen sie selbstredend. Nicht nur sang die amerikanische Sopranistin Rita Shane in fast allen großen US-Städten, nicht nur war sie zehn Jahre eine der wirkmächtigsten Darstellerinnen an der Met, auch in Europa machte sie sich bald nach ihrem Debüt an der Mailänder Scala einen Namen, zumal als Mozart-Interpretin. Die Königin der Nacht, Constanze, Donna Anna zählten zu ihren Paraderollen. Darüber hinaus war sie aber auch als Verdi-Sängerin gefragt: als Gilda, als Oscar und natürlich als Violetta. Nach ihrer aktiven Karriere wurde Rita Shane Professorin an der Eastman School of Music. Am 15. August feiert sie ihren 70. Geburtstag, zu dem wir an dieser Stelle herzlich gratulieren.

Enzo Mascherini zum 100.
Er zählt zu den führenden Baritonen seiner Zeit. Sein Debüt als Opernsänger gab der gebürtiger Florentiner Enzo Mascherini 1937 als Germont in Verdis «La traviata»; ein Jahr später trat er in der äußerst selten aufgeführten Oper «Antonio e Cleopatra» seines Landsmannes Gian Francesca Malipiero auf. Es folgten erste Auftritte am Teatro San Carlo in Neapel und an der Mailänder Scala. In der Folge feierte Mascherini an den wichtigen Opernbühnen weltweit große Erfolge als Marcello in «La Bohème» (mit dieser Rolle debütierte er 1949 auch an der Met), als Silvio in «I pagliacci», als Rigoletto (unter anderem mit Erna Berger als Gilda), Lescaut in «Manon Lescaut» und Andrea Chénier. Nach seinem Abschied von der Bühne wirkte er als Lehrer in Florenz. Zuvor hatte er zweimal an der Seite der legendären Maria Callas, einmal beim Maggio Musicale in seiner Heimatstadt, als Montforte in «I vespri siciliani» unter Leitung von Erich Kleiber und dann, zur Eröffnung der Scala-Saison 1952/53, als Macbeth (Victor de Sabata dirigierte). Am 6. August wäre Enzo Mascherini, der am 29. Juli 1981 in Livorno starb, einhundert Jahre alt geworden. Die Musikwelt gedenkt seiner.


Wettbewerbe

Endspurt beim «Competizione dell'Opera»
Nach Vorrunden in aller Welt haben sich bislang 52 Sängerinnen und Sänger für das Semifinale des Internationalen Gesangswettbewerbs für die italienische Oper «Competizione dell'Opera» qualifiziert, das Ende August in Dresden stattfindet. Ebenfalls in der sächsischen Metropole - in der Semperoper -  findet am 5. September das Finale des Wettbewerbs statt.

 

18. Juni 2010

Teatro Colón wiedereröffnet
Dreieinhalb Jahre war das Teatro Colón in Buenos Aires geschlossen. Immer wieder hatten sich die Sanierungsarbeiten im größten Opernhaus Südamerikas in die Länge gezogen, überschattet von Planungschaos, politischen Intrigen und Geldsorgen (siehe OW 6/2010). Nun ist der legendäre Riesenbau, in dem schon Caruso und die Callas Triumphe feierten, am 24. Mai wiedereröffnet worden – am Vorabend des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit Argentiniens. Staatspräsidentin Cristina Kirchner war der Gala übrigens ferngeblieben, um dem konservativen Bürgermeister der Stadt, Mauricio Macri, nicht zu begegnen.

Neues Leitungsteam für Händel-Festspiele Göttingen
Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen starteten mit einem neuen Leitungsteam in die Festspielsaison 2010/11. Geschäftsführender Intendant des Festivals und damit Nachfolger von Benedikt Poensgen wird ab Juli der Orchestermanager Hermann Baumann. Ab Juli 2011 übernimmt dann der britische Dirigent und Cembalist Laurence Cummings die künstlerische Leitung des Festivals. Er folgt auf Nicholas McGegan. Weitere Informationen sowie das Programm der Händel-Festspiele in Göttingen gibt es unter www.haendel-festspiele.de

Frédéric Chaslin wird Chefdirigent der Santa Fe Opera
Gelernt hat er einst bei Daniel Barenboim, als dessen Assistent bei der Berliner Staatskapelle. Nun übernimmt Frédéric Chaslin mit Wirkung vom Oktober 2010 das Amt des Chefdirigenten der Santa Fe Opera, zunächst für drei Jahre. Er tritt damit die Nachfolge von Edo de Waart an, der diese Position im vergangenen Herbst niedergelegt hatte.

Peter Sellars’ «Tristan» erstmals in Deutschland
Zum Auftakt der kommenden Saison, in der Esa-Pekka Salonen seine Zeit als Artist in Residence beginnt, präsentiert das Konzerthaus Dortmund eine Aufführung der «Tristan»-Inszenierung von Peter Sellars mit der Videoinstallation von Bill Viola. Bislang war diese Regiearbeit in Deutschland nicht zu sehen. Im Rahmen des «Zeitinsel»-Festivals wird unter der künstlerischen Federführung Iván Fischers mit dem Budapest Festival Orchestra zudem ein repräsentativer Ausschnitt aus dem Œuvre von Béla Bartók gezeigt. Im Mittelpunkt steht hierbei die konzertante Aufführung des Einakters «Herzog Blaubarts Burg».

