Georg Kreisler, Grandseigneur des Wiener Chansons, hat wieder eine Oper geschrieben: «Das Aquarium oder Die Stimme der Vernunft» ist Spät- und Frühwerk zugleich
Dass Georg Kreisler als Autor und Komponist von Theaterstücken, Musicals, Gedichten, Satiren und Romanen kaum wahrgenommen wurde, hängt nicht nur damit zusammen, dass das Kabarettpublikum weiterhin nichts als «die alten bösen Lieder» hören will, sondern auch mit dem radikalen Nonkonformismus, der den Künstler immer wieder in Konflikte mit Verlegern, Theater- und Kulturfunktionären brachte. Weil seine Bücher nur spärlich verlegt, seine Stücke kaum aufgeführt wurden (eine Ausnahme bildet das Chanson-Musical «Lola Blau» von 1971), ist nahezu unbekannt, dass die in seinen frühen Liedern so meisterhafte, kaum aufzulösende Verschränkung von Poesie und Musik in seinen späteren nicht-kabarettistischen Werken fortgesetzt wird. Kreisler gelingt hier eine schlafwandlerisch sichere Synthese von poetischer Form und weltanschaulichem Gehalt.
Der ästhetische Geist, der spezifische Gestus des Genres «Chanson», der sich vor dem überschaubarem Publikum der Kleinkunstbühne entfaltet und die direkte,
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