Neues Haus für Garsington Opera
Die Garsington Opera hat ab 2011 offenbar ein neues Zuhause. Als künftiges Domizil hofft Rosalind Ingrams, Präsidentin der Garsington Opera, Wormsley Estate benennen zu können. Das Anwesen befindet sich im Besitz der Getty-Familie. Zunächst einigte man sich auf eine Bespielung im Sommer 2011. Verhandlungen über eine weitere Nutzung sind im Gang.

Griechische Nationaloper vor dem Konkurs?
Nicht nur der griechische Staat ist pleite, nun geht es womöglich auch der Nationaloper «Ethnike Luriké Skênê» an den Kragen. Laut Medienberichten ist das Opernhaus mit 14 Millionen Euro verschuldet. Erst vor vier Jahren waren von Premierminister Costas Karamanlis Pläne für einen Neubau mit Bibliothek und Park präsentiert worden. Das von der Stiftung Stavros Niarchos mitgetragene 500-Millionen-Euro-Projekt, das bis zum Jahr 2015 realisiert werden sollte, belastet das ohnehin klamme Kulturbudget der Stadt nun so massiv, dass ein Aus für die Oper droht. Erst im vergangenen September hatte die Nationaloper eine Nothilfe von zwei Millionen Euro erhalten.

Österreichische Musikzeitschrift wird eingestellt
Laut einer Meldung der Tageszeitung «Standard» wird die Österreichische Musikzeitschrift ihren Betrieb zum Ende des Jahres einstellen. Grund ist die massive Kürzung seitens der öffentlichen Hand von 30 000 auf nunmehr 6000 Euro. Die in Pension gehende Herausgeberin des vor 65 Jahren gegründeten Fachblattes hatte für die Weiterführung zwar eine Kooperation mit dem Böhlau Verlag erarbeitet sowie eine Nachfolgeregelung gefunden – all dies jedoch bevor bekannt wurde, dass die Subventionen derart drastisch zusammengestrichen würden.

Leonard Slatkin wird Chefdirigent in Lyon
Laut französischen Pressemeldungen wird Leonard Slatkin neuer Chefdirigent des Orchestre National de Lyon und damit Nachfolger von Jun Märkl. Der 1944 geborene Dirigent war nach Leitungsfunktionen in St. Louis, New Orleans und Washington von 2000 bis 2004 Erster Dirigent des BBC Symphony Orchestra sowie ab 2005 Erster Gastdirigent beim Los Angeles Philharmonic Orchestra.

Gerard Mortier kassiert Abfindung aus New York
Die New York City Opera hat dem Kulturmanager Gerard Mortier eine Entschädigung in Höhe von 400 000 US-Dollar bezahlt. Mortier sollte das Haus wieder auf Kurs bringen, hatte aber von einem Engagement Abstand genommen, als die finanziellen Schwierigkeiten des Hauses bekannt wurden («Opernwelt» berichtete). Die New York City Opera weist derzeit ein Defizit von 19,9 Millionen Dollar auf. Neben Mortier wurden auch der künstlerische Administrator Robin Thompson und die Geschäftsführerin Jane Gullong finanziell entschädigt.

Andreas Mölich-Zebhauser verlängert in Baden-Baden
Der Intendant und Geschäftsführer des Festspielhauses Baden-Baden, Andreas Mölich-Zebhauser, hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und bleibt dem Haus nun bis zum Jahre 2019 erhalten. Mölich-Zebhauser leitet die Geschicke des mit 2500 Plätzen größten Konzerthauses Deutschlands seit 1998 und hat ihm in den vergangenen Jahren internationales Renommee eingebracht.

Valery Gergiev gewinnt Preis der Dresdner Musikfestspiele
Der russische Dirigent Valery Gergiev erhält in diesem Jahr den Preis der Dresdner Musikfestspiele. Die Ehrung ist mit 25 000 Euro dotiert und wird seit 2004 verliehen. Gergiev ist seit 1996 Intendant des Mariinsky-Theaters in St. Petersburg, wo er bereits seit 1977 als Dirigent wirkt.

James Conlon verlängert in Cincinnati
Der amerikanische Dirigent James Conlon hat seinen Vertrag als Music Director des Cincinnati May Festivals bis zum Jahr 2013 verlängert. Conlon steht seit nunmehr 31 Jahren (!) an der Spitze des Festivals und ist damit der am längsten amtierende Music Director in der 137-jährigen Geschichte. Im Rahmen des Festivals wurde Conlon, der auch Musikchef der Los Angeles Opera ist, in die «American Classical Music Hall of Fame» eingeführt und in Anerkennung seiner Verdienste um die klassische amerikanische Musik mit der entsprechenden Medaille geschmückt. Wir gratulieren herzlich.

Gounod, Verdi und Vivaldi in Macerata
In seiner 46. Saison präsentiert das Sferisterio Opera Festival in Macerata unter der Künstlerischen Leitung von Pier Luigi Pizzi in diesem Jahr Produktionen von Gounods «Faust», den Verdi-Opern «La forza del destino», «I Lombardi alla prima crociata» und «Attila» sowie Vivaldis «Juditha triumphans». Eröffnet werden die Festspiele – sie stehen unter dem Motto «A maggior gloria di Deo» –  am 29. Juli mit einer Aufführung von Monteverdis «Marienvesper».

Festival Heidenheim bietet Online-Mitwirkung
Die Opernfestspiele Heidenheim bieten ab sofort auf mehreren Internet-Portalen eine Reihe von Möglichkeiten, sich aktiv an dem Festival zu beteiligen. Neben der normalen Website (www.opernfestspiele.de) wurde mit der Seite www. opernwerkstatt.net ein weiteres Portal geöffnet, auf dem Besucher die Gelegenheit nutzen können, in einen Dialog mit den Festivalmachern zu treten. Zudem präsentieren sich die im Juli stattfindenden Festspiele auf der Plattform Facebook und mit einem eigenen Videokanal auf der Plattform youtube.

Montepulciano lädt zum «Cantiere»
Mit einer Mischung aus Oper, Symphonik, zeitgenössischer Musik und multimedialen Projekten geht der «Cantiere Internazionale d’arte» zu Montepulciano in seine 35. Saison. Die internationale Kunstwerkstatt dauert vom 15. Juli bis zum 1. August und präsentiert unter anderem die Miniaturoper «In ascolto di un re» von Stefano Taglietti auf einen Text von Raffaele Giannetti. Als italienische Erstaufführung wird Salvatore Sciarrinos Oper «Luci mie traditrici» zu erleben sein. Insgesamt werden mehr als 40 lebende Komponisten mit ihren Werken vertreten sein. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.fondazionecantiere.it

Mario Venzago übernimmt Berner Symphonie Orchester
Der Schweizer Dirigent Mario Venzago folgt beim Berner Symphonie Orchester mit einem unbefristeten Vertrag ab der Spielzeit 2010/11 als Chefdirigent auf Andrey Boreyko. In seiner ersten Saison wird er aber planungsbedingt, wie es heißt, lediglich drei Konzerte dirigieren; danach ist eine Zusammenarbeit mit dem Orchester in Bern auf elf Wochen pro Saison avisiert. Venzagos Vertrag kann beidseitig auf ein Jahr gekündigt werden. Hintergrund für diese Absprache sind die offenen Fusionspläne von Stadttheater und Orchester. Über die Geschicke des Hauses entscheidet künftig eine dreiköpfige Geschäftsleitung. Diese besteht aus Intendant Marc Adam sowie dem Technischen Direktor Gino Fornasa und dem Kaufmännischen Direktor Anton Stocker. Nicht mehr in Bern wird der Chorleiter Alexander Martin arbeiten. Er verlässt das Stadttheater Ende Juli und wechselt als Direktor des Chœur an die Opéra National de Bordeaux.

Kinderoper-Preis für Siegfried Köhler
Dass Musik jung und kreativ hält, dafür ist der jetzt 86-jährige Dirigent und Komponist Siegfried Köhler ein lebendes Beispiel. Gerade hat er, zusammen mit seinem Sohn Klaus-Dieter, den ersten Preis beim diesjährigen Autoren- und Komponisten-Wettbewerb des Landestheaters Schwaben für die Kinderoper «Kater Murr – Opera piccola für Bambini(s) bis(s) Teenie(s)» erhalten, die in Memmingen erfolgreich uraufgeführt wurde. Das Stück, geschrieben für zwei Darstellerinnen, Klavier und Schlagzeug, soll Kindern und Jugendlichen auf spielerische Weise die Welt der klassischen Oper nahe bringen. Köhler verwendet dabei traditionelle Formen und Stile, auch Volks- und Wanderlieder, verzichtet aber bewusst auf anbiedernde Bezüge zur aktuellen Popmusik. Die Memminger Produktion ist so konzipiert, dass sie auch andernorts ohne großen technischen Aufwand realisiert werden kann.

Christoph Schlingensief schreibt Memoiren
Der Performer, Film- und Opernregisseur Christoph Schlingensief schreibt seine Memoiren. Sie sollen am 24. September, einen Monat vor seinem 50. Geburtstag, beim Verlag Kiepenhauer & Witsch erscheinen.

Stephan Pauly neuer Intendant der Alten Oper Frankfurt
Stephan Pauly, derzeitig künstlerischer Leiter und kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung Mozarteum Salzburg, wird Geschäftsführer und Intendant der Alten Oper in Frankfurt am Main. Pauly, 1972 geboren, studierte Philosophie, Theologie sowie Theater- und Opernregie in München und Rom und war vor seiner Zeit in Salzburg unter anderem als persönlicher Assistent von August Everding und als Managementberater bei McKinsey & Co beschäftigt.

Bariton Mikolaj Zalasinski ausgezeichnet
Der polnische Bariton Mikolaj Zalasinski ist in seiner Heimat als bester Sänger des Jahres 2009 mit dem Jan Kiepura-Preis ausgezeichnet worden. Zalasinski gehört seit dem Herbst 2008 dem Ensemble des Nürnberger Staatstheaters an und wurde für seine Darstellungen der Titelpartien in den Opern «Rigoletto», «Eugen Onegin» und «Don Giovanni» belobigt.

Buch zum Abschied
Der nach sieben Jahren aus dem Amt scheidende Intendant der Sächsischen Staatsoper Dresden Gerd Uecker hat ein Buch mit dem Titel «Beständig ist nur der Wandel: Überregionale Ermunterungen aus der Semperoper» herausgegeben. Darin resümieren Uecker und weitere Autoren aus Kultur und Politik sowie Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen die Jahre zwischen 2003 und 2010.

Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller ausgezeichnet
Die Mannheimer Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller erhält den mit 10 000 Euro dotierten diesjährigen Musikpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Der zweite Preis und damit 5000 Euro gehen an die Sopranistin Katharina Hagopian aus Köln.

Stephan Braunfels leitet Freundeskreis der Deutschen Oper Berlin
Nach zehnjähriger Tätigkeit hat Harald Wiedmann sein Amt als 1. Vorsitzender des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin an Stephan Braunfels übergeben. Braunfels ist der Enkel des Komponisten Walter Braunfels, dessen Oper «Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna» 2008 an der Deutschen Oper Berlin ihre szenische Erstaufführung erlebt hatte.

Peter Baumgardt übernimmt Europäische Wochen Passau
Der Kulturmanager Peter Baumgardt wird ab 2012 Intendant der Europäischen Wochen Passau. Er will die Festspiele unter das Generalmotto «Donaukultur» stellen. Für Vielfalt ist demnach gesorgt.

Elbphilharmonie: Kosten explodieren
Bürgermeister Ole von Beust machte gute Miene zum schief gelaufenen Spiel: Trotz astronomisch gestiegener Kosten und unabsehbarer Risiken sprach er den Hamburgern Mut zu, dass sich die Investitionen in die von den Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron entworfene Elbphilharmonie eines Tages auszahlen werden. Von Beusts Worte zum Richtfest des auf ein altes Speichergebäude gesetzten gläsernen Konzerthauses klangen nach dem Mut der Verzweiflung: Als das Projekt 2005 angeschoben wurde, sollte es 186 Millionen Euro kosten, die Stadt rechnete mit einer Beteiligung von 77 Millionen. Nun werden die Gesamtkosten auf 500 Millionen geschätzt, die Bürgerschaft soll davon gut 323 Millionen tragen. Angesichts des Dauerstreits mit der federführenden Baufirma könnte die Summe am Ende noch höher liegen.

Albrecht Puhlmanns letzte Stuttgarter Spielzeit
In seiner letzten Spielzeit als Intendant der Stuttgarter Staatsoper präsentiert Albrecht Puhlmann elf Neuproduktionen, drei Wiederaufnahmen sowie zwölf Opern im Repertoire. Die Saison wird eröffnet mit Verdis «Luisa Miller» in der Inszenierung von Markus Dietz und unter der musikalischen Leitung von Thomas Soendergard. Es folgen die Premieren «Die Fledermaus» (Philipp Stölzl, Manfred Honeck), eine konzertante «Maria Stuarda» (Marc Soustrot am Pult), Poulencs «Dialogues des Carmélites» (Thomas Bischoff, Manfred Honeck), Händels Oratorium «Il trionfo del Tempo e del Disinganno» (Calixto Bieito, Sébastian Rouland) sowie die Uraufführung von Hans Thomallas Opus «Fremd» (Anna Viebrock, Johannes Kalitzke). In der Jungen Oper gibt es zwei Premieren: die deutsche Erstaufführung von «The Rage of Life» von Elena Kats-Chernin sowie «Die Ballade von Garuma» von Ad de Bont und Guus Ponsioen.

Was die San Francisco Opera plant
Die San Francisco Opera  präsentiert im kommenden Jahr im Rahmen ihres «Ring»-Festivals den kompletten «Ring des Nibelungen». Das Opus magnum wird in drei Zyklen im Juni 2011 zu sehen sein. Regie führt Francesca Zambello, am Pult steht Donald Runnicles, ehemals Musikchef in San Francisco und seit der Spielzeit 2009/10 Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. Als Solisten wurden unter anderem Nina Stemme als Brünnhilde, Mark Delavan als Wotan, Ian Storey als Siegfried und Anja Kampe als Sieglinde verpflichtet. Weitere Informationen über die einzelnen Produktionen gibt es im Netz unter www.sfopera.com/ring

Neues am Theater Magdeburg
Acht Opern- und Muscialpremieren präsentiert das Theater Magdeburg in der Spielzeit 2010/11. Den Auftakt macht im September Verdis «La traviata». Es folgen Brittens «The Turn of the Screw», Andrew Lloyd Webbers «Sunset Boulevard», «Werther» von Massenet, «Die Fledermaus» von Johann Strauß, Donizettis «Lucia di Lammermoor», «The Io Passion» von Harrison Birtwistle und Webers «Freischütz». Gerundet wird die Saison mit einer Open-Air-Premiere auf dem Domplatz: «Die Schöne und das Biest».

Teatro Municipal in Rio wiedereröffnet
Fast zeitgleich mit der Wiedereröffnung des Teatro Colón in Buenos Aires (siehe OW 6/2010) ist nun auch das Teatro Municipal von Rio de Janeiro nach umfangreichen Renovierungsarbeiten mit einem Festkonzert in Anwesenheit des brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva wieder eröffnet worden. Das 1909 erbaute Haus war zwei Jahre lang wegen Sanierung geschlossen, in dieser Zeit wurden die Technik erneuert, eine Klimaanlage installiert und neue Sitze eingebaut. Die Kosten betrugen 35 Millionen US-Dollar.

King’s Singers haben einen neuen Bass
Das populäre britische Gesangs-Sextett King’s Singers erneuert mit dem erst 23-jährigen Jonathan Howard im September das Bassregister. Howard ersetzt das bisherige Mitglied Stephen Connolly; dieser übernimmt die Leitung der Gesangsausbildung am Cheltenham Ladies College. Sein Nachfolger studierte am New College in Oxford und sang dort unter anderem im Chor.

Opernhaus Sydney vor der Schließung?
Dem Opernhaus von Sydney droht wegen der überaus prekären finanziellen Situation und Fragen der Sicherheit bereits im Jahr 2011 die Schließung auf unbestimmte Zeit. Laut lokalen Medienberichten sei die Sicherheit der Künstler auf der Bühne nicht mehr gewährleistet, weil die technische Infrastruktur in einem desolaten Zustand sei und wegen fehlender Gelder nicht erneuert werden könne. Wenn der Staat die Renovierung der Bühnenmaschinerie nicht mit 800 Millionen Dollar unterstütze, müsse das architektonische Wahrzeichen der Stadt seine Pforten schließen, wurde der Geschäftsführer des Opernhauses, Richard Evans, zitiert.

Fünf Musiktheaterpremieren in Cottbus
Mit dem Musical «Jekyll & Hyde» eröffnet das Staatstheater Cottbus die Spielzeit 2010/11 in der Sparte Oper. Regie führt Intendant Martin Schüler, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Marc Niemann. Es folgen die Premieren von Tschaikowskys «Eugen Onegin» (Martin Schüler, Evan Christ), Wagners «Siegfried» (in einer semiszenischen Version des gleichen Teams), Verdis «Aida» (Ralf Nürnberger, Evan Christ), sowie, auf der Kammerbühne, die Produktion der Monooper «Das Tagebuch der Anne Frank» von Grigori Frid (Hauke Tesch, Frank Bernard).

Letzte Dortmunder Saison für Christine Mielitz
Das Motto der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 ist auch das Motto der nächsten Spielzeit am Theater Dortmund: «Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur». In ihrer neunten und letzten Spielzeit inszeniert Intendantin Christine Mielitz als Abschiedsarbeit Puccinis Opern-Triptychon «Il trittico». Weitere Premieren sind Donizettis «Lucia di Lammermoor», Dvoráks «Rusalka», Offenbachs «Ritter Blaubart» und, als deutsche Zweitaufführung, «Hamlet» von Christian Jost, dem composer in residence am Theater Dortmund.

Savonlinna plant Internetoper
Das Savonlinna Opera Festival will 2012 eine Oper uraufführen, die in einem Kollektivprozess im Internet entstehen soll. An Libretto, Musik und sogar der Wahl der Kostüme kann mitwirken, wer will. Für das Projekt  mit dem Titel «Opera by You» stehen Solisten, ein Chor, ein Symphonieorchester und ein Produktionsteam zur Verfügung. Wie das Ganze im Einzelnen funktionieren soll, ist zur Stunde noch unklar. Vermutlich über Chats und Blogs.

Jens Schubbe geht nach Zürich
Mit Beginn der Spielzeit 2010/11 wird Jens Schubbe Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Collegium Musicum Zürich. Schubbe, der seit 2001 Dramaturg am Konzerthaus Berlin ist und dort vor allem für Produktionen des zeitgenössischen Musiktheaters zuständig war, tritt die Nachfolge von Christian Fausch an, der das Ensemble auf eigenen Wunsch im September verlässt.
 
Leonard Slatkin weist Vorwürfe zurück
Der Dirigent Leonard Slatkin hat Vorwürfe zurückgewiesen, er sei wegen fehlender Partitur-Kenntnis aus der «La traviata»-Produktion an der New Yorker Met ausgestiegen. Laut einem Bericht der Zeitung «Free Press» erklärte Slatkin, Auslöser für seine Demission seien vielmehr die Diva-Allüren Angela Gheorghius gewesen, die die Titelrolle verkörperte. Sie habe ihm die Sicht auf andere Sänger versperrt, sich in Sachen expressiven Phrasierens unbotmäßige Freiheiten herausgenommen, zu früh eingesetzt und seine Zeichengebung ignoriert.
 
Bewegender Abschied der Lindenoper auf dem Bebelplatz
Über 50 000 Menschen haben bei einem musikalischen Fest auf dem Bebelplatz den temporären Abschied der Berliner Staatsoper Unter den Linden aus dem Knobelsdorff-Bau gefeiert. Das Haus wird in den kommenden drei Jahren saniert. Unter dem Motto «Staatsoper für alle» gab es eine Live-Übertragung des «Eugen-Onegin» sowie eine Open-Air-Kinovorstellung von Massenets «Manon». Im Zuge der Sanierung wurde bekannt, dass die Bestuhlung der Staatsoper zum Verkauf steht. Weitere Informationen hierzu gibt es unter der Internetadresse www.staatsoper-berlin.de
 
Costa Pilavachi wird Senior Vice President von Universal Music Classics
Der Kulturmanager Costa Pilavachi hat das Amt des Senior Vice President bei Universal Music Classics übernommen. Damit ist Pilavachi, der bereits Chef von Philips Classic und Decca sowie bei der EMI war, Chef der Abteilung Classical Artists and Repertoire des Musik-Konzerns. Er wird die Geschäfte von London aus führen.
 
Thomas Demenga leitet die Camerata Zürich
Thomas Demenga wird ab der Saison 2011/12 Künstlerischer Leiter der Camerata Zürich. Er löst in dieser Funktion Marc Kissócy ab, der das Ensemble neun Jahre lang als Dirigent führte. Einen eigenen Chefdirigenten wird die Camerata künftig nicht mehr haben.

Italien spart weiter an der Kultur
Die italienische Regierung hat weitere drastische Kürzungen in der Kultur angekündigt. Den Einsparungen könnten innerhalb der nächsten Jahre prominente Institutionen wie die Arena di Verona und das Spoleto-Festival zum Opfer fallen, hieß es in entsprechenden Medienberichten. Insgesamt sollen ab sofort neben den bereits genannten weitere 230 Institutionen aus dem Bereich der Kultur nicht mehr gefördert werden. Einzig Staatspräsident Giorgio Napolitano könnte dem Aderlass noch Einhalt gebieten, indem er dem vorlegten Sparpaket seine Unterschrift verweigert.
 
Menuhin Festival Gstaad gründet eigenen Klangkörper
Das Menuhin-Festival Gstaad hat ab August einen eigenen Klangkörper: das Gstaad Festival Orchestra. Als Principal Conductor wurde Maxim Vengerov bestimmt, der ehemalige Geiger. Seinen Einstand wird das Orchester im Rahmen des diesjährigen Festivals geben.
 
Schweizer Kammerchor vor dem Aus
Der Vorstand des Vereins Basler Madrigalisten/Schweizer Kammerchor hat beschlossen, den Schweizer Kammerchor, den einzigen professionellen Kammerchor der Schweiz, am Ende der Saison 2010/11 aus finanziellen Gründen aufzulösen. Damit entfällt auch die Suche nach einem Nachfolger für den 2011 aus dem Amt scheidenden Gründer und derzeitigen Künstlerischen Leiter Fritz Näf. Ab dem Sommer dieses Jahres erhält das Vokalensemble keine finanzielle Förderung mehr durch die Stadt Zürich. Bemühungen um private Sponsoren blieben bislang erfolglos.
 
Carole Charnow gibt Posten in Boston ab
Carole Charnow, Chefin der Boston Opera, legt Ende Juli ihr Amt als Generaldirektorin der Institution nieder, um künftig als Präsidentin und Chief Executive Officer am Bostoner Children’s Museum zu arbeiten. Für die Zeit, bis ein Nachfolger für Charnow gefunden wird, übernimmt der Präsident des Opera Boston Board, Gregory Bulger, deren Position. Ebenfalls aus dem Amt scheidet am Ende der laufenden Spielzeit der Musikdirektor des Opera & Orchestra Spoleto Festivals, Emmanuel Villaume. Er war seit 2001 in dieser Position tätig. Auch für ihn wird nun dringend ein Nachfolger gesucht.
 
Umbau des Schiller Theaters wird teurer als geplant
Der Umbau des Schiller Theaters, das ab der kommenden Saison als Ersatzspielstätte für die Staatsoper Unter den Linden dient, wird rund drei Millionen Euro teurer als zunächst geplant. Das geht aus einem Bericht des Berliner Senats an das Abgeordnetenhaus hervor. Demnach steigen die Kosten von 20 auf 23,1 Millionen Euro. Die zusätzlichen Mittel werden unter anderem zur Beseitigung von Schadstoffen und für höhere Aufwendungen beim Brand- und Lärmschutz benötigt, teilte der Senat Berlins mit.
 
Orchestermusiker setzen sich für Natur- und Umweltschutz ein
Die Orchestermusiker der Berliner Staatskapelle haben unter dem Namen «Orchester des Wandels» eine weltweit einmalige Initiative für Umwelt- und Klimaschutz gegründet. Wichtigster Bestandteil der Initiative ist die gemeinnützige NaturTon-Stiftung, die mit privaten Mitteln der Orchestermusiker ins Leben gerufen wurde. Als Partner für das ambitionierte Unterfangen konnte der World Wildlife Fund (WWF) gewonnen werden. Weitere Informationen gibt es auf der Website www.orchester-des-wandels.de.


Jubilare

Helen Donath zum 70.
In Texas ging Helen Donath, die damals noch Helen Erwin hieß und noch nicht mit dem Dirigenten Klaus Donath verheiratet war, zur Schule, dort begann sie zu singen, übrigens auch säkulare Werke. Ihre wesentlichen Schritte hin zu einer der großen Sopranistinnen unserer Zeit machte sie dann aber in New York. Von dort verschlug sie es bald darauf ins gute alte Europa: An der Kölner Oper debütierte Helen Donath als Wellgunde im «Rheingold». Vor allem als Mozart-Interpretin hat sich die Künstlerin einen Namen erworben: Pamina etwa und die «Figaro»-Gräfin blieben unvergessen, wenn sie sie sang. Wenig Wunder, dass Helen Donath an allen großen Opernhäusern weltweit auftrat und umjubelt wurde. Am 10. Juli feiert die Bayerische Kammersängerin und Doctor honoris causa der Universität Miami ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Jürgen Kesting zum 70.
An seinem Standardwerk «Die großen Sänger» kommt niemand vorbei, der sich für die Geschichte des Singens interessiert. Was der Musikjournalist Jürgen Kesting in diesem – vor mehr als zwei Jahrzehnten erstveröffentlichten, 2008 in völlig überarbeiteter Neuauflage und in vier Bänden erschienenen – Kompendium im Alleingang zusammengetragen hat, ist keine Anekdotensammlung über Stars und Sternchen der Oper, sondern eine monumentale Stilkunde des Kunstgesangs. Der große Bogen erschließt sich aus unzähligen Einzelporträts, in denen stets der Versuch dominiert, die vokale Individualität der Künstler, ihren unverwechselbaren Ton darzustellen. 1940 in Duisburg geboren, studierte Kesting Anglistik, Germanistik und Philosophie. Nach einigen Jahren in der Schallplattenindustrie arbeitete er als Redakteur für den «Stern», später (und bis heute) als freier Publizist für Tageszeitungen («FAZ») und Fachmagazine, darunter auch für «Opernwelt» (siehe etwa seine Besprechung der Hamburger «Aida» auf Seite 51 dieses Heftes). Darüber hinaus verantwortete er zahllose Musik-Sendungen in Hörfunk und Fernsehen, mit Maria Callas und Luciano Pavarotti setzte er sich in Büchern auseinander. Am 26. Juli feiert Jürgen Kesting seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich.

Manfred Jung zum 70.
Der Tenor Manfred Jung, durch die Verfilmung des Bayreuther «Jahrhundert-Rings» von Patrice Chéreau und Pierre Boulez, in der er beide Siegfried-Rollen übernahm, auch jüngeren Opernfreunden ein Begriff, feiert am 9. Juli seinen 70. Geburtstag. Der gebürtige Oberhausener begann seine Laufbahn nach einer Tätigkeit als Elektroingenieur und einer Sängerausbildung an der Essener Folkwang-Schule 1971 in Dortmund. Über Kaiserslautern kam er an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, deren Ensemble er viele Jahre fest angehörte. Sang er anfangs noch einige Partien des lyrischen Fachs (etwa Ernesto in «Don Pasquale»), so entwickelte sich die Stimme stetig zum jugendlich-dramatischen und schließlich zum Heldentenor. Als solcher gab Jung 1977 im besagten «Ring» sein Solisten-Debüt bei den Bayreuther Festspielen, wo er schon in früheren Jahren als Chorsänger gewirkt hatte. Bis 1998 ist er dort regelmäßig aufgetreten. Gastspiele führten ihn u. a. an die Opernhäuser von Stuttgart, Hamburg, München, Wien, Barcelona, Chicago, an die Metropolitan Opera in New York und zu den Salzburger Osterfestspielen. In Wagners «Ring» hat er sämtliche Tenorrollen gesungen. Daneben war er besonders als Tristan und Parsifal international erfolgreich. In den neunziger Jahren erfolgte dann sein Wechsel ins Charakterfach, von Siegfried zu Mime (den er in Bayreuth und in Kassel sang), und zu Partien wie Herodes, Valzacchi, Hauptmann in «Wozzeck» oder Teiresias in den «Bassariden». Nach seiner aktiven Bühnenkarriere war Jung als Gesangspädagoge (u. a. an der Stuttgarter Musikhochschule) und als Chorleiter tätig. Seit 2006 ist er künstlerischer Leiter der Jungen Musiker Stiftung, die ihren Sitz in Bayreuth hat und junge Sänger und Instrumentalisten finanziell wie künstlerisch fördert.


Wettbewerbe

Sopranistin gewinnt Zachary National Competition
Die New Yorker Sopranistin Nadine Sierra hat den ersten Preis bei der 38. Loren L. Zachary National Competition in Los Angeles gewonnen. Die 22-Jährige erhielt dafür ein Preisgeld in Höhe von 12 000 US-Dollar. Auf den zweiten Platz kam der ebenfalls in New York lebende Bassbariton Donovan Singletary (10 000 US-Dollar), den dritten Rang belegte Nicholas Pallesen, New York (8000 Dollar).

Finalrunde an Covent Garden – zehn Jugendliche schreiben Pausenhymne
Das Royal Opera House hat zehn Finalisten des Wettbewerbs um die neue Fanfare des Opernhauses ausgewählt. Aufgerufen, ein Stück in Länge von einer halben Minute zu komponieren, waren Nachwuchskünstler(innen) im Alter zwischen elf und 14 Jahren. Die zehn Sieger werden nun ihre Fanfaren mit dem Orchester von Covent Garden aufnehmen. Genauere Informationen gibt es unter www.roh.org.uk

Spielzeitheft Hannover prämiert
Das Spielzeitheft der Staatsoper Hannover mit dem Titel «seitenbühne», das bereits Preise bei Designwettbewerben errang, wurde nun auch für den Designpreis Deutschland 2011 nominiert. Die Ehrung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ausgelobt und seit 2006 für herausragende Leistungen in den Bereichen Produkt- und Kommunikationsdesign vergeben.

Savonlinna veranstaltet erstmals Gesangswettbewerb
Das Opernfestival von Savonlinna lädt zum ersten Gesangswettbewerb in seiner Geschichte ein. Teilnehmen können Sängerinnen, die nach 1983, und Sänger, die nach 1980 geboren wurden. Die Erstauflage der Savonlinna Opera Festival Singing Competition findet vom 20. bis zum 25. Juli statt. Der erste Preis ist mit 20 000 Euro dotiert und wird von einer Jury unter dem Vorsitz des Künstlerischen Leiters von Savonlinna, Jari Hämäläinen, vergeben. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.operafestival.fi

Christoph Altstaedt bei Dirigierwettbewerb ausgezeichnet
Christoph Altstaedt hat beim 2. Internationalen Dirigentenwettbewerb Evgeny Svetlanov im französischen Montpellier sowohl den mit 10 000 Euro dotierten zweiten Preis als auch den Publikumspreis (3000 Euro) gewonnen. Altstaedt ist ab der Spielzeit 2010/11 als Kapellmeister an die Deutsche Oper am Rhein engagiert.

Wettbewerb der Universität Bayreuth
Zum dritten Mal in der Geschichte des Forschungsinstituts für Musiktheater (fimt) an der Universität Bayreuth wird der Thurnauer Preis für Musiktheaterwissenschaft ausgelobt. Damit möchte das Institut neue Standards in der Musikwissenschaft anregen. In diesem Jahr wird der Preis in Verknüpfung mit dem Projekt «W.WW 2013 – Wagner World Wide 2013» vergeben. Bewerben können sich junge Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die sich in der Promotions oder Postdoc-Phase befinden – mit Arbeiten in Form eines Computerausdrucks. Weitere Informationen gibt es auf Website des Forschungsinstituts, www.fimt.uni-bayreuth.de.


Abschied

Yvonne Loriod ist tot
Im Alter von 86 Jahren ist die französische Pianistin Yvonne Loriod unweit von Paris gestorben. Die 1924 geborene Musikerin studierte am Pariser Conservatoire, wo sie von ihrem späteren Ehemann Olivier Messiaen unterrichtet wurde. Yvonne Loriod zählt zu den großen Interpretinnen zeitgenössischer Musik. Sie hob zahlreiche Werke Messiaens aus der Taufe, aber auch Kompositionen von Pierre Boulez und André Jolivet. Von 1967 bis 1989 unterrichtete sie selbst am Conservatoire.

Tenor Siphiwo Nitshebe gestorben
Im Alter von 34 Jahren ist der südafrikanische Tenor Siphiwo Nitshebe gestorben. Er erlag einer Meningitis. Nitshebe wuchs in einem Township von Port Elizabeth auf und erlernte den Gesang in der Kirche. Mit 16 Jahren ermöglichte ihm ein Stipendium eine professionelle Ausbildung. Nitshebe hätte, auf ausdrücklichen Wunsch von Nelson Mandela, bei der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft 2010 das Lied «Hope» präsentieren sollen.

Arne Nordheim gestorben
Insider kannten und schätzten ihn, sein Œuvre, seine Art zu denken und zu komponieren. Nun ist, im Alter von 78 Jahren und nach langer Krankheit, der norwegische Komponist Arne Nordheim gestorben. Nordheim galt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten in Europa und als Pionier auf dem Gebiet der elektronischen Musik. Nach dem Studium am Konservatorium in Oslo wurde sein erstes Orchesterwerk 1954 aufgeführt. Nordheim arbeitete unter anderem mit Mstislaw Rostropowitsch zusammen.
 
Giuseppe Taddei ist tot
Kurz vor seinem 94. Geburtstag ist der italienische Bariton Giuseppe Taddei gestorben. Taddei, der 1916 geboren und in den dreißiger Jahren von Arturo Toscanini gefördert wurde, konnte seine sängerische Karriere erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufnehmen, da er während der Herrschaft von Benito Mussolini wegen aktiven Widerstands gegen das faschistische Regime verhaftet worden war. Von 1946 bis 1948 war der Sänger Mitglied im Ensemble der Wiener Staatsoper, am Ende dieses Engagements wurde er von Herbert von Karajan als Mozart-Sänger entdeckt und debütierte an der Scala, wo er in den fünfziger Jahren tätig war. Bei den Bregenzer Festspielen, die ihm späterhin den Ehrenring verliehen, war Taddei zwischen 1968 und 1980 unter anderem als Falstaff zu hören.
 
Organist David Sanger ist tot
Gut möglich, dass seine außermusikalischen Neigungen ihm zum Verhängnis wurden: Der britische Organist David Sanger ist im Alter von 63 Jahren in seinem Haus tot aufgefunden worden. Ein Verbrechen schließt die Polizei aus. Nach englischen Presseberichten hat der Präsident des Royal College of Organists sich vermutlich das Leben genommen. Als Grund wurde ein Verfahren wegen pädophiler Übergriffe genannt, das gegen Sanger eingeleitet worden war. Das Können eines der besten Konzertorganisten der Welt ist auf rund 20 CDs dokumentiert.
 
Kammersänger Rudolf Mazzola ist tot
Im Alter von 70 Jahren ist der Schweizer Sänger Rudolf Mazzola gestorben. Laut einer Mitteilung der Wiener Staatsoper debütierte Mazzola 1977 im Haus am Ring, deren Ensemblemitglied er seit 1975 war, als Osmin in Mozarts «Entführung aus dem Serail». In der Folgezeit sang er dort in beinahe 1000 Vorstellungen 46 Partien in 40 verschiedenen Bühnenwerken. Seinen letzten Auftritt an der Staatsoper hatte Mazzola, der in Österreich zum Kammersänger ernannt wurde, 2002 als Schigolch in Bergs Oper «Lulu».
 
Gedenken an Dorothy Kirsten anlässlich ihres 100. Geburtstages
Sie liebte die Rollenvielfalt auch im Privaten, doch nicht immer freiwillig. Dreimal war die amerikanische Sopranistin Dorothy Kirsten verheiratet, wobei die zweite Ehe nicht geschieden, sondern durch einen Schicksalsschlag beendet wurde. Nach ihrer Zeit als Sängerin im Radio und bei Poporchestern startete Dorothy Kirsten ihre Karriere 1940 als Manon in Chicago; es folgten Engagements in New York und San Francisco. Ab 1943 arbeitete die Sängerin als Ensemblemitglied der Philadelphia La Scala Opera Company, wo sie unter anderem die «Pagliacci»-Nedda, die Titelfigur in Bizets «Carmen» sowie Mimì in «La Bohème» verkörperte. Mit letztgenannter Partie gab sie 1945 ihr Debüt an der New Yorker Met, jenem Haus, dem sie danach rund dreißig Jahre verbunden blieb. Am 18. November 1992 starb Dorothy Kirsten. Kurz zuvor hatte sie eine Autobiografie mit dem schlicht-schönen Titel «A Time so Sing» veröffentlicht. Am 6. Juli wäre sie 100 Jahre alt geworden.

 

 

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12.10.2009 Jürgen Otten/ opernwelt

